Interesse an Ratssitzung und Windenergie in Kierspe

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Nach Informationen der Stadtverwaltung haben zahlreiche Windkraftanlagen-Betreiber großes Interesse an Standorten für Windräder in Kierspe.

Kierspe - Wenn sich viele Bewohner einer Stadt in der Ratssitzung einfinden, ist die Stimmung schlecht. So war das auch am Dienstagabend, als die Stühle im Ratssaal nicht ausreichten, um die – vor allem aus Rönsahl stammenden – Kiersper aufzunehmen.

Gerüchte über geplante Windkraftanlagen und das vermeintliche Abstimmen der Ratsmitglieder über zukünftige Standorte hatte die Menschen mobilisiert. Und tatsächlich tummeln sich etliche Firmen in Kierspe – vor allem aber in Rönsahl –, um sich Standorte für die alternative Energiegewinnung zu sichern.

Im Rahmen der sogenannten „Stunde der Öffentlichkeit“ meldeten sich etliche Kiersper zu Wort, um Genaueres über die Planungen der Stadt und der Firmen im Bereich Windkraft zu erfahren. Bürgermeister Frank Emde räumte ein, dass man nach einem entsprechenden Beschluss im nichtöffentlichen Teil des Hauptausschusses auch im Rahmen der Ratssitzung über dieses Thema habe sprechen wollen, um sogenannte Vorratsflächen im städtischen Wald im Bereich Wernscheid (zwischen Ölmühle und Bennighausen) zu reservieren, auf denen der Energieversorger Enervie aus Hagen gerne zwei Windräder errichten möchte. 

Antrag von der Tagesordnung genommen

Dieser Antrag wurde nach MZ-Informationen erst gestern – nachdem die ersten Gerüchte auf Facebook auftauchten – wieder von der Tagesordnung genommen. Emde teilte mit, dass man sich nun mit Enervie dahingehend geeinigt habe, dass der Energieversorger nun erst einmal eine Artenschutzprüfung vornimmt. „Sollte es dabei einen positiven Entscheid geben, wird es im Rahmen des weiteren Verfahrens eine entsprechende Bürgerbeteiligung geben“, so der Bürgermeister.

Emde betonte aber auch, dass sich bereits seit Jahren Windenergieanlagen-Betreiber in Kierspe nach geeigneten Standorten umsehen würden, unter anderem nannte er die Firmen Ostwind und Prokon. „Vertreter von Prokon waren schon einmal im Rathaus, um Projekte zu besprechen, die sich aber wieder zerschlagen haben“, so Emde.

Darüber hinaus berichtete der Bürgermeister, dass derzeit Ornithologen im Stadtgebiet unterwegs seien, um Untersuchungen für die Betreiber von Windkraftanlagen an den infrage kommenden Standorten vorzunehmen – und die Auftraggebern mit den notwendigen Artenschutzgutachten zu versorgen.

Mehrere Anlagen mit einer Höhe von 230 Metern?

Das bestätigte auch ein Rönsahler, der berichtete, dass er mit einem dieser Vogelkundler in Kontakt stehe. Außerdem berichtete er von einer Veranstaltung in Glietenberg, die in diesem Monat stattgefunden habe und bei der ein Windenergie-Anlagenbetreiber die Eigentümer von in Frage kommenden Flächen über Planungen unterrichtet hätte. „Alle anderen, die dort kein Land besitzen, wurden rausgeworfen. Aber wir konnten dem Vortrag durch das geöffnete Fenster folgen. Demnach sollen im Bereich Glietenberg mehrere Anlagen mit einer Höhe von 230 Metern errichtet werden“, berichtete er.

Im Rahmen der „Stunde der Öffentlichkeit“ erklärte Emde auch das übliche Verfahren, wenn die Stadt nicht mit eigenen Flächen involviert sei: „Dann wird der Bauantrag an den Kreis gestellt. Erst danach wird die Stadt beteiligt und um eine Stellungnahme gebeten. Widersprechen wir dem Bau zu Unrecht, werden wir schadensersatzpflichtig.“

Deutlich wurde auch, dass die in der Ratssitzung anwesenden Kiersper auf eine Änderung der Abstandsflächen für Windräder durch die neue Landesregierung setzen. Auch dazu hatte der Bürgermeister eine klare Meinung: „Sollte es wirklich dazu kommen, dass mindestens 1500 Meter zwischen einem Windrad und der nächstgelegenen Wohnbebauung liegen müssen, dann würde ich aus dem Bauch heraus sagen, dass dann der Bau von Windkraftanlagen auf Kiersper Stadtgebiet unmöglich wird.“

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