Anwohner lassen private Kanäle prüfen

Immer wieder neu abgesprochen werden die Prüfungen der einzelnen Häuser mit Dirk Gerisch von der Firma Lobbe und der Bauingenieurin der Stadt Kierspe, Andrea Thelen.

KIERSPE ▪ Ein Halteverbot rechts und links der Lindenstraße machte am Samstag vielen Autofahrern zu schaffen. Nicht viel Platz ließen die drei Prüfwagen der Firma Lobbe, um an ihnen vorbeizukommen. Doch diese Behinderung war nötig, da an diesem Samstag die Kanäle der Lindenstraße auf ihre Dichtheit geprüft wurden. Rund 50 bis 80 Jahre hält ein Kanal, bevor er sanierungsbedürftig wird und viele der Häuser in der Lindenstraße stehen dort noch länger.

„Der Grund für die aktuellen Prüfungen sind die geplanten Sanierungsarbeiten und die vorgesehene Verkehrsberuhigung der Lindenstraße“, informierte die städtische Bauingenieurin Andrea Thelen. „Es ist sinnvoller, sich vor dem Beginn der Baumaßnahmen von dem Zustand der Kanäle ein Bild zu machen, als nachher die gerade fertig gestellte Straße wieder aufreißen zu müssen.“ Die Anwohner der Lindenstraße kamen so in den Genuss, ihre privaten Abwasserleitungen gleich mitprüfen lassen zu können. Das war für sie kostengünstiger, als später noch einmal Firmen beauftragen zu müssen. „Wir hatten den Hauseigentümern drei Alternativen angeboten“, zählte Andrea Thelen auf. „Bei der ersten konnten sie nur vom städtischen Kanal bis zur Grundstücksanschlussleitung ihren Kanal für etwa 100 Euro prüfen lassen. Bei der zweiten Variante machte die von der Stadt Kierspe beauftragte Firma die komplette Zustandsprüfung. Hier fiel ein Preis von 12,50 Euro für den laufenden Meter und eine Pauschale für die Dokumentation an. Bei der dritten Variante konnte der Hauseigentümer eigene Unternehmen beauftragen und der Stadt Kierspe die Ergebnisse der Untersuchungen übergeben.“ Die letzte Möglichkeit hatten mehrere Hauseigentümer der Lindenstraße schon 2005 wahrgenommen. Diese Prüfungen wurden von der Stadt anerkannt, jedoch sah sich Andrea Thelen die Videos der Prüfungen an und fand doch bei der einen oder anderen Prüfung Mängel, obwohl vom Prüfer die Dichtheit bescheinigt worden war.

Groß waren die Messwagen nicht, sie hatten die Größe eines Sprinters. Doch der äußere Schein trog. Sie waren voll gestopft mit Technik, Computern, Monitoren, Kabeln, Kameras und Platz musste auch noch für den Techniker sein, der alle Geräte von hier aus bediente. Das Hauptaugenmerk wurde Samstag auf den Hauptkanal gelegt, der unter der Lindenstraße herführt. Dort hinein fuhr die Kanalkamera, leuchtete den zu prüfenden Bereich aus und ging von dort in die Abwasserleitungen der Grundstücke, soweit sie den Auftrag dafür hatten. „Undichtheiten sind daran zu erkennen, dass Dichtringe in die Leitung hineinragen oder dass Wasser durch die Rohre tropft“, erklärte Andrea Thelen. „Früher wurde zum Abdichten der Anschlusstücke der Rohre mit Teer getränkter Hanf genommen. Dieser löst sich aber mit der Zeit auf, so dass die Dichtungen jetzt erneuert werden müssen.“

Die Anwohner der Lindenstraße hatten jetzt schon die Möglichkeit zu erfahren, ob ihre Anschlussleitungen dicht sind. Die offiziellen Prüfungen der anderen Grundstücke enden zwischen dem 30. Juni 2012 und dem 31. Dezember 2021 im Halbjahresrhythmus. Welche Straßen wann dran sind, erfahren die Hauseigentümer von der Stadt Kierspe, die die betreffenden Eigentümer rechtzeitig vorher anschreiben wird.

Wie geprüft wird, hängt damit zusammen, ob das Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt oder nicht. Im Wasserschutzgebiet reicht keine Untersuchung mittels Kanalkamera aus, hier wird eine Druckprüfung mit Luft oder Wasser vorgenommen. Interessant ist hier auch der Erlass des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen vom 17. Juni 2011 der ausführt, dass Bagatellschäden nicht behoben werden müssen und die kostengünstigere Wasserstandsfüllprüfung vielfach ausreicht. Ausführliche Informationen zu diesem Themasind auf der Internetseite der Stadt Kierspe unter der Rubrik Rat und Verwaltung und dort unter Dichtheitsprüfung zu finden.

Der Erlass findet sich auf der Homepage des Ministeriums, wo er als pdf-Datei herunter geladen werden kann. Wann für die Anlieger der einzelnen Straßen der Prüfschluss ansteht, ist ebenfalls auf der Seite der Stadt Kierspe nachzulesen, die aber auch ein Faltblatt mit Informationen für Grundstückeigentümer zur Dichtheitsprüfung von privaten Abwasserleitungen bereit hält.

Gertrud Goldbach

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