"Sieht aus wie ein McDrive"

Ärger um SGV-Hütte: Partygäste schlagen massiv über die Stränge - Anwohnern reicht es

„Feiermöglichkeiten für bis zu 40 Personen“: Im Internet wirbt der SGV Hagen für die Hütte.
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„Feiermöglichkeiten für bis zu 40 Personen“: Im Internet wirbt der SGV Hagen für die Hütte.

Kierspe/Hagen - Ein Rechtsstreit um das Wanderheim des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) in Kierspe-Linden beschäftigt die 7. Zivilkammer des Landgerichts Hagen: Mehrere Anlieger möchten nicht länger tolerieren, dass Partygäste dort massiv über die Stränge schlagen.

Deshalb haben sie Klage gegen den SGV Hagen eingereicht, der das Wanderheim betreibt. Im Internetauftritt wirbt der SGV für die Möglichkeiten der Hütte: „Das Haus bietet Zusammenkunfts- und Feiermöglichkeiten für bis zu 40 Personen. Dazu gibt es 22 Betten. Die Umgebung lädt zu ausgedehnten Wanderungen in Richtung Jubach-, Fürwiggetalsperre oder zur Homert ein.“

Schon die „Feiermöglichkeiten“ deuten ein mögliches Problem an. Dazu kommt die offensive und offenbar recht lukrative Vermarktung, die sich mindestens bis in die Landeshauptstadt Düsseldorf herumgesprochen hat: „Das Heim kann auch von Nichtmitgliedern für Tages- und Nachtaufenthalte gemietet werden.“

Anwohner: "Wir wollen ja nur unsere Ruhe"

Davon wird mittlerweile wohl in einem Ausmaß Gebrauch gemacht, den die Nachbarn nicht mehr akzeptieren wollen: „Wir wollen ja nur unsere Ruhe“, erklärten die Kläger im Landgericht. Als weiteres Problem sehen sie den durch die zahlreichen Wochenendbesucher verursachten Verkehr über ihr Grundstück.

„Es ist ein Problem, dass das aussieht wie ein McDrive“, erklärte der Rechtsanwalt der Kläger. Im Hinblick auf die Fahrzeugbewegungen machte Prof. Dr. Dieter Coburger, Landgerichtspräsident und Vorsitzender Richter der 7. Zivilkammer, den Klägern nur Hoffnung auf Einschränkungen: Im Hinblick auf die Wanderhütte greife vermutlich das Notwegerecht. Das heiße aber nicht, dass zehn Fahrzeuge hintereinander zur Hütte fahren dürften.

Wunsch nach Wegerecht

Der Vertreter des SGV Hagen äußerte seinerseits den Wunsch nach Eintragung eines Wegerechts für die Hütte im Grundbuch. Es konnte nicht überraschen, dass die Kläger diesem Wunsch gegenüber skeptisch waren: „Das wäre das Gegenteil von dem, was wir wollen“, erklärte der Rechtsbeistand der Kläger.

„Es gibt eine Tendenz, dass man da rüber fahren darf“, ergänzte der Vorsitzende aus rechtlicher Sicht. Der SGV-Vertreter gab sich gesprächsbereit und lösungsorientiert: „Das Problem sind alkoholisierte Erwachsene.“ Die sind Berichten zufolge zu nächtlicher Stunde auch mal zu Wild-West-Spielen aufgelegt: Besucher eines Junggesellenabschieds sollen angeblich Reitversuche auf den umliegenden Pferdekoppeln unternommen haben.

In diesem Punkt sprach der Vorsitzende den Klägern ganz eindeutig den Anspruch zu, „vor Cowboy- und Indianerspielen Ruhe zu haben“. Andererseits könnten die Anwohner auch nicht den Anspruch haben, eine stille Einsamkeit wie in der Wüste Gobi zu haben. „Es geht darum, Lärm erträglicher zu machen.“ Keiner könne seinen Standort verlassen.

„Auch Sie wollen ihr Wanderheim dort oben behalten“, mahnte Dr. Coburger den SGV-Vertreter: „Versuchen Sie doch mal, eine Lösung zu finden, die das Lärmproblem löst.“ Hilfsweise machte der Vorsitzende mehrere Vorschläge, über die sich die Kontrahenten am besten gemeinsam beugen sollten: Eine Kaution bis zu 1000 Euro etwa, die nur dann zurückgezahlt wird, wenn die Hüttenordnung und ein zuvor festgelegter und durch die Nachbarn kontrollierter Lärmpegel sowie Zeitbegrenzungen eingehalten werden.

Dr. Coburger setzte dabei auf „diejenigen, die nach durchzechtem Abend noch an den drohenden Geldverlust denken“. Denkbar sei auch ein Abendhonorar für eine Person, die auf die Einhaltung der Hüttenordnung achtet. „Das Überreichen der Hüttenordnung mit dem Hinweis ‘Jungs, seid brav!’ reicht nicht aus“, betonte der Vorsitzende und zeigte sich für eine Verhandlungslösung zum Äußersten entschlossen: „Von mir aus treffen wir uns auch oben in der Hütte und sehen zu, dass wir die Kuh vom Eis kriegen!“

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