Auch Kiersper setzen auf Gold als Geldanlage

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Für das Edelmetall Gold gibt Stephan Böhse keine klare Kaufempfehlung.

KIERSPE ▪ Wer über Edelmetalle spricht, wird Gold wahrscheinlich immer als erstes nennen. Seit Jahrhunderten fasziniert das schwere Metall die Menschen so sehr, dass sie Kriege führten, um in seinen Besitz zu kommen.

Es galt als Sinnbild des Bösen (Goldenes Kalb), führte zu sagenumwobenen Reisen auf der Suche nach dem Metall (Goldenes Vlies), diente lange als Währung, ermöglichte die Liquidität seines Besitzers auf der ganzen Welt und Staaten legitimierten über lange Zeit ihre Währung durch den Besitz des Edelmetalls.

Doch Gold war und ist auch immer ein Krisenindikator gewesen. Das wurde deutlich, als Ende der 70er Jahre der Krieg zwischen Iran und Irak begann und nahezu zeitgleich sowjetische Truppen in Afghanistan einmarschierten. Am 21. Januar 1980 wurde in Folge dieser „Ereignisse“ ein Preis von 850 Dollar für eine Feinunze Gold erreicht. Ein solcher Wert wurde erst 2008 wieder verzeichnet.

„Aktuell bewegt sich der Goldpreis in Höhen, die vor ein paar Jahren noch nicht vorstellbar waren. Zurzeit müssen fast 1000 Euro für eine Feinunze bezahlt werden“, erklärt Stephan Böhse, Vorstand der Volksbank Kierspe. Die Wertbeständigkeit des Metalls macht Böhse an einem Beispiel deutlich: „Im alten Rom kostete ein antiker Edelzwirn etwa eine Unze Gold. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich zwar die Mode, nicht aber der Preis geändert, so kostete ein Anzug damals eine Feinunze Gold. Heute steht der Kurs bei rund 1000 Euro, dafür gibt es immer noch einen Maßanzug aus gutem Stoff. Schon allein aufgrund dieser Wertbeständigkeit gehört Gold eigentlich in jedes Depot.“

Eine Meinung, die derzeit wohl auch viele Kunden der Kiersper Bank teilen. So wurde vor zwei Jahren Edelmetall im Wert von 125 000 Euro gekauft. Im Jahr darauf brach die Nachfrage zwar drastisch ein (32 000 Euro), aber in den ersten neun Monaten diesen Jahres kauften die Volksbank-Kunden bereits Edelmetall für 194 000 Euro. Böhse: „Zwischenzeitlich mussten die Kunden sogar Lieferzeiten in Kauf nehmen, weil die bestellten Münzen und Barren nicht verfügbar waren.“

Generell beobachtet der Bankvorstand eine starke Nachfrage nach beständigen Werten, zu denen natürlich auch die Immobilien gehören, vor allem in den Großstädten seien die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen regelrecht explodiert. „Das zeigt, dass derzeit eine große Unsicherheit herrscht bei der Suche nach sicheren Anlageformen. Da scheint vielen Menschen der Griff nach dem Gold als Alternative. Klar, wer Gold kauft, muss keine Modernisierungskosten tragen und sich auch über keinen Mieter ärgern.“

Eine klare Kaufempfehlung für Gold will Stephan Böhse aufgrund des hohen Preises nicht geben, obwohl er einräumt, dass der größte Teil der Analysten von weiter steigenden Preisen ausgehe.

Der hohe Goldpreis hat aber nicht nur einen Einfluss auf den Handel und das Kaufverhalten der Kunden, sondern auch auf die Umwelt. So lohnt sich mittlerweile der Abbau des Metalls, auch wenn nur ein Gramm des Edelmetalls aus einer Tonne Gestein gewonnen werden kann. Und obwohl heute nach Schätzung von Fachleuten in zwei Jahren so viel Gold gefördert wird, wie in 1000 Jahren des Mittelalters, ist die Gesamtmenge der Metalls doch recht übersichtlich. So gibt die Bundesrepublik Deutschland die Goldmenge in ihrem Besitz mit 3428 Tonnen an.

Insgesamt wird von einem weltweiten Goldbestand von 153 000 Tonnen ausgegangen. Alles Gold zusammengetragen würde das einem Würfel mit einer Kantenlänge von gerade einmal 20 Metern entsprechen. ▪ Johannes Becker

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