Geschichtsforschung um das "Isernhaus"

Die Mitglieder des Arbeitskreises Heimatkunde in Rönsahl besichtigten jetzt das Gebäude gemeinsam mit den Eigentümern Britta und Rainer Kunkel.

Rönsahl - Westfälisches Bauernhaus, Gutshaus und Patrizierhaus: Das Haus Vor dem Isern zählt mit seiner jahrhundertelangen Geschichte zu den wichtigsten historischen Gebäuden in Rönsahl. Mindestens zweimal wurde das Isernhaus zerstört – beim großen Dorfbrand 1766 und im Zweiten Weltkrieg, um danach jeweils wieder neu aufgebaut zu werden.

Von Rainer Crummenerl

Zuletzt nagte einmal mehr der Zahn der Zeit an dem großen Gebäude in zentraler Dorflage, bis die neuen Eigentümer Britta und Rainer Kunkel ihm wieder zu neuem Glanz verhalfen. Die Kunkels erwarben das Isernhaus vor einigen Jahren und begannen mit viel Sinn für den Erhalt der historischen Bausubstanz, das Objekt von Grund auf zu sanieren. Besonderen Wert legten sie darauf, die historischen Elemente des Hausinneren wie das Treppenhaus, Haustüren und reich verzierte Treppengeländer in ihrem ursprünglichen Charme zu erhalten.

Dass dies gelungen ist, davon konnten sich jetzt die Mitglieder des vor einigen Monaten ins Leben gerufenen Arbeitskreises Heimatkunde in Rönsahl überzeugen, die bei einer Führung durch das Gebäude auf den Spuren der Ortsgeschichte wandelten. Dabei erfuhren sie zahlreiche historische Geschichten über das repräsentative Anwesen, dessen genaues Baujahr nicht mehr rekonstruiert werden kann. So ist in alten Gemeinderechnungen und Aufzeichnungen immer wieder die Rede vom Haus Vor dem Isern, vom Wandel der Zeiten und vom Wechsel der Geschlechter, die dort aus und ein gingen, aber eine erste Erwähnung lässt sich nicht konkret ausmachen.

Aus alten Chroniken geht zumindest hervor, dass das Isernhaus in früherer Zeit ein westfälisches Bauernhaus mit großer Einfahrtstür (Niendüor) und Dehle und landwirtschaftlich genutzten Nebengebäuden gewesen sein muss. Es hieß zeitweise wohl auch „Unter der Linde“, in Anlehnung an die unmittelbar benachbarte Dorflinde, unter der in alter Zeit Recht gesprochen wurde. In ältesten Unterlagen wird das Haus „Vüör dem Kiakrysern“ (Vor dem Kircheisen) genannt – damit wäre die Verbindung zur alten Dorfkirche direkt nebenan hergestellt.

Nach dem ersten Wiederaufbau ab 1766 war es als Patrizierhaus über Jahrhunderte im Besitz wohlhabender Familien. Unter anderem erinnert noch heute ein Wappen an der Hausfassade an die Lüdenscheider Fabrikantenfamilie Cronenberg. Lange Zeit war das Haus Vor dem Isern in Besitz der Familie Heuser (Erbauer des heutigen Bürgerhauses um 1800), gehörte später einem Zweig der Familie Voswinkel und wurde 1942 vom Fabrikanten August Steger erworben und bewohnt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ließ Steger die Nebengebäude zu einer Fabrik umbauen.

Nach seinem Tod ging es langsam aber stetig bergab mit dem Zustand des Anwesens. Oftmalige Besitzerwechsel gingen einher mit dem allmählichem Verfall. Zeitweise diente das Isernhaus sogar als Unterkunft für notleidende Familien.

Im Bewusstsein der Rönsahler Bevölkerung nahm das „Isern“ dennoch immer eine besondere Stellung ein. Wohl auch deshalb, weil gerade dieses Anwesen wie kaum ein anderes von Glanz und Glorie vergangener Zeiten und deren Vergänglichkeit zu berichten weiß, aber mittlerweile auch wieder als Musterbeispiel für die Verbindung der alten und neuen Zeit angesehen werden kann. Denn nach den bisher letzten Renovierungsarbeiten erstrahlt das Haus Vor dem Isern heute wieder in dem Glanz vergangener Tage.

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