Im Kiersper Fritz-Linde-Museum

Ausstellung: Konfirmations- und Schulfotos

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Zum erstenmal kamen die Konfirmanden des Jahrgangs 1959 für ein gemeinsames Fotos zusammen. Zwei weitere Aufnahmen sollten noch folgen.

Kierspe - Sollten einmal in einer fernen Zukunft nachfolgende Generationen unsere Bilder sehen, werden sie denken, wir wären immer glücklich gewesen, denn meist lächeln wir.

Eine Ausnahme bilden Gruppenaufnahmen wie Klassen- oder Konfirmationsfotos, denn dort scheint der ernste Blick eine Verpflichtung. Davon können sich die Besucher einer Ausstellung im Fritz-Linde-Museum überzeugen, die am 29. Juli und 7. August gezeigt wird.

Der Zweite Weltkrieg liegt gerade hinter den Schülern, die im Sommer 1945 in ihrem Klassenraum abgelichtet werden. Mit ernsten Gesichtern schauen sie in die Kamera und auch in eine ungewisse Zukunft. Was ist wohl aus ihnen geworden? Wuchsen sie ohne einen Vater auf, der nun in fremder Erde liegt? Wie lange ist der Hunger noch ihr täglicher Begleiter und konnten sie die Zeit des Wirtschaftswunders für sich nutzen? Fragen, auf die zumindest die eine Antwort wissen, die auf den Aufnahmen zu sehen sind.

Die meisten Menschen auf den Konfirmations- und Schulbildern, die im Museum gezeigt werden, sind zumindest für die Organisatoren der Schau namenlos. Damit das nicht so bleibt, sind alle Abgebildeten nummeriert – und neben den Bildern hängen Listen, auf denen die Namen dann eingetragen werden können.

Manchmal half auch das Glück bei der Identifizierung. Marlen Vedder, die die Ausstellung betreut, berichtet von einer älteren, leicht dementen Frau, die nach einem Blick auf ein altes Klassenfoto alle Namen der Fotografierten nennen konnte.

Bei einigen Aufnahmen gehört auch eine gehörige Portion Glück dazu, die Namen herauszufinden, denn die Aufnahmen stammen aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts. Einige der Konfirmationssprüche, die auf prächtig gestaltetem Papier zu sehen sind, sind noch älter. Vedder: „Der älteste Spruch, den wir gefunden haben, stammt von 1843.“

1984 kamen die Konfirmanden des Jahrgangs 1959 noch einmal zur Silbernen Konfirmation zusammen, wenngleich auch nicht alle an dem Treffen teilnahmen.

Und gefunden ist wohl der richtige Begriff, denn der Ausstellung ging viel Sucharbeit voraus. Unter anderem im Nachlass des früheren Pfarrers Heinz Köpsel. Seine Frau hatte den Kiersperinnen Zugang zum Dachboden gewährt, wo diese auch fündig wurden. Vor allem fanden sich dort Konfirmationsbilder. „Da wir anfangs Bedenken hatten, dass die Konfirmationsbilder nicht ausreichen würden, haben wir die Klassen- und Schulfotos dazugenommen“, so Vedder.

Die Konfirmationsbilder sind vor allem vor der Margarethenkirche aufgenommen worden. Erst ab 1952 kommen Fotos dazu, die vor der Christuskirche aufgenommen wurden. Bilder aus dem Gemeindezentrum Felderhof gibt es erst seit den 1960er-Jahren.

Zum vorerst letzten Mal trafen sich die Konfirmanden des Jahrgangs 1959 im Jahr 2009 zur Goldenen Konfirmation.

Ganz anders bei den Schulen, denn deren Zahl hat mit den Jahren abgenommen. Neben den beiden noch existierenden Einrichtungen Bismarck- und Pestalozzischule wurden Bilder auch in den „Zwergschulen“ Mühlenschmidthausen, Berken, Hinterste Berg, Bollwerk und Höckinghausen aufgenommen. Manchmal entstanden die Bilder auch auf Klassen- oder Schulfahrten – eine Aufnahme zeigt die jungen, reiselustigen Schüler in Hachen.

Viele der Aufnahmen gelangten in den Besitz des Heimatvereins bei der Erstellung der Bücher über die einzelnen Ortschaften und Höfe. „Dass nun alle Abgebildeten für die Ausstellung auch nummeriert werden konnten, verdanken wir Thomas Böhnke aus Rönsahl, der die Aufnahmen digital bearbeitet hat“, erzählt Vedder, die auch darauf hinweist, dass es für die Besucher wieder ein kulinarisches Angebot am Museum gibt. Würstchen, Salate, Kaffee und selbst gebackener Kuchen stehen bereit – genau wie das Zelt, in dem die Gäste vor der Sonne Schutz suchen können.

Die Ausstellung „Konfirmations- und Schulbilder“ ist am Sonntag, 29. Juli, von 11 bis 17 Uhr und am Dienstag, 7. August, von 15 bis 17 Uhr im Fritz-Linde-Museum zu sehen.

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