Diese Grabsteine erzählen Geschichten

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Regina und Karl-Friedrich Marcus vom Arbeitskreis Heimatgeschichte in Rönsahl und Ortsbürgermeister Holger Scheel freuen sich darüber, dass ein zusätzlich aufgestelltes Hinweisschild näher über den Grabstein und die Geschichte der Familie Heuser informiert.

"Gräber schaffen Heimat“, so sagt man. Und dass in diesem Sprichwort mehr als nur ein Quäntchen Wahrheit verborgen liegt, das findet sich immer wieder bestätigt – und wird jetzt auch auf dem Friedhof in Rönsahl deutlich, wo der Arbeitskreis für Heimatgeschichte zu einem besonderen Stein wichtige Informationen sammelte.

Kierspe - Viele Angehörige von verstorbenen Familienmitgliedern, selbst wenn sie mittlerweile längst nicht mehr am Ort wohnen, finden immer wieder den Weg zum Friedhof ihrer Heimatgemeinde, um an den Gräbern ihrer Verstorbenen stille Einkehr zu halten. Ältere Grabsteine zeigen Namen, Lebens- und Sterbedaten vergangener und zum Teil am Ort bereits längst erloschener Geschlechter auf und wecken gleichzeitig die Erinnerung an Menschen, die einmal hier gelebt haben, an deren Wirken und Schaffen.

Alte Grabsteine sind – wenn die Nachwelt Glück hat und diese Steine im Familienbesitz bleiben und so die Jahrzehnte überdauern – zumeist auch Dokumente ihrer Zeit, der Zeit, in der sie errichtet wurden und seitdem ein Stück Zeitgeschichte erzählen.

Einige solcher zeitgeschichtlichen Dokumente finden sich auch auf dem Kommunalfriedhof in Rönsahl. Eines davon, ein etwa 500 Kilogramm schwerer Obelisken-Grabstein, zuvor infolge kaum noch wahrnehmbarer Beschriftung scheinbar in Vergessenheit geraten und bereits auf dem dafür vorgesehenen Platz auf dem Friedhofsgelände am Büscherberg in Kierspe abgelegt, konnte dank der Aufmerksamkeit mehrerer Heimatfreunde bereits vor rund drei Jahren gerettet werden.

Der Zufall hatte mitgespielt, als den Heimatkundlern Regina und Karl-Friedrich Marcus damals das Fehlen dieses markanten Grabsteins aufgefallen war. Noch rechtzeitig vor der endgültigen Entsorgung dieses markanten Obelisken, eines sogenannten „sprechenden Grabsteins“, der die Geschichte der über mehrere Jahrhunderte in Rönsahl ansässigen Kaufmannsfamilie Heuser erzählt, gelang es vor einigen Jahren, diesen Zeugen der Ortsgeschichte zu retten. Gern gesehen würde in diesem Zusammenhang die bislang noch fehlende Aufnahme des wohl ältesten noch erhaltenen Grabsteins des Rönsahler Friedhofs in die Denkmalschutzliste.

Ein großes „Dankeschön“ ging in diesem Zusammenhang im Jahr 2018 an die Adresse der Sparkassen-Stiftung in Kierspe. Die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen übernahm seinerzeit die Kosten für die fachgerechte Restaurierung des aus rheinischem Kalkstein bestehenden und mit sogenanntem heimischen Blaustein durchsetzten Steins durch einen Kölner Steinmetz. Und sie ermöglichte so die Rückkehr des restaurierten Steines an den Eingangsbereich des Rönsahler Friedhofs – nur unweit von seinem ursprünglichen Standort entfernt.

Nun wurde auf Initiative des Arbeitskreises Heimatgeschichte in Rönsahl neben dem Grabstein eine zusätzliche Hinweistafel aufgestellt, anhand derer sich interessierte Friedhofsbesucher darüber informieren können, welche Geschichte dieser Grabstein zu erzählen weiß.

Die nun wieder lesbare Inschrift auf dem Obelisken-Grabstein weist auf eine Umbettung am 4. August 1825 hin, die deshalb notwendig war, da der jetzige Friedhof im Jahr 1823 neu angelegt und der bisherige Friedhof nördlich der Kirche in den Folgejahren aufgegeben wurde. Servas Heuser wollte wohl das Andenken an seinen Vater und Onkel, Johann Leopold und Friedrich Heuser, wach halten. Sie waren die Söhne von Johann Peter Heuser, des zur Zeit des großen Dorfbrandes in Rönsahl im Jahre 1766 hier tätigen Pfarrers. Leopold Heuser hat in Amsterdam eine Ausbildung zum Kaufmann absolviert und danach in Südafrika Handel betrieben. Er kam nach Rönsahl zurück als sein Bruder Friedrich starb und führte die Geschäfte in Rönsahl fort.

Johann Friedrich Heuser wiederum war ein erfolgreicher Pulverkaufmann in Rönsahl. Er residierte im Pfarrhaus, in dem sein Vater und später sein Bruder lebte. Nach dem Tod von Johann Wilhelm baute er das ehemalige Amtshaus und jetzige Bürgerhaus am Marktplatz und residierte dort. Servas Heuser war der Sohn von Johann Leopold und ging zurück nach Südafrika, kam aber immer mal wieder gern nach Rönsahl zurück.

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