Weniger Gras, Heu und Getreide

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Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Reiner Grafe vor einigen seiner Heuballen. Der Heuertrag war in diesem Jahr gering. Und längst nicht alle Ballen werden auf den Markt kommen. Einen Teil hält der Landwirt als Futterreserve für die eigenen Tiere zurück.

Kierspe – Das dritte Jahr infolge kann Reiner Grafe, Vorsitzender des Landwirtschaftliche Ortsvereins Kierspe, nicht viel Gutes berichten, wenn er über die Ernte spricht. Getreide, Mais und vor allem Gras wächst auf den Feldern der Kiersper Landwirte – aber eben auch in diesem Jahr nicht gut.

„Manchmal hatte ich den Eindruck, dass jedes Tiefdruckgebiet an Kierspe vorbeizieht. Gefühlt ist es seit März trocken – bis auf die Gewitter, aber auch die konnten nicht ausgleichen, was in den Monaten zuvor schon fehlte. Wir haben ein Waldstück, von dem mein Vater schon berichtete, das immer so nass ist, dass man es nur mit Gummistiefeln betreten kann, auch im Hochsommer. Jetzt kann man da in Halbschuhen durchlaufen. Und statt Schlamm hat man nur Staub am Schuh.“

Es sei vor allem das fehlende Grundwasser, das ihm Sorgen bereite. Und bevor er auf die Ernte zu sprechen kommt, berichtet er vom Wald. „Da erwarten wir zigtausend Euro Verlust. Geld, mit dem wir eigentlich einen neuen Kälberstall bauen wollten. Den Bäumen fehlt einfach das Grundwasser und das können auch die Regenfälle im Spätherbst nicht ausgleichen.“

Auch bei den klassischen Feldfrüchten der Region ist Grafe nicht optimistisch. „Wir werden in Zukunft kein Getreide mehr anbauen. Durch die Trockenheit im Frühjahr ist ein Teil der Aussaat im Boden vertrocknet. Generell ist auch das Wachstum geringer, was dazu führt, dass wir auch weniger Stroh haben.“ In Zukunft will Grafe auf diesen Flächen ein Ackergras anbauen, das bereits im Frühjahr geschnitten werden kann.

Beim Mais, der mit viel Sonne und wenig Regen zurechtkomme, sehe es verhältnismäßig gut aus, wenigstens da sieht der Kiersper Landwirt einen Lichtblick.

Problematisch sieht Grafe auch den Grasschnitt. „Wir sind gut gestartet mit dem ersten Schnitt im Mai, danach wurde es aber immer schlechter. Beim zweiten Schnitt war die Menge und Qualität sehr abhängig von dem Standort der Flächen. Beim dritten Schnitt gab es nur noch sehr geringe Mengen und eine schlechte Qualität.“

Die Getreideernte ist in diesem Jahr nicht gut ausgefallen. Vor allem das trockene Frühjahr hat der Feldfrucht zugesetzt.


Das alles führe auch zu einer Reduzierung der Milchmenge, die dann auch noch schlecht entlohnt werde. „Der limitierende Faktor ist der Magen der Kuh. Die Tiere können einfach nur ein bestimmtes Volumen aufnehmen. Wenn dann die Qualität fehlt, fehlt es auch beim Produkt. Das lässt sich mit der Zugabe von Kraftfutter nur in geringem Maße auffangen“, erklärt der Kiersper.

Ein Kostentreiber ist, dass neben dem Kraftfutter auch noch Mais zugekauft werden müsse. „Bei uns gut eine Tonne pro Kuh“, so Grafe.

Auch wenn die Kühe nur eine bestimmte Menge an Futter aufnehmen können, bei der Flüssigkeitsaufnahme sind sie große Könner. Mit rund 100 Liter Trinkwasser pro Kuh rechnet der Landwirt im Schnitt am Tag, an den heißen Tagen können es auch gerne 20 Prozent mehr sein. Da auch viele Bäche kein Wasser mehr führen, muss der Landwirt aus Vornholt rund 20 000 Liter Wasser am Tag aus seinen Brunnen fördern, um den Durst der Tiere zu stillen. Um in den Ställen für erträgliche Bedingungen zu sorgen, laufen Ventilatoren und es wird Wasser vernebelt.

Konsequenzen wird die Ernte auch für die Kunden haben, die ihr Heu bei den Landwirten kaufen – etwa die Pferdebesitzer. Grafe: „Normalerweise bekommen wir 18 bis 20 Rundballen pro Hektar, in diesem Jahr sind es aber nur acht bis zwölf Ballen. Das drückt sich natürlich im Preis aus, der von 40 auf 60 Euro pro Ballen gestiegen ist.“ Einen Teil dieser Ballen steht auch gar nicht zum Verkauf, diese hat der Landwirt als eiserne Reserve eingelagert, um im Winter Futter für die eigenen Tiere zu haben.

Und dann gibt es da auch noch Tiere auf dem eigenen Land, auf die Grafe gut verzichten könnte – Wühlmäuse. Diese Nager seien prächtig durch den milden Winter gekommen und würden nun auf den Betrieben für große Probleme sorgen, indem sie durch ihr Fressverhalten die Grasnabe zerstörten.

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