Drogen: „Kierspe ist keine Problem-Stadt“

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Auch in Kierspe und Meinerzhagen kommen immer wieder Menschen in Kontakt mit Drogen und werden im schlimmsten Fall zu Suchtopfern.

Kierspe - Cannabis, Amphetamine, Heroin oder Alkohol: Die Bandbreite der Substanzen ist so vielfältig, wie die Gründe für ihren Konsum. Auch in Kierspe und Meinerzhagen kommen immer wieder Menschen in Kontakt mit Drogen und werden im schlimmsten Fall zu Suchtopfern.

Im vergangenen Jahr nahmen 22 Kiersper und elf Meinerzhagener das Beratungsangebot der Anonymen Drogenberatung im Märkischen Kreis in Anspruch. Ansprechpartner für sie ist Bernd Weißflog, der im Kiersper Rathaus eine Außensprechstunde leitet.

Mit rund 22 000 Euro im Jahr (Haushaltsentwurf der Stadt Kierspe für 2017) unterstützt die Kommune die Beratungsstelle. Zu ihren Aufgaben zählen Sprechstunden und Beratung von Konsumenten, aber auch die Vermittlung von Entgiftungsplätzen und in Substitutionsbehandlungen, in ambulante, teilstationäre und stationäre Rehabilitationsmaßnahmen. Zudem werden Hausbesuche, Beratung und Betreuung von Abhängigen in Krankenhäusern und Justizvollzugsanstalten sowie die Beratung und Betreuung von Angehörigen und Partnern angeboten. Auch Ausbilder und Lehrer werden von der Drogenberatung angeleitet.

In der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Demografie, Soziales und Familie berichtete Stefan Tertel, der Geschäftsführer der Drogenberatung, über die Tätigkeiten des Vereins in der Volmestadt und wies auf die Vorteile hin, die so eine Außenstelle für Hilfesuchende haben könne: „Ein längerer Anfahrtsweg für die Betroffenen aus Kierspe und Meinerzhagen zur Beratungsstelle nach Lüdenscheid falle weg und in der ,Drobs’ haben sie einen festen Ansprechpartner.“

Drobs-Geschäftsführer Stefan Tertel.

Eine Sonderstellung nehme Kierspe nur in dem Punkt ein, dass die Stadt eine von wenigen im Märkischen Kreis ist, die direkt vor Ort eine Sprechstunde für Suchtpatienten hat. Ansonsten zeichne sich in der Stadt ein ähnliches Bild wie in Meinerzhagen, Halver, Lüdenscheid oder Dortmund ab. „Kierspe ist keine Problem-Stadt. Der Großteil der Klienten ist männlich. Wir haben aber hier einen relativ hohen Frauenanteil von 33 Prozent im Gegensatz zum Beispiel zum Standort Lüdenscheid. Es gibt in Kierspe aber gemessen an der Einwohnerzahl nicht wesentlich mehr oder weniger Suchtpatienten als in anderen Kommunen“, erklärt Stefan Tertel.

Aktuelle Probleme, die auch die Volmestadt betreffen, seien das vermehrte Aufkommen von synthetischen Substanzen wie Cristal Meth („Die Droge wird auch hier ankommen. Viele Jugendliche wissen in Diskotheken gar nicht, was sie da eigentlich nehmen“) und dass immer mehr Leistungsträger ihre stationären Behandlungsmöglichkeiten abbauen („Das ist ein bundesweites Phänomen“).

Das Papilio-Programm für Kindergärten, die Klasse 2000, die durch den Lions-Club an allen Grundschulen in Kierspe und Meinerzhagen durchgeführt wird, oder das Projekt Fred für heranwachsende Jugendliche: Die Drogenberatung sei in Kierspe an vielen Stellen aktiv, so Tertel. „Ein besonderes Highlight in diesem Jahr war das Jugendcamp auf der Gathe in Rönsahl, das wir zusammen mit dem Kreisjugendamt durchgeführt haben. Dort haben wir uns mit den jungen Teilnehmern mit dem Thema Sucht beschäftigt“, berichtete Tertel.

Die Kooperation mit öffentlichen Stellen laufe im südlichen Kreis besser als im restlichen Gebiet. Aber der Geschäftsführer appelliert an alle Verantwortlichen, dass die Präventionsarbeit an den Schulen oder in anderen Einrichtungen kein Lückenfüller sein sollte. Er wünsche sich eine noch stärker Vernetzung aller Beteiligten. Er wies in diesem Zusammenhang auf seine Suchtpräventionsfachkraft René Sadowski hin, der auch als Kontaktperson für Schulen oder auch für besorgte Eltern diene.

Kontakt zur Drogenberatungsstelle in Kierspe

Die Außensprechstunde in Kierspe findet donnerstags von 14.30 Uhr bis 17 Uhr im Rathaus und nach Terminabsprache bei Bernd Weisflog unter der Rufnummer 0 23 59/66 11 83 statt.

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