Bürgerantrag soll K3-Sperrung für Motorräder zur Folge haben

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Rund 50 Anwohner des Kerspetals und umliegender Wohngebiete sind zu einem Pressetermin gekommen, um ihrer Forderung nach Sperrung der Kreisstraße 3 Nachdruck zu verleihen.

Kierspe - Es sind die reinsten Horror-Geschichten, die die Anwohner des Kerspetals erzählen. Da seien Radfahrer von Motorradfahrern abgedrängt, Fußgänger beschimpft und Pferde samt Reiter in Bedrängnis gebracht worden.

Unerträglicher Lärm würde die Nutzung der Terrasse und hunderte Motorradfahrer das Joggen auf der K3 unmöglich machen. Rund 50 Anwohner des Kerspetals, aber auch der Goethestraße sind ins Kerspetal gekommen, um ihrem Wunsch nach einer Sperrung der Kreisstraße 3 für Motorradfahrer Nachdruck zu verleihen.

Mit einem Bürgerantrag haben sich die Anwohner an die Stadtverwaltung gewandt – und diese hat den Antrag an den Kreis weitergeleitet, da das Straßenverkehrsamt letztlich darüber entscheiden muss, ob eine solche Sperrung zulässig ist. „Wie mit der Kreisverwaltung abgesprochen, werden wir im Mai die Fahrzeuge zählen und mit einem Seitenradar die Geschwindigkeit messen und die Fahrzeugart erfassen“, erklärt Ordnungsamtsleiter Oliver Knuf, der betont, dass die Stadt den Antrag der Anwohner wohlwollend begleitet – aber auch, dass es wohl nicht leicht werde, wenn man sich die aktuelle Rechtsprechung anschaue.

Er widerspricht auch den Anwohnern, die von einem Unfallschwerpunkt sprechen: „Die Kreispolizeibehörde hat uns mitgeteilt, dass in dem Tal in den vergangenen fünf Jahren ein Motorradfahrer und ein Autofahrer zu Tode kamen.“ Nur zu gut weiß auch die Stadtverwaltung, dass auf anderen Strecken – gerade im Hochsauerland – jedes Jahr mehrere Kradfahrer ihr Leben verlieren.

Irmtrud Berges aus Mühlenschmidthausen schildert allerdings auch Begebenheiten, die in keinem Polizeibericht auftauchen: „Ab 9.30 Uhr wird es an den Wochenenden kritisch für Radfahrer. Dann werden diese geschnitten, beschimpft und manchmal sogar bedroht.“ Doch es geht den Menschen aus dem Kerspetal nicht nur um die kleineren und größeren Begegnungen im Tal, sondern auch um die Lärmbelästigung, die von den Maschinen ausgeht.

Nicht der einzelne Motorradfahrer macht den Anwohnern Sorge, aber das „massenhafte“ Auftreten der Zweiräder schon.

Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass es Motorradfahrer gibt, die den „Sound“ ihrer Maschinen durch illegale Manipulationen an den Auspuffanlagen steigern. Bei einer Kontrolle und dem Abschalten des Motors schalten sich die auch die Veränderungen ab – und ohne eine Zerlegen des Auspuffs kann die Polizei die Manipulationen an der Maschine nicht nachweisen. Doch auch ohne die Eingriffe ist der Lärm allein durch die Anzahl der Maschinen enorm. Zum Beweis legt Dieter Schmidt aus Bruch einen Briefbogen vor. Sauber aufgelistet finden sich darauf 340 Motorräder, die sein Haus am Sonntag, 16. Mai 2010, in der Zeit zwischen 11 und 18 Uhr passiert hatten.

Und der Grünen-Politiker Hermann Reyher macht deutlich, dass diese Zahl über die Jahre nicht kleiner geworden sei: „In diesem Jahr habe ich an einem sonnigen Sonntag in 30 Minuten 42 Motorräder gezählt.“ Doch nicht nur die reinen Zahlen sollen das Problem verdeutlichen – sondern auch die Belastung der Straße, auf der sich aufgrund der Breite zwei Pkw an vielen Stellen nur mit großer Vorsicht begegnen können.

Neben den Radfahrern und Fußgängern, die die Straße, die keinen Fußweg aufweist, sind auch Reiter unterwegs. „Uns bleibt gar nichts anderes übrig, da wir nicht durch das Naturschutzgebiet reiten dürfen“, erklärt Birgit Raphael-Nowack, „bei rasenden Motorradfahrern, meist noch in der Kolonne und nicht selten mit zehn oder 20 Fahrern, kann das für Menschen und Tier lebensgefährlich werden.“ Dieter Schwarze, der in Thal wohnt, unterstreicht das mit seinen Beobachtungen: „Manche Fahrer stoppen sogar die Zeiten, in denen sie die Streckenabschnitte abgefahren haben.“

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