Kurz vor Weihnachten

Lokalpolitiker sind begeistert: Dieses Wahlversprechen wurde eingelöst

+
Armin Jung, Nils Dietrich und Carsten Möller (von links) weisen darauf hin, dass die Kiersper, die im Wasserschutzgebiet wohnen, ihre privaten Abwasserrohre nur dann auf Dichtigkeit prüfen lassen müssen, wenn ein konkreter Verdachtsfall besteht. Weiterhin bestehen bleibt die Prüfung bei Neubauten und wesentlichen baulichen Änderungen wie hier an der Wiesenstraße.

Kierspe - „Der Generalverdacht ist vom Tisch“, freut sich FDP-Ratsherr Armin Jung, dass die schwarz-gelbe Landesregierung ein Wahlversprechen eingelöst und die sogenannte Dichtheitsprüfung kurz vor Weihnachten geändert hat.

Bislang war es so, dass alle Eigentümer von Gebäuden, die in Wasserschutzgebieten liegen, bis Ende dieses Jahres ihre Abwasserleitungen unter ihrem Haus und auf ihrem Grundstück hätten auf Dichtigkeit überprüfen lassen müssen.

Dadurch entstehen Kosten, die zwischen 300 und 1500 Euro liegen, weiß Jung ebenso wie Carsten Möller (SPD) und Nils Dietrich (FDP), die jetzt auf die Änderung aufmerksam machen. Denn in Kierspe sind wohl die meisten Hausbesitzer westlich der Friedrich-Ebert-Straße – vom Industriegebiet Wildenkuhlen über Padberg bis ins Kerspetal – von der sogenannten Selbstüberwachung des Abwasserkanals auf eigenem Grund und Boden betroffen, da sie in einem Wasserschutzgebiet wohnen.

Einige haben die Dichtheitsprüfung bereits durchführen lassen und damit zweifellos einen Beitrag zum Umweltschutz geleistet. Nach ganz aktuellem Stand hätten sie dies aber nicht tun müssen, auch wenn es im November vergangenen Jahres ein Schreiben von der Stadt gab, in dem auf die Frist bis zum 31. Dezember 2020 hingewiesen wurde.

Durch die von der NRW-Landesregierung beschlossenen Änderung ist die Dichtheitsprüfung von privaten Abwasserkanälen nur noch bei Neubauten oder gravierenden baulichen Änderungen oder im Verdachtsfall durchzuführen. Industrielle beziehungsweise gewerbliche Kanalrohre müssen nach wie vor auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden.

„Demnach wird es einen Kanal-TÜV für Bestandsimmobilien ohne einen klaren Hinweis auf eine kaputte Leitung nicht mehr geben“, hatte Markus Diekhoff, der Umweltexperte der FDP-Landtagsfraktion verkündet. Nur wenn sich Scherben oder Sand im Kanal befinden (Ausschwemmungen) oder plötzliche Bodenabsackungen sichtbar sind, soll und muss eine Prüfung vorgenommen werden. „Die Kommune wird dadurch mehr in die Pflicht genommen“, weist Armin Jung darauf hin, dass die Stadt bei den routinemäßigen Untersuchungen des Kanalnetzes künftig mehr auf Scherben, Sand und ähnliche Einlagerungen achten muss.

Denn die sind deutliche Hinweise auf einen undichten Kanal, der dann auch auf einem Privatgrundstück liegen kann. „Ich sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, meinte Carsten Möller zur Gesetzesänderung. Einerseits würden den Hausbesitzern ohne Verdacht keine Kosten aufgebürdet. Auf der anderen Seite sollten es einem für den Umweltschutz wert sein, die Kosten von vielleicht 17 Euro pro Jahr aufzubringen, wobei Möller die Prüfungskosten auf einen Zeitraum von 30 Jahren verteilt.

„Ich werde deshalb die Prüfung durchführen lassen“, weist der Sozialdemokrat darauf hin, dass auch alle anderen dies freiwillig tun können. Die allgemeine Verpflichtung der Dichtheitsprüfung der privaten Abwasseranlagen bis zum Ende dieses Jahres – die vor sechs Jahren von der damaligen rot-grünen NRW-Regierung eingeführt worden war – ist also vom Tisch, freuen sich die Kiersper Liberalen über das „Weihnachtsgeschenk“ der Landesregierung in Düsseldorf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare