Arbeitskreis richtet Appell an die Stadtverwaltung

Der Verein „Menschen helfen“ wendet sich mit einem Hilferuf an die Stadtverwaltung. Die Mitarbeiter sind an der Belastungsgrenze.

Kierspe - Viele Mitglieder des Arbeitskreises Flüchtlinge sind am Ende ihrer Kräfte: Das wird in einem schriftlichen Appell der Gruppe deutlich, den diese an die Verantwortlichen der Stadt richtet. Auf vier Seiten schildert der Arbeitskreis seine Situation – und nennt überdies 15 Punkte, die die Helfer entlasten könnten.

Als sich der Arbeitskreis im Oktober 2014 gründete, sei die aktuelle Zahl der Flüchtlinge von 350 längst nicht absehbar gewesen. Einige Mitglieder hätten die Grenzen ihrer psychischen und physischen Belastbarkeit erreicht oder überschritten. „Viele von uns investieren zwischen 20 und 40 Stunden pro Woche in die Arbeit mit den neuen ausländischen Mitbürgern. Das ist ein Umfang, der mit ,Ehrenamt‘ nicht mehr viel zu tun hat“, heißt es in dem Schreiben. Völlige Aufgabe des Privatlebens, Schlafstörungen, Aufschub eigener Arzttermine – Gundula Schneider als Sprecherin der „Kümmerlinge“ im Arbeitskreis schildert zahlreiche Folgen der intensiven Flüchtlingsarbeit für die Helfer. Schließlich seien es die Ehrenamtlichen, die fast ausschließlich die Betreuung und Integration der Flüchtlinge leisteten. Doch so könne es nicht weitergehen. „Der Arbeitskreis Flüchtlinge hat absolut keine Kapazitäten mehr frei für neue ausländische Mitmenschen“, betonen die Ehrenamtler in dem Schreiben.

Und so listet er insgesamt 15 Verbesserungsvorschläge auf, die die Situation für alle Beteiligten erleichtern sollen. Hinterfragt wird etwa die personelle Situation in der Verwaltung, in der Arbeitsbereiche für die Helfer und Flüchtlinge offenbar nicht deutlich erkennbar sind. Sprachbarrieren könnten außerdem durch bekannte Sprechzeiten einer arabisch sprechenden Mitarbeiterin im Rathaus und die Schaffung eines Mini- oder Teilzeitjobs für einen arabisch sprechenden Flüchtling abgebaut werden. Auch ein Koordinator für Flüchtlingsarbeit sollte eingestellt werden.

Darüber hinaus fordert der Arbeitskreis eine Notfalltelefonnummer für Flüchtlinge und Ehrenamtliche, die im Fall technischer Probleme, aber auch in Streitfällen angerufen werden kann. Außerdem auf der Liste: Die regelmäßige Wartung der Wohnungen, eine Datenbank, in der die Kiersper Flüchtlinge registriert sind, und die generelle Erfassung sämtlicher Bewohner der einzelnen Unterkünfte. Dringend rät der Arbeitskreis von einer maximalen Belegung der Unterkunft am Korteberg ab. „Denn wir sehen sonst einen weiteren Brennpunkt entstehen, dessen Probleme wir nicht auffangen wollen und können“, heißt es dazu. Daher fordert der Arbeitskreis für diese Einrichtung sowie für die Unterkunft am Herlinghauser Weg einen männlichen Mitarbeiter.

Verbesserungen wünschen sich die ehrenamtlichen Helfer außerdem in Bezug auf die Formalitäten, die deutlich vereinfacht werden müssten, sowie Vergünstigungen bei Bustickets – nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Arbeitslosengeld-II-Empfänger. „Das Angebot, drei Monatstickets im Voraus zu erwerben, ist für diese Bevölkerungsgruppen überhaupt nicht hilfreich, weil sie die Finanzierung nicht schaffen können.“ Neben der Optimierung finanzieller Angelegenheiten und einer besseren Kooperation zwischen Sozialamt und Jobcenter erhofft sich der Arbeitskreis zudem schnelle Abhilfe in einer Unterkunft an der Friedrich-Ebert-Straße. Namentlich geht es dort um die gemeinsame Unterbringung namensgleicher Familien, „die eigentlich nichts miteinander zu tun haben“ und zwischen denen es bereits mehrfach zu schweren Konflikten gekommen sei. Beide Parteien sollten, so fordert der Arbeitskreis, unbedingt in unterschiedlichen Wohnungen untergebracht werden. „Es kann nicht Aufgabe der Kümmerlinge sein, immer wieder mit einem Übersetzer einzugreifen, um Streit zu schlichten.“

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