Ausgleichsmaßnahmen schaffen naturnahen Wald

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Förster Klaus Pokrandt, Kreisbiologe Klaus Kraatz und der städtische Planer Rainer Schürmann zeigen, wie auf der Öko-Ausgleichsfläche im Wienhagen die Fichtenkulturen langsam einem naturnahem Wald weichen. ▪

KIERSPE ▪ Die Fichtenmonokulturen in dem Bereich, der zum Biotopflächenpool und Ökokonto der Stadt Kierspe gehört, sind verschwunden.

Stattdessen ist eine ausgedehnte Lichtung entstanden, auf der sich inzwischen schon eine illustre Pflanzenvielfalt aus Moosen, Farnen, Heide und Binsen sowie Jungpflanzen von Birke, Erle und Eiche gebildet hat. „Aber auch die seltene gelb blühende Moorlilie findet sich“, wusste Förster Klaus Pokrandt zu berichten, als er gestern zusammen mit dem städtischen Planer Rainer Schürmann und dem Biologen des Märkischen Kreises, Klaus Kraatz, das Areal in Augenschein nahm. Die drei betonten ausdrücklich, wie sinnvoll die standortgerechte und naturnahe Umgestaltung solcher Flächen als Ausgleich für bauliche Eingriffe in Natur und Landschaft ist.

Diese liegen beispielsweise vor, wenn die Kommune planerisch Wohn- und Gewerbegebiete ausweist, entstehen aber auch, wenn konkret Brücken, Straßen, Kanäle und Gebäude errichtet werden oder eine anderweitige Versiegelung von Flächen stattfindet.

Teile der Kompensationszone im Wienhagen sind als Bereich für Flora, Fauna, Habitat, kurz FFH-Gebiet, ausgewiesen, was auf den in den Quellmulden und entlang der Bachläufe vorhandenen wertvollen, naturnahen Moor-, Birken- und Erlenbruchwäldern beruht. Mit aufgenommen wurden ebenfalls die Laubholzaufforstungen und buchenunterbauten Fichtenbestände im Umfeld als Entwicklungsflächen für standortgerechten naturnahen Buchenwald. Sukzessive können die Fichten dann weichen, bis dahin aber sorgen sie für eine Beschattung der Neupflanzen.

Zum benachbarten Grünland soll im Rahmen der Maßnahme eine Anpflanzung mit heimischen Sträuchern und Bäumen erfolgen und so ein Waldmantel geschaffen werden. Die Umsetzung passiert wie bei jedem Ausgleich in enger Abstimmung mit dem Forstamt und dessen Fachleuten.

Nach Änderungen im Baugesetzbuch und im Landschaftsgesetz sind diese Maßnahmen vom Eingriffsstandort und -zeitpunkt entkoppelt worden. „So kann ein Bebauungsplan durchaus erst einmal nur perspektivische Vorhaben enthalten“, erläuterte der städtische Planer. Im Rahmen des Biotopflächenpools und Ökokontos, das seit 2000 vom Büro „Grün Konzept“ erarbeitet wurde und seit 2007 dann von der Kommune eigenverantwortlich fortgeschrieben wird, stehen laut Schürmann im Stadtgebiet 20 bis 30 verschiedene Flächen zur Verfügung, wofür jeweils konkrete Aufwertungsmaßnahmen beschrieben sind.

Sie sind mit Ökopunkten von 0 wie für versiegelte Flächen bis 10 für Moore oder Hallenhochwälder klassifiziert. Ziel der Maßnahmen ist immer eine Verbesserung. In der Regel handelt es sich wie im Wienhagen um Flächen, wo Gewässer durch Fichtenbestände fließen und somit der Bewuchs nicht zum Standort passt.

Von der zuständigen Unteren Landschaftsbehörde beim Märkischen Kreis sind der Region entsprechende Bewertungskriterien genau vorgegeben. Das Bestreben, so machte Kreisbiologe Kraatz aufmerksam, sei die Schaffung möglichst großflächiger naturnaher Laubholzbestände. Er begrüßt die Ausgleichsmaßnahmen für den Wald genauso wie Pokrandt von forstamtlicher Seite. Vorteil der Ökokonten, so sagten sie gestern weiter, sei die Möglichkeit zu Bündelung von Maßnahmen zu großen Projekten. Diese wirkten dann quasi als Keimzelle in den umliegenden Wald hinein.

Schürmann ergänzte, indem er zu bedenken gab, dass bei Gewerbegebieten durchschnittlich 80 Prozent der Fläche ausgeglichen werden müsste, was innerhalb der Bereiche so gut wie unmöglich sei, solle das Gebiet nicht praktisch halbiert werden. Daher sei der Biotopflächenpool ebenfalls von der Planungsseite her äußerst sinnvoll und hilfreich. Ausgleichsmaßnahmen für das Fachmarktzentrum und auch das Gewerbegebiet Kiersperhagen wurden so im Wienhagen vorgenommen.

Im Rahmen des Kiersper Ökokontos werden daneben noch nach dem von „Grün Konzept“ festgelegten Maßnahmenkatalog, also absolut planvoll, Flächen im Bereich Halzenbach, Bollwerk, Vollme, Ölmühle und Friedrichstal entwickelt. Ökopunkte für die Stadt gab es zudem für die Renaturierung des Bahnhofs Vollme, wo außerdem Altlasten beseitigt wurden, oder den Rückbau der Pankow‘schen Fischzuchtanlage im Haarhauser Bachtal.

Rolf Haase

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