Landwirt erweitert seinen Stall für bis zu 400 Kühe

+
Dirk Hettesheimer in seinem neuen Stall, der nach neuesten Standards errichtet wurde. ▪

KIERSPE ▪ Landwirt Dirk Hettesheimer investiert in die Zukunft. Er baut schon seit Februar des vergangenen Jahres die Kapazität seines Kuhstalls und auch seines Melkstands aus, so dass beides dann für bis zu 400 Milchkühe ausgelegt ist. Der Bauer aus Kiersperhagen investiert in diesem Rahmen eine Summe von rund 1,2 Millionen Euro.

Von Rolf Haase

Noch nicht gerechnet ist darin jedoch die Erweiterung der Photovoltaikanlage auf dem Dach auf eine Leistung von insgesamt 345 Kilowatt. „Bislang hatte ich nur 220 Kilowatt“, berichtet der Betriebsleiter, der für seinen eigenen Betrieb aber bloß 100 Kilowatt benötigt. Die Differenz des Stroms kann er jetzt ins Netz einspeisen.

Zunächst visiert er einen Bestand von 320 Milchkühen an. Der angebaute neue Stallteil umfasst 150 Liegeboxen mit entsprechend vielen Fressplätzen sowie zudem Tränken und vergrößert den alten Stall, der 220 Kühen Platz bot. Es handelt sich um einen offenen Boxenlaufstall, errichtet nach den neuesten Richtlinien für artgerechte Tierhaltung mit besonders breiten Laufgängen und Boxen, bei denen höchster Wert auf den Kuhkomfort hinsichtlich Raumangebot und weichen Liegeflächen gelegt wurde. Zum Gesamtpaket gehörte darüber hinaus der Bau einer neuen Siloanlage, die nach den heute geltenden Standards natürlich mit einem Wasserabscheider ausgestattet sein muss.

Mit der Planung für das Projekt hatte Dirk Hettesheimer bereits im Jahr 2011 begonnen. Zuerst hatte er sogar noch überlegt, nur ein neues Melkhaus zu errichten, weil der alten doppelte Achter-Melkstand nicht mehr ausreichte. Fürs Melken brauchte sein Team zuletzt täglich dreieinhalb bis vier Stunden. Den alten Melkstand hatte er gebaut, als er noch 140 Kühe hatte, vorher, als es nur 80 Tiere waren, hatte er sogar nur einen doppelten Fünfer.

„Allein das Melkhaus hätte schon 450 000 Euro gekostet und keinerlei zusätzlichen Ertrag gebracht“, informiert der Landwirt. Er hat sich dann von einem Experten beraten lassen. Die Entscheidung für das Großvorhaben fiel letztlich allerdings auch, weil Dirk Hettesheimers Sohn Björn den Hof irgendwann übernehmen soll. Björn arbeitete neben seiner Meisterschule immer auf dem Hof mit. Seine dreijährige Lehrzeit hat er jedoch vorher auf verschiedenen Höfen im Märkischen Kreis zugebracht, um möglichst viel Erfahrung zu sammeln. Danach sammelte er ein Jahr Praxiserfahrung auf dem elterlichen Hof und begann anschließend, seinen Meister an der Landwirtschaftsschule in Köln zu absolvieren, die er jetzt bald beendet hat. Nun steigt er wieder voll im Betrieb mit ein.

Der Stallneubau mit den Maßen 45 mal 38 Metern, dessen Dach vergangene Woche gedeckt wurde, ist eine Stahlkonstruktion mit Leimbindern. Das Dach besteht aus mit Schaumstoff gedämmten Trapezblechen, so dass sich der Innenraum im Sommer nicht zu sehr aufheizt. Das Gebäude ist voll unterkellert und bietet einer Güllegrube mit einem Volumen von 3000 Kubikmetern Platz. „Das ist ungefähr eine Lagerkapazität von neun Monaten“, macht Hettesheimer aufmerksam.

Beim Melkstand wurde eine Zeitlang auch ein Karussell überlegt, was aber einen zu großen Platzbedarf gehabt hätte. Ein Melkroboter hätte zu viel Technik bedeutet. Vor dem Melkstand können sich rund 100 Kühe in Warteposition begeben und werden dann von einem elektrischen Viehtreiber automatisch in den Melkstand geschoben. So kann der Personaleinsatz heruntergefahren werden. Im neuen 65 mal 17 Meter messenden Melkhaus ist zudem der Abkalbstall untergebracht. Außerdem finden sich dort Büro, Sozialraum, Küche und sanitäre Anlagen.

Auch ansonsten wurde modernste Technik installiert: So reinigt den Boden ein Roboterspaltenschieber, der 18 Stunden säubert und nur sechs Stunden geladen werden muss. Es gibt im Stall eine zwei elektrische Kuhbürsten. Unverzichtbar für einen Betrieb dieser Größenordnung ist zudem das Herdenmanagementprogramm, das anhand eines Chips am Fuß sofort die betreffende Kuh erkennt. Der Bauer verfügt so über ständig aktuelle Informationen wie zur Aktivität der Kuh und zur Menge und Leitfähigkeit ihrer Milch. Entsprechend erfolgt automatisch die Kraftfutterzuteilung. Hinter dem Melkstand befindet sich eine Wärmerückgewinnungsanlage, mit der die Temperatur der gemolkenen Milch für die Beheizung der Fußbodenheizung im Verwaltungstrakt genutzt wird.

Der Stall war bereits im Dezember gerichtet, doch dann kam die lange Kälteperiode und an eine Dacheindeckung war nicht zu denken. Die letzten Arbeiten sollen jetzt im nächsten Monat abgeschlossen sein. Parallel wird der Stall sukzessive von den Kühen bezogen und dann ist nur noch die Außenanlage an der Reihe, vor allem mit der Befestigung der Wege.

„Wir haben zudem schon vor zwei Jahren begonnen, verstärkt aus der Nachzucht Kühe aufzuziehen, trotzdem müssen wir jetzt etwa 50 Tiere dazukaufen“, berichtet der Betriebsleiter. Auf dem Hof arbeiten neben den Familienmitgliedern, darunter auch die Bäuerin Birgit Hettesheimer, noch zweieinhalb externe Beschäftigte mit. Dazu gehört eine Melkerin, die außerdem Klauenpflege betreibt. ▪ Rolf Haase

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare