Aufräumen nach Orkantief Xynthia dauert Stunden

Wegen der zahlreich umfallenden Bäume auf der L 528 und auch der K 25 wurde beide Strecken dicht gemacht.

KIERSPE ▪ Mit der Kettensäge rückten die zahlreichen Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßenbau, des städtischen Bauhofs, des Forstamts sowie außerdem verschiedener Unternehmen den umgestürzten Bäumen zu Leibe und sorgten so dafür, dass die Straßen möglichst schnell wieder für den Verkehr freigegeben werden konnten. Allerdings zogen sich die Aufräumarbeiten nach dem Sturm, die gestern Morgen gleich beim Morgengrauen begannen, trotzdem einige Stunden hin. Es wurde nach Priorität vorgegangen.

Etwa 70 Feuerwehrleute waren rund sechs Stunden lang im Einsatz, um Straßen abzusperren, auf der Fahrbahn liegende Bäume zu zersägen, wegzuziehen und die Strecken wieder befahrbar zu machen. Aufgrund der großen Zahl von umgefallenen Bäumen oder aber auch der Schwierigkeit, dass sich wegen des heftigen Windes und der Dunkelheit die Beseitigung der Sturmschäden als zu gefährlich erwies, mussten sechs Straßen komplett gesperrt werden.

Wer am Sonntagabend auf dem Weg nach Hause war, konnte Schwierigkeiten bekommen und musste teilweise weitere Umwege in Kauf nehmen oder kam vielleicht sogar gar nicht ans Ziel. Ebenfalls über Kierspe fegte das Orkantief, das von den Meteorologen den Namen Xynthia erhalten hat, mit brachialer Gewalt und ließ besonders zahlreiche Fichten wie Streichhölzer bersten. Spitzengeschwindigkeiten in starken Böen bis annähernd 120 Stundenkilometern sollen gemessen worden sein.

Kurz vor 15 Uhr gab die Einsatzleitzentrale der Feuerwehr in Lüdenscheid auch Alarm für die Einheiten in Kierspe, ließ die Funkzentrale im Gerätehaus Stadtmitte besetzen und berief alle städtischen Löschzüge über die kleine Meldeempfängerschleife in die Gerätehäuser. Dies passierte, weil wegen der erwarteten zahlreichen Einsätze das Vier-Meter-Funkband überlastet zu werden drohte. Die Einsatzvergabe wurde daher vom Lagezentrum aus, wo unter anderem Stadtbrandmeister Georg Würth und Hendrik Baukloh als Funker die Stellung hielten, über das Zwei-Meter-Band oder per Telefon koordiniert, je nachdem, wie die Meldungen aus dem Stadtgebiet aufliefen.

„Zum ersten Einsatz kam es für die Einheit Rönsahl, weil zwischen Antlenberg und Mühlen-Schmidthausen Bäume auf der Straße lagen. Wir haben diese Strecke, weil die Gefahr bestand, dass weitere Bäume umfielen, sicherheitshalber komplett für den Verkehr gesperrt“, so Würth. Wenig später kippten dann auch Bäume im Bereich Berkesfeld und Hammerkamp, wohin die Einsatzkräfte aus dem Gerätehaus Wehestraße gerufen wurden.

Danach erreichte der Sturm seine größte Stärke, überall brachen Stämme oder wurden Bäume in dem vom Regen aufgeweichten Boden entwurzelt: Die Feuerwehr fuhr zur K 44 zwischen Höhlen und Wilbringhausen, zur K 25 zwischen Handweiser und Berkenbaum, zur L 528 zwischen Handweiser und Neuenhaus sowie nach Vorth, wo von einem Hang ein Baum auf die Straße und ein Wohnhaus gefallen war. Zu weiteren Einsätzen kam es im Bereich Gokesberg, Beckinghausen, Kiersper Löh, zwischen Belkenscheid, Fernhagen und der A 45, im Bereich zwischen Dürenerhaus, Benninghausen, Grünenweg und Haustätte, in Vorderste Berg, Vornberg und auf der B 237 zwischen Wildenkuhlen und Neuenhagen.

Kritisch wurde es mit einem Nadelbaum an der Friedrich-Ebert-Straße schräg gegenüber der Einmündung der Dr. Deisting-Straße, der auf die Fahrbahn zu stürzen drohte. Überlegt worden war zuerst, die Strecke halbseitig zu sperren. Weil die Stadt jedoch inzwischen alles Absperrmaterial verbaut hatte, entschloss sich die Polizei schließlich zu einer Vollsperrung. Notwendig war hier eine Gefahrenfällung, vor der die Feuerwehr und hinterher auch der herbeigerufene Forstunternehmer wegen der Gefahren aufgrund von Dunkelheit und Wind aber zurückschreckten. Es war völlig unkalkulierbar, in welche Richtung der Stamm fallen würde. So blieb die Strecke über die Nacht dicht.

Die Sicherheit der Einsatzkräfte war nach Darstellung des Stadtbrandmeisters oberstes Gebot, besonders wenn ansonsten kein Menschenleben bedroht war. Das hat auch die Feuerwehr aus den Tragödien, die sich bei dem Orkantief Kyrill vor drei Jahren ereignet haben, gelernt. Menschen kamen so vor Ort nicht zu Schaden und auch die Schäden an Häusern hielten sich letztlich in Grenzen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare