Von hoher Literatur bis zu profanen Gaumenfreuden

Hans Adolf Müller ist als engagiertes KUK-Mitglied bekannt. Im Bücherdorf betreibt er ein Antiquariat und verköstigt die Besucher.

Kierspe - Ein Geheimtipp ist das Bücherdorf Müllenbach schon lange nicht mehr. Bei Literaturfreunden und Sammlern und allen, die gerne in Bücherregalen stöbern und sich über unvermutete Schätze freuen, ist der Büchermarkt in Marienheide-Müllenbach gut bekannt.

Von Birgitta Negel-Täuber

Bei manchen Stammkunden steht er auch als fester Termin im Kalender. An jedem ersten und dritten Wochenende im Monat öffnen die Antiquariate ihre Türen für Besucher und Kunden, die bis aus dem Kölner Raum ins Dorf an der Grenze zum Märkischen Sauerland kommen.

Geografisch teilen sich die Bücherfreunde auf: Die Betreiber der vier Antiquariate im Büchermarkt kommen mehrheitlich aus dem Sauerland, ihre Kundschaft aus dem Rheinland. Hans Adolf Müller aus Meinerzhagen ist einer von ihnen. Vielen ist er als engagiertes KuK-Mitglied bekannt, in Müllenbach erfüllte er sich den Traum vom kleinen, aber feinen Antiquariat mit Schwerpunkt auf Kunst, Kultur und Katalogen. Heidemarie Eberle-Ringel und Gerhard Ringel aus Lüdenscheid haben sich ebenfalls spezialisiert: Gerd Ringel auf Mathematik, Technik und Naturwissenschaften, seine Frau unter anderem auf fremdsprachige Belletristik und Insel-Bücher. Gleich mehrere Ausgaben des legendären ersten Bandes der Insel-Bücherei, Rilkes „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“, hat sie im Angebot.

Sehr viel handfester war allerdings der Schwerpunkt, den die Antiquare am letzten Wochenende setzten: Den Blickfang bildeten nämlich Kochbücher. Deftiger Braten und vegane Kost, Spar-Rezepte aus der Nachkriegszeit und Nouvelle Cuisine, Trennkost und die Küche Lateinamerikas - kein Thema ist abgelegen genug, als dass man nicht ein Buch darüber schreiben könnte.

Selbst der Brückenschlag von hoher Literatur zu profanen Gaumenfreuden stand mit einem üppig bebilderten Band über Lübecker Gerichte bei Thomas Mann zur Verfügung.

Wer sich vom vielen Schauen und Stöbern ausruhen wollte, konnte das im Lesecafé tun. Bei Kaffee und Kuchen oder auch einem Teller Hühnersuppe entspannen sich immer wieder Gespräche zwischen den Bücherfreunden.

Das „Haus der Geschichten“ gleich gegenüber hatte ebenfalls geöffnet. Hier steht eher Heimatgeschichte im Mittelpunkt, während im Alten Fuhrmannshof mit dem Erzähl-Kontor die hohe Kunst des Erzählens gepflegt wird. Zahlreiche Veranstaltungen rund um Lokalgeschichte und Literatur runden das Programm ab.

Eine ungewöhnliche Lesung steht am 22. Februar um 15 Uhr bevor. Die Schauspielerin Ute Kaiser liest dann im Alten Fuhrmannshof aus dem Frühwerk von Anna Seghers und stellt dabei ein CD-Projekt zu der bedeutenden deutschen Erzählerin vor.

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