Ist jede Ölspur auch ein Notfall für die Feuerwehr?

Bei Unfällen ist der Einsatz der Wehr auch zum Abstreuen von Betriebsstoffen unstrittig. Doch bei Öl- oder Kraftstoffverlust ohne Kollision wollen die Arbeitgeber nicht auf ihre Mitarbeiter verzichten. - Archivfoto: Becker

Kierspe - Muss die Feuerwehr in Zukunft jede Ölspur entfernen? Welche Fehlzeiten können Arbeitgebern durch das ehrenamtliche Engagement zugemutet werden? Ist die Lehrgangsgestaltung der Wehrleute auch flexibler möglich? Das sind nur ein paar wenige der Fragen, mit denen sich der Arbeitskreis Arbeitgeber im Rahmen des Projektes „Feuerwehrensache“ beschäftigt.

Von Johannes Becker

Auch in Kierspe muss die Feuerwehr ausrücken, um eine Ölspur zu beseitigen – allerdings nur dann, wenn der Bauhof nicht besetzt ist. Doch auch dann werden Arbeitgeber belastet, wenn die Mitarbeiter, die in der Wehr tätig sind, in Schichten arbeiten.

„Das ist für viele Arbeitgeber sehr ärgerlich, weil dadurch Maschinen nicht laufen und Termine nicht eingehalten werden können“, erklärt Michael Vedder. Als Geschäftsführer der Firma Goletz weiß er, wovon er spricht. Das Unternehmen arbeitet nicht nur an sieben Tagen in der Woche, es hat auch neben dem Chef etliche Mitarbeiter, die der Kiersper Feuerwehr angehören.

Georg Würth, der Leiter der Kiersper Wehr hat Vedder für den Arbeitskreis Arbeitgeber bei dem Projekt „Feuerwehrensache“ geworben, damit die Probleme der Unternehmer in die Zukunftsplanung des Landes für die Wehr einfließen.

In dem Arbeitskreis kommen alle vier bis sechs Wochen Arbeitgeber, Feuerwehrmitglieder, Vertreter der IHK und der Handwerkskammern, Mitarbeiter der kommunalen Spitzenverbände und des Landesinnenministeriums sowie Bürgermeister zusammen, um über die Problematik zu sprechen. Insgesamt zwölf Leute treffen sich dann immer freitags ab 18 Uhr in Düsseldorf zusammen – und das mittlerweile seit mehr als einem Jahr.

Kritischer Arbeitgeber fehlte der Runde

Vedder: „Uns fehlt allerdings ein sehr kritischer Arbeitgeber, um auch die Standpunkte zu berücksichtigen, auf die die Mitglieder des Arbeitskreises, die der Feuerwehr gewogen sind, nicht kommen.“

Doch auch ohne solch kritischen Stimmen haben die Mitglieder des Arbeitskreises genügend Punkte gefunden, über die zumindest nachgedacht werden sollte. So fragen sich die Arbeitskreis-Teilnehmer, ob wirklich jeder Feuerwehrmann über die volle Tauglichkeit verfügen muss, oder ob es auch denkbar sei, mit eingeschränkten Qualifikationen tätig zu sein. „Denn nicht jeder Wehrmann muss auch als Atemschutzträger eingesetzt werden“, erläutert Georg Würth.

Daraus ergebe sich auch die Fragestellung nach dem Besuch der Fachlehrgänge, die bis zu drei Wochen dauern würden. Würth: „Derzeit melden die Wehren die Teilnehmer zu den Lehrgängen an, natürlich nach Rücksprache der Wehrleute mit ihren Arbeitgebern. Doch wenn sich an der Arbeitssituation im Unternehmen etwas ändert, fehlt das Wehrmitglied vielleicht zur falschen Zeit. Da müssen neue Wege gefunden werden.“

E-Learning soll eingeführt werden

Einer dieser neuen Wege, die auch im Arbeitskreis diskutiert wurden, ist das Lernen übers Internet am heimischen Computer – das sogenannte E-Learning.

„Klar geworden ist in dem Arbeitskreis, dass es nie ums Geld geht, sondern immer um die Zeit, die die Mitarbeiter fehlen. Das kann auch und gerade für Handwerksbetriebe ein echtes Problem werden. Vor allem dann, wenn sich jemand selbst freigenommen hat, um dem Handwerker die Tür zu öffnen oder die Arbeiten durchzusprechen. Wenn dann der Elektriker oder Installateur bei einem Wehreinsatz ist, fehlt da schon mal das Verständnis“, so Vedder. Aber auch in der Industrie seien die Zeiten oft so knapp berechnet, dass der Ausfall von Mitarbeitern nur schwer zu verkraften sei.

„Bei all diesen Ansätzen muss auch beachtet werden, dass einfachen Lösungen rechtliche Regelungen entgegenstehen. Da müsste dann das Land tätig werden. Aber da ist man bereits auf einem guten Weg“, erläutert Würth.

In einem nächsten Schritt sollen in sieben Kommunen runde Tische eingerichtet werden, um noch weitere Anregungen zu bekommen. Denkbar wären auch Unternehmerfrühstücke, um einen Dialog zwischen Wehrleuten und Arbeitgebern in Gang zu setzen.

Feuerwehr und Ehrensache

Das Projekt „Feuerwehrensache“ (Feuerwehr und Ehrensache) wurde im Jahr 2013 ins Leben gerufen, um den Wehren Wege aufzuzeigen, wie sie auch in Zukunft noch arbeitsfähig bleiben. Immer weniger Menschen stehen bereit, um zu allen Tages- und Nachtzeiten für ihre Mitmenschen einzustehen. Während in der Anfangsphase vor allem Ideen in verschiedenen Arbeitsfeldern gesammelt wurden, sollen diese nun in verschiedenen Kommunen umgesetzt werden. Daraus sollen dann konkrete Handlungsempfehlungen entstehen, die allen Wehren im Land zur Verfügung gestellt werden. Unter Umständen sollen aus den Vorschlägen auch Gesetzesänderungen abgeleitet werden, um die Wehren weniger zu belasten und so mehr Freiräume für die Kernausgaben zu schaffen.

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