Eine Straße im Wandel der Zeit

Ausstellung: Das Leben auf der Kölner Straße - damals und heute

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Auch schon Geschichte: die Sparkasse an der Kölner Straße.

Kierspe - Hier schlug das industrielle Herz der Stadt, hier konnte man einkaufen, im Café sitzen und ins Kino gehen und hier floss das Bier in Strömen. Die Rede ist von der Kölner Straße. In einer Fotoausstellung gedenkt der Heimatverein im Fritz-Linde-Museum der Straße

Die wechselhafte Geschichte der Kiersper Straße drückt sich schon in den verschiedenen Namen aus. Lange Zeit war sie einfach die „Hauptstraße“, dem politischen Zeitgeist folgend wurde sie später zur „Adolf-Hitler-Straße“ – und als das 1000-jährige Reich nach 12 Jahren auf dem Boden lag, wurde der Verkehrsweg zur Friedrich-Ebert-Straße, die damals an der Kreuzung Wildenkuhlen rechtwinklig in Richtung Dorf abbog. Später wurde die Straße noch einmal unbenannt und bekam den bis heutige gültigen Namen Kölner Straße.

Wer von der Volmestraße auf die Kölner Straße abbiegt, passiert zwei historische Kiersper Gebäude. Das heute längst unansehnlich gewordene Haus Tannenbaum war nicht nur Zollstation, sondern später auch Raststätte für die Reisenden, die mangels Autobahn durchs Volmetal in Richtung Ruhrgebiet oder Siegerland unterwegs waren. Noch später brutzelte hier das Ehepaar Finke seine legendären Hähnchen.

Gleich gegenüber die Firma Bender und Wirth, die bereits 1899 von Hermann Bender und Carl August Wirth errichtet wurde. Die beiden hatten festgelegt, dass bei einer Trennung per Los entschieden werde, wer gehen müsse – es traf Wirth, der ein paar Meter weiter an der Volmestraße neu baute.

In dem Fabrikgebäude an der Kölner Straße fanden auch die ersten Versammlungen der Freien evangelischen Gemeinde statt, die 1900 von Hermann Bender gegründet wurde. Das Unternehmen, das sich mit Lampenfassungen einen Namen auf der ganzen Welt gemacht hat, ist bis heute im Besitz der Familie Bender.

Geht man die Straße hinauf, kommt man – gleich hinter der früheren Gaststätte – an dem ersten Gerätehaus der Feuerwehr Bahnhof vorbei, an der ehemaligen Molkerei, an deren Seite eine Zuwegung zur Firma Goseberg führt. Die Molkerei wurde übrigens genossenschaftlich betrieben. In einigen Jahren wird sie nur noch Erinnerung sein, genau wie das Haus Tannenbaum, denn die Gebäude auf dieser Seite der unteren Kölner Straße sollen einem Straßenbauprojekt zum Opfer fallen. Mit einem Kreisverkehr und einer leicht geänderten Streckenführung will Straßen.NRW die Verkehrssituation entschärfen. Dann wird auch die Unterführung verbreitert. Darüber fährt die Bahn. Und diese war es auch, die dem Ortsteil Bahnhof zur Blüte verhalf und durch den Haltepunkt auch zu seinem Namen.

Aufschwung zur Industriestraße

Nachdem die Bahn Kierspe mit dem Rest der Welt verband, entstanden viele neue Firmen an der Kölner Straße, darunter auch Backhaus, Helit und Kuhbier. Um den Durst der Arbeiter zu stillen, wurde auch so manche Kneipe eröffnet. Schnell wuchs der Ortsteil heran und wurde größer als das Dorf. Um die Kaufkraft zu binden, entwickelte sich die Kölner Straße dann auch noch zur Haupteinkaufsstraße. Es gab Fachgeschäfte, die Oberbekleidung, Haushaltswaren, Schuhe, Fleischereiprodukte und fotografische Dienstleistungen anboten. Natürlich durften da Lebensmittelgeschäfte nicht fehlen.

Es muss so Mitte bis Ende der 1980er-Jahre gewesen sein, als der Niedergang des Einzelhandels begann. Marlen Vedder vom Heimatverein sieht den Grund für die ersten Schließungen in der ungeregelten Nachfolge. Denn, fand sich kein Erbe, der das Geschäft führen wollte, dann mussten eventuelle Betreiber neben dem eigenen Einkommen auch noch die Miete erwirtschaften.

Als dann vor mehr als 25 Jahren das Stern-Center in Lüdenscheid eröffnet wurde, verschärfte sich die Situation, die durch den Handel im Internet noch einmal eine ganz neue Dimension bekam.

Doch Einkaufen kann man an der Kölner Straße noch immer. Allerdings muss man ganz nach oben fahren, bis zur Kreuzung Wildenkuhlen, wo mit dem Fachmarktzentrum wieder Geld in den Einzelhandel in Kierspe fließt, auch wenn der Park in erster Linie von Filialen bekannter Ketten beherrscht wird. Direkt daran schließt sich das Gelände eines Baumarktes an.

Wer sich die historischen Bilder in der Ausstellung des Heimatvereins anschaut, wird manch altes Gebäude wiedererkennen, sich aber verwundert die Augen reiben, wie sehr sich die Straße verändert hat.

Öffnungszeiten

Die Foto-Ausstellung „Kölner Straße – damals und heute“ im Fritz-Linde-Museum ist am Sonntag, 28. Juli, von 13 bis 17 Uhr und am Dienstag, 6. August, von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Die Bewirtung der Besucher wird vom Heimatverein mit Kaffee und selbst gebackenen Kuchen übernommen.

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