Ausweg aus Finanzsituation gesucht

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Engagiert beteiligten sich viele Besucher an der Diskussion um die Zukunft der Kirchengemeinde. ▪

RÖNSAHL ▪ So harmonisch sich das Geschehen innerhalb der evangelischen Kirchengemeinde Rönsahl auch darstellen mag, ist das aber keine Garantie für ein Leben auf der Insel der Seligen. Ganz im Gegenteil: Die schlechte Finanzsituation, die bereits seit längerer Zeit überall in den Kirchengemeinden zu drastischen Sparmaßnahmen und darüber hinaus in vielen Fällen bereits dazu geführt hat, dass Gotteshäuser geschlossen und Gemeinden zu größeren Einheiten zusammengeführt werden mussten, macht sich auch in Rönsahl bemerkbar.

Unverblümt wurde das anlässlich der Gemeindeversammlung angesprochen, bei der Kirchmeister und Presbyter Traugott Zentz anhand vorgelegter Daten und Fakten über die prekäre Kassenlage der Gemeinde – und hier insbesondere mit Blickrichtung auf den längerfristig zu sehenden Erhalt einer vollen Pfarrstelle in Rönsahl – informierte.

Zuvor hatte Pfarrer Martin Ahlhaus einen Blick auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen in der eigenen und derzeit mit 970 Mitgliedern kleinsten Gemeinde im gesamten Kirchenkreis geworfen. Konnte sich die evangelische Kirchengemeinde in Rönsahl beim Amtsantritt des Pfarrers vor 25 Jahren immerhin noch auf 1230 Gemeindeglieder stützen, so musste sie in den Folgejahren allerdings ebenso wie alle andere Gemeinden dem Wandel Rechnung tragen. Zusätzlich schrumpfte die Zahl der Gemeindeglieder (und damit das Kirchensteueraufkommen) empfindlich, als Teile des ehemals westfälischen Gemeindegebiets durch die Gebietsreform auch kirchlich der rheinischen Nachbarschaft zugeschlagen wurden.

Beim Blick auf die Tatsache, dass die Landeskirche indes eine Mindestzahl von 3000 bis 3500 Menschen für eine volle Pfarrstelle und als Basis für die sogenannte Pfarrbesoldungspauschale (und damit als Grundlage für das Gehalt des Pfarrers bei einer vollen Pfarrstelle) rechnet, so leitet sich schon daraus ab, wie gefährdet der Erhalt der Pfarrstelle in Rönsahl ist. Im Folgenden wurde intensiv darüber nachgedacht, wie die Finanzierungsvarianten für die Gehaltssicherung für den Pfarrer aussehen könnten.

Denn dass die Gemeinde in Rönsahl voll hinter ihrem Seelsorger steht und alles tun will, damit die volle Pfarrstelle auch längerfristig erhalten bleiben kann, wurde aus den sehr engagierten Wortmeldungen deutlich.

Nach derzeitigem Berechnungsmodus ergibt sich in absehbarer Zeit ein Fehlbetrag von rund 20 000 Euro jährlich, wenn das bisherige Finanzierungsprojekt, das Landeskirche und Kirchenkreis den Besoldungsrichtlinien für die volle Pfarrstelle zugrunde legen, nicht mehr greifen sollte und auch eigene Rücklagen der Gemeinde aufgebraucht sind.

Gesprochen wurde über die Zahlung eines Kirchgeldes pro Gemeindeglied, ein zusätzliches Spendenaufkommen, vor allem aber auch darüber, dass jeder durch Beitritt zum Förderverein gezielt dazu beitragen kann, dass „die Kirche im Dorf bleibt“.

Der von einem Gemeindemitglied ins Spiel gebrachte Vorschlag, die Gemeinde möge sich durch Veräußerung von Wald- und Grundbesitz einen finanziellen Spielraum schaffen, musste allerdings verworfen werden, weil geltendes Recht, nämlich der bestehende Staatsvertrag zwischen Kirche und Ländern, eben dieses untersagt.

Zusammenfassend stellte Traugott Zentz als Fazit fest: „Wir stehen an einem Punkt, wo wir uns als Gemeinde auf Veränderungen einstellen müssen, die wir selbst nicht mehr steuern können.“ Wobei letztlich der Gedanke an ein engeres räumliches Zusammengehen mit Nachbargemeinden beim nicht gänzlich auszuschließenden Verzicht auf eine volle Pfarrstelle und dem damit verbundenen Wegfall vieler lieb gewordener gemeindlicher Dienste und Serviceangebote, den Anwesenden nicht leicht fallen würde. ▪ cr

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