Bindeglied zwischen Lebenden und Verstorbenen

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Dorothea Hunsmann-Wende ist seit 28 Jahren selbstständige Bestattermeisterin. Sie beobachtet Veränderungen in ihrem Beruf, vor allem bei dem Wunsch nach Feuerbestattungen.

Kierspe - Trotz Designersärgen, freiberuflichen Trauerrednern und privaten Friedhöfen sind die meisten Beerdigungen in Deutschland immer noch sehr traditionell. „Wobei mittlerweile die Urnenbestattung überwiegt“, berichtet Dorothea Hunsmann-Wende aus ihrer Erfahrung als Bestatterin.

Von Johannes Becker

Sind Särge in den Medien Thema, wird über Designersärge berichtet – ausgefallene Modelle mit aufwendiger Farbgestaltung und ungewöhnlicher Formgebung. Finden kann man solche Särge auch im Katalog von Dorothea Hunsmann-Wende. Doch es kommt ausgesprochen selten vor, dass so etwas dann auch wirklich bestellt wird. Veränderungen setzen sich im Bestatterhandwerk langsam durch. So hat mittlerweile die Kiefer die Eiche als bevorzugtes Material beim Sargbau verdrängt.

Und es wird auch eher zum Truhensarg gegriffen, weil dieser nicht so erdrückend wirkt wie die klassischen Formen, die früher gewählt wurden. „Wobei es in den vergangenen Jahren durchaus öfter vorgekommen ist, dass die Angehörigen etwas persönliches auf den Sarg schreiben oder die Handabdrücke von Kindern und Enkeln hinterlassen wollten“, erklärt Hunsmann-Wende. Solche Wünsche sind für die Bestattermeisterin Ausdruck der persönlichen Trauer. „Was möglich ist, wollen wir auch möglich machen.“

Seit 28 Jahren ist die Kiersperin im Bestatterhandwerk selbstständig. Doch sie ist mit dem Beruf aufgewachsen. Denn bereits ihr Vater Karl Hunsmann betrieb neben einer Tischlerei ein Bestattungsunternehmen. Und in den vielen Jahren, die sie das Geschäft des Vaters beobachtet hat und das eigene betreibt, hat sie viele Veränderungen beobachten können.

Kiersper kaufen Holzurnen aus der Region

Vor allem die Zunahme der Feuerbestattungen sei in den vergangenen fünf Jahren sehr stark gewesen. „Ich habe Kollegen, bei denen die Feuerbestattungen bei 90 Prozent liegen“, so Hunsmann-Wende. Im ländlichen Bereich sei das noch nicht so, aber auch dort würden mittlerweile mehr als 50 Prozent der Verstorbenen verbrannt.

Bei der Auswahl der Urne werde dann auch eher mal zu einem Designerstück gegriffen. Beliebt sind bei den Kierspern dabei die Arbeiten eines Holzkünstlers aus der Region. Mittlerweile müssen die Urnen genau wie die Särge auch verrotten. So sind Gefäße aus Stein oder Metall nicht mehr zulässig. Eine Verordnung, die alle Bereiche der Bestattung betrifft.

Selbst bei der See-Bestattung muss die Urne aus gepresstem Quarzsand hergestellt werden, damit sie sich auf dem Meeresboden auflöst. Wobei diese Form der Bestattung im Geschäft der Kiersperin keine große Rolle spiele. Wohl auch, weil die Verstorbenen zu Lebzeiten verfügen müssen, ein nasses Grab finden zu wollen. Das ist aber schon eine deutliche Erleichterung gegenüber der früheren Regelung. Damals musste neben dem erklärten Willen des Verstorbenen auch eine emotionale Nähe zum Meer nachgewiesen werden.

Kunden Arbeit abnehmen

Überhaupt ist für Hunsmann-Wende der Wille des Verstorbenen der beste Weg eine „passende“ Trauerfeier auszurichten. „Mittlerweile kommen viele Kiersper zu mir, um bereits zu Lebzeiten alles für die eigene Trauerfeier vorzubereiten. Ich finde das sehr gut. Dadurch müssen sich die Hinterbliebenen um vieles nicht mehr kümmern und die Verabschiedung wird so, wie es sich der Verstorbene gewünscht hätte.“

So gebe es bereits seit vielen Jahren die Möglichkeit, auch die Bestattungskosten bereits zu Lebzeiten zu bezahlen – entweder den kompletten Betrag oder mit einer Sterbegeldversicherung mit monatlichen Beiträgen. Hunsmann-Wende: „Das Geld wird treuhänderisch verwaltet und ist auch dann sicher, wenn das Bestattungsunternehmen, mit dem der Vertrag geschlossen wurde, nicht mehr besteht oder wenn aufgrund eines Umzuges ein Bestatter in einer anderen Stadt beauftragt wird.“

Die Kiersperin selbst möchte übrigens nicht feuerbestattet werden. „Meine Eltern sind erdbestattet worden und ich möchte das auch. Aber ansonsten bin ich Dienstleister und möchte möglichst den Wunsch erfüllen, den der Kunde an uns richtet. Denn in unserem Geschäft geht es in erster Linie darum, den Menschen in ihrer Trauer beizustehen, ihnen möglichst viel Arbeit abzunehmen. Vielen Menschen fällt der Abschied sehr schwer, sie sehen dann in dem Bestatter das Bindeglied zwischen sich und dem Verstorbenen.“

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