Tag der Ausbildung

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Bürgermeister Frank Emde (Zweiter von links) und Dr. Paul Gerhard Schröder (Zweiter von rechts) sowie die Agentur-Mitarbeiter Melanie Flusche, Michael Nedell und Nadine Franz (von links) schauten dem Auszubildenden Sebastian Pietras bei dessen Arbeit zu. ▪

KIERSPE ▪ Seit Jahren macht die Bundesagentur für Arbeit mit einem „Tag der Ausbildung“ auf das immer noch bestehende Missverhältnis zwischen Ausbildungsplätzen und Ausbildungssuchenden aufmerksam. Gemeinsam mit Bürgermeister Frank Emde suchen Agentur-Mitarbeiter dazu jedes Jahr einen anderen Betrieb auf. Gestern war es das zur EBG-Gruppe gehörende Unternehmen Schröder Kunststofftechnik.

„Wir haben dieses Unternehmen ausgesucht, weil dort regelmäßig ausgebildet wird und weil die Ausbildungsplätze immer sehr früh gemeldet werden“, erklärte Melanie Flusche vom Arbeitgeberservice der Bundesagentur. Dr. Paul Gerhard Schröder, Leiter Finanzen und Controlling bei dem Kiersper Unternehmen, gab aber an, dass dieses Verhalten nicht ganz uneigennützig sei: „ Vor einigen Jahren haben wir unseren Bedarf ein wenig spät gemeldet. Dann hatten die meisten guten Bewerber aber bereits einen Ausbildungsplatz.“

Immer rund zwölf junge Menschen befinden sich bei Schröder Kunststofftechnik in der Ausbildung zum Industriekaufmann, Verfahrensmechaniker, Mechatroniker, Werkzeugmechaniker oder zur Fachkraft für Lagerlogistik. In diesem Jahr wurden zwei neue Verträge geschlossen. Damit bildet das Unternehmen, bei dem rund 70 Mitarbeiter in Kierspe beschäftigt sind, weit über den eigenen Bedarf aus. „Das machen wir schon seit vielen Jahren so. Zum einen wollen wir den jungen Leuten eine Chance geben, zum anderen suchen wir aber auch immer wieder eigene Facharbeiter. Und bei den Leuten, die man selbst ausgebildet hat, da weiß man auch, was man bekommt“, so Schröder.

Flusche: „Das ist sicher der beste Weg. Denn Arbeitgeber, die derzeit Facharbeiter suchen, brauchen einen langen Atem. Denn so ohne weiteres sind diese nicht zu bekommen. In den kommenden Jahren wird sich diese Situation vielleicht sogar bei den Auszubildenden verschärfen. Es kann durchaus sein, dass wir in rund acht Jahren mehr Ausbildungsplätze als Ausbildungssuchende haben. Dann werden die Unternehmen die Nase vorne haben, die auch jetzt schon solide Ausbildungsarbeit leisten.“

Doch auch wenn die Zahl der Bewerber nachgelassen hat, die Anforderungen, die Schröder an die Bewerber stellt, sind nicht gesunken. Schröder: „Bei den kaufmännischen Berufen suchen wir junge Mitarbeiter, die möglichst über ein Abitur oder ein Fachabitur verfügen. Ansonsten zählt vor allem der Eindruck und das Ergebnis des Einstellungstests. Natürlich müssen die Bewerber auch deutlich machen, warum sie sich um einen Ausbildungsplatz in dem jeweiligen Beruf bemühen.“

Nadine Franz, ebenfalls vom Arbeitgeberservice der Bundesagentur: „Die Arbeitgeber sollten auch nicht nur auf die Schulnoten achten. Oft entwickelt sich die Jugendlichen in der Ausbildung. Und wenn es mal hapert, dann bietet die Arbeitsagentur auch ausbildungsbegleitende Maßnahmen an.“ Außerdem wies Franz darauf hin, dass in Kürze bereits die Stellenmeldungen für 2013 beginnen. In diesem Zusammenhang erinnerte Bürgermeister Frank Emde auch an die Ausbildungsbörse, die von der Stadt seit Jahren veranstaltet wird und bei der Schüler und Ausbildungsbetriebe eine Plattform finden, um sich kennenzulernen. Dass solches Engagement auch notwendig ist, machte Flusche an den Daten deutlich, die der Agentur vorliegen: „Betriebe aus Kierspe und Meinerzhagen haben 180 offene Ausbildungsstellen gemeldet, denen stehen derzeit 250 Ausbildungssuchende gegenüber.“ ▪ Johannes Becker

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