Labor gehört zur Grundausstattung

Salben, Säfte und Tinkturen: Apotheker stellen selbst Arzneien her

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Für Salben und Lösungen, die der Apotheker selbst herstellt, werden diese Substanzen häufig benötigt.

Kierspe - Wahrscheinlich ist jeder Erwachsene schon einmal mit einem Rezept in der Hand in einer Apotheke gewesen, um sich ein Medikament zu holen. Doch gibt es dort nicht nur die bereits fertig dosierten und verpackten Arzneien. Man erhält dort auch Salben, Lösungen, Kapseln, abgeteilte Pulver und Zäpfchen – die vom Apotheker nach dem Rezept des Arztes individuell hergestellt worden sind.

Aus diesem Grund gehört sowohl ein Labor, als auch eine Rezeptur zur notwendigen Grundausstattung einer Apotheke, erklärt Franz-Josef Ruthmann, Inhaber der Montigny-Apotheke an der Friedrich-Ebert-Straße. Diese würden auch regelmäßig überprüft. Dabei ist das Labor dafür da, um Substanzen, die von Großhändlern geliefert werden, auf ihre Identität zu überprüfen – sozusagen: Ob auch das drin ist, was drauf steht.

Dies geschieht mit Reagenzien (anderen chemischen Substanzen) in entsprechenden Geräten. Doch Franz-Josef Ruthmann beruhigt: „Ich habe noch nie erlebt, dass die Identität nicht gestimmt hat!“ Und dass die Qualität der Substanzen stimmt, dafür sorgen die entsprechenden Zertifizierungen bei den Händlern. Auch wenn es nicht sehr oft vorkommt, dass eine Substanz überprüft werden muss.

Waagen werden immer wieder neu geeicht 

Vielleicht ein- oder zweimal im Monat, schätzt der Apotheker. Dies sei aber in jeder Apotheke anders, fügt Ruthmann hinzu. Ähnliches gelte für die Rezeptur, dort, wo mit Hilfe von Mörser, Messbecher, Petrischalen, Unguator (einer Art Rührgerät) und speziellen Waagen, die Milligramm-genau messen und auch alle zwei Jahre geeicht werden müssen, nach dem Arztrezept individuelle Salben, Lösungen, abgepackte Arzneipulver, Kapseln und Zäpfchen hergestellt werden.

Apotheker Franz-Josef Ruthmann in seiner Rezeptur.

Bei den Bestandteilen spielen oft Kortison, Antibiotika und Antimykotika eine wesentliche Rolle. Ganz so individuell sind solche selbst angerührten Mittelchen allerdings nicht. Denn es gibt das sogenannte NRF (Neues Rezeptur Formularium, siehe Infokasten), ein mehrere hundert Seiten umfassendes Werk, das die meisten besonderen Rezepte enthält. Da diese Pflichtliteratur, wie es Franz-Josef Ruthmann ausdrückt, nicht nur in jeder Apotheke, sondern auch in den Arztpraxen zu stehen hat, kann allein durch Angabe einer Nummer solch eine Salbe oder Lösung hergestellt werden.

Zwei- bis dreimal im Monat kommt dies in der Montigny-Apotheke vor, schätzt der Inhaber. Und zumeist sind es Salben oder Lösungen, die verlangt werden. Das könne aber dort, wo es in der Nähe einen Hautarzt geben würde, schon ganz anders aussehen. Da werde der Apotheker sicherlich öfter „in der Rezeptur stehen“ und die verschiedenen im Labor auf ihre richtige Identität geprüften Substanzen zum Arzneimittel zusammenfügen.

Wichtiges Bestandteil einer Rezeptur ist diese Waage, mit der Substanzen Milligramm genau abgewogen werden können.

Bevor die verschiedenen, vom Arzt auf dem Rezept notierten Substanzen zusammen gemixt werden, muss eine Plausibilitätsprüfung durchgeführt werden. Das funktioniert, so erläutert Ruthmann, mithilfe eines Computer-Programms. Nach Eingabe der verschiedenen chemischen Substanzen wird ermittelt, ob die Zusammenstellung auch Sinn macht und die Therapie mit dem Medikament auch zum gewünschten Erfolg führt.

Unguator wird dieses Gerät genannt, in dem die verschiedenen Substanzen zu einer Salbe oder Lösung gemischt und verrührt werden.

„Eine viertel- bis eine halbe Stunde maximal dauert die Herstellung einer Salbe oder Lösung in der Rezeptur“, erklärt Franz-Josef Ruthmann weiter – vorausgesetzt, die benötigten Substanzen sind vorhanden und müssen nicht erst bestellt werden. Aber auch dies geht, wie bei den „normalen“ Medikamenten, recht schnell, ist am folgenden Tag da.

Das Neue Rezeptur Formularium

Das Neue Rezeptur-Formularium (NRF) ist ein von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände herausgegebenes Sammelwerk, in dem Formeln, Standardisierungen und apothekengerechte Herstellungstechniken von Arzneimitteln erfasst sind. Es dient der Qualitätssicherung von Rezepturarzneimitteln (Magistralrezepturen), vor allem für jene Arzneistoffe, die nicht als Fertigarzneimittel verfügbar sind (Orphan-Arzneimittel, Compassionate Use). Das NRF ist dem Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) angegliedert und wird seit 1983 herausgegeben. Die Inhalte des NRF werden vom Pharmazeutischen Laboratorium der NRF-Arbeitsgruppe in Eschborn erarbeitet. Quelle: Wikipedia

Tag der Apotheke

Jedes Jahr am 7. Juni ist der „Tag der Apotheke“. Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – ruft diesen Aktionstag seit 1998 aus, um auf den Stellenwert der öffentlichen Apotheken als Instanz im Gesundheitswesen und die Bedeutung apothekerlichen Heilberufes für die Arzneimittelversorgung aufmerksam machen.

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