Arbeit an Konzept zum Demografischem Wandel

KIERSPE ▪ Der demografische Wandel beschäftigt Bund, Länder, Kreise und Kommunen in zunehmendem Maß. Gesucht wird nach Maßnahmen, um darauf zu reagieren. Allein in Deutschland standen den 860 000 Sterbefällen in 2010 nur 670 000 Geburten gegenüber, machte die SPD-Fraktion in ihrem Antrag zum Thema deutlich und regte an, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die die Auswirkungen für die Stadt analysiert und Handlungsmöglichkeiten erarbeitet.

Diese Initiative wurde jetzt im Hauptausschuss behandelt, aber da die Verwaltung das Thema schon längst verfolgt, erst einmal auf die Bildung verzichtet und stattdessen der Aufrag erteilt, bis Ende 2012 eine Beschlussvorlage zu erarbeiten. Erste Ergebnisse der laufenden Bemühungen sollen abgewartet werden.

Wie die SPD in der Antragsbegründung informierte, sollen bis 2020 1,6 bis 2 Millionen Menschen weniger leben, bis 2060 sollen es 12 bis 17 Millionen Menschen weniger sein. NRW werde bis 2030 6 Prozent seiner Bevölkerung verlieren. Im Märkischen Kreis, wo 2007 noch 441 704 Menschen lebten, sollen es 2025 nur noch 398 000 Menschen sein, es kommt also zu einer Verringerung um 10 Prozent, nannte die SPD weitere Zahlen.

„Der demografische Wandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, stellte die Verwaltung in der Sitzung fest. So werde die Bevölkerung nicht nur zahlenmäßig abnehmen, sondern auch zunehmend altern und vielfältiger. Berichtet wurde weiter davon, dass der Märkische Kreis sich bereits 2005 unter Einbeziehung der Städte und Gemeinden des Themas angenommen habe und in Arbeitsgruppen Handlungsschwerpunkte zum generationengerechten Stadtumbau sowie zum Thema „MK – der familienfreundliche Kreis“ untersuche. Als weiteres Handlungsfeld werden die Wirtschaft von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises federführend betrachtet.

Auch in der Stadt Kierspe, so hieß es seitens der Verwaltung, seien als Folge der aktiven Mitarbeit in den Arbeitsgruppen des Kreises schon Maßnahmen ergriffen worden: Konkret genannt wurden die Gründung der Verbundschule aus Pestalozzi- und Schanhollenschule, um so die Schulstandorte zu erhalten, der Bau der Seniorenresidenz oder auch die Umsetzung des Projekts für barrierefreies Wohnen im Wohnpark Börlinghausen, die Implementierung der Integrationslotsen sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit am Regionale-Prozess, denn das Strukturförderungsprogramm des Landes begegnet ebenfalls dem demografischen Wandel. Besondere Erwähnung fanden zudem die Vereinsaktivitäten von Hand in Hand auf sozialem und in der historischen Brennerei Rönsahl auf kulturellem Sektor.

Informiert wurde außerdem darüber, dass die Stadt an einem Forschungsprojekt der Universität Siegen zum kommunalen Demografiemanagement teilnimmt. Auch die politischen Fraktionen waren daran in Form einer Fragebogenaktion beteiligt. Ein Ergebnis der Auswertung liegt bislang noch nicht vor. Dieses soll genauso abgewartet werden wie die Resultate aus den Arbeitsgruppen des Kreises.

Im Wesentlichen sind bei allen Überlegungen zum demografischen Umbruch zwei Strategien zu Bewältigung erkennbar: Auf der einen Seiten sollen Städte und Gemeinden attraktiver werden, um Lebensqualität zu gewinnen und dadurch einen einen größeren Anteil junger Familien an sich binden. Auf der anderen Seite steht die Anpassung der Infrastruktur, sowohl in technisch wie auch sozialer Hinsicht.

In anderen Kreisen wie Siegen-Wittgenstein wird ein ganzes Infrastrukturbündel zur künftigen Daseinsvorsorge untersucht, wozu die Bereiche Schulbildung und berufliche Qualifizierung, Gesundheitsvorsorge und Seniorenpflege, Kultur und Tourismus, Nahmobilität und ÖPNV, dezentrale Energiegewinnung und öffentliche Verwaltungskooperation gehören. Wie die Verwaltung im Hauptausschuss betonte, sind einige dieser Punkte im Regionalekonzept zusammen mit Meinerzhagen, Halver und Schalksmühle bereits enthalten.

Bürgermeister Frank Emde unterstrich in Richtung SPD, dass die Bildung der örtlichen Arbeitsgruppe nicht abgelehnt, sondern lediglich verschoben werde. ▪ Rolf Haase

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