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Anhaltende Trockenheit: Förster schlägt Alarm

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Von: Johannes Becker

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Bei der Aufforstung der Kahlschlagflächen wird nicht nur auf Naturverjüngung gesetzt. Am Wienhagen sind die jungen Pflanzen in Hüllen gut vor dem Verbiss durch Tiere geschützt.
Bei der Aufforstung der Kahlschlagflächen wird nicht nur auf Naturverjüngung gesetzt. Am Wienhagen sind die jungen Pflanzen in Hüllen gut vor dem Verbiss durch Tiere geschützt. © Becker, Johannes

Vor vier Jahren hätte die derzeitige Situation wohl noch das Potenzial gehabt, Waldbesitzer, Förster und Waldarbeiter in Panik zu versetzen. Die drei Stürme in diesem Jahr haben etliche der noch übrig gebliebenen Fichten umgeworfen. Ideales Brutmaterial für den Borkenkäfer, der bei den aktuellen Temperaturen ausschwärmt – und die Fichten haben aufgrund der Trockenheit wenig Widerstandskraft.

Kierspe - Doch so aktiv die Käfer auch sind und auch ihre Zahl in diesem Jahr wieder erschreckende Ausmaße angenommen hat, so richtig panisch reagiert niemand mehr – vor allem, weil die Käfer von Jahr zu Jahr immer weniger Nahrung finden, da kaum noch Altfichten stehen. „Die Restbestände werden jetzt befallen. Wir beobachten auch Schäden an den jüngeren Bäumen, das geht bis zu einem Alter von 20 Jahren“, erzählt Förster Uwe Treff. Bemerkenswert ist für ihn, dass es durchaus auch der Buchdrucker ist, der an die jungen und noch vitalen Bäume geht. Treff: „Das würde man eigentlich vom Kupferstecher erwarten.“

Trockenheit

Viel größere Sorgen als der Borkenkäfer, der alle, die mit dem Wald zu tun haben, seit Jahren beschäftigt, bereitet dem Förster die Trockenheit, „mit dem trockensten März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“, wie Treff sagt. Die trockenen Böden würden derzeit vor allem die Aufforstungsbemühungen gefährden. So hätten Privatwaldbesitzer im vergangenen Herbst 20 Hektar neu bepflanzt und in diesem Frühjahr seien weitere 20 Hektar dazugekommen. „Den neu gepflanzten Bäumen macht die Trockenheit nicht so viel aus, da sie sich noch im sogenannten Pflanzschock befinden. Bei den Bäumen, die im vergangenen Jahr in die Erde kamen, sieht das eventuell nicht mehr so gut aus“, erklärt der Förster.

Nahe des Wienhagener Turms sind die Auswirkungen durch den Borkenkäfer zu sehen. Riesige Kahlschlagflächen müssen in den kommenden Jahren aufgeforstet werden.
Nahe des Wienhagener Turms sind die Auswirkungen durch den Borkenkäfer zu sehen. Riesige Kahlschlagflächen müssen in den kommenden Jahren aufgeforstet werden. © Becker, Johannes

Der Förster bedauert auch, dass einige der Waldbesitzer auch wieder zur Fichte und anderen Nadelbäumen gegriffen hätten, um ihre Flächen aufzuforsten.

Am besten ständen derzeit die Flächen dar, auf denen es bereits Naturverjüngung in dem vor einigen Jahren noch bestehenden Fichtenwald gegeben habe. Dort hätten in dem lichten Nadelwald bereits Birke, Buche, Eiche und andere Arten eine neue Heimat gefunden. Treff: „Dort, wo durch Naturverjüngung auch Fichten wachsen, lassen wir diese stehen. Die Fichte soll eine Chance haben – als ein Baum unter vielen.“

Wie sich die Trockenheit letztlich auf die Neuanpflanzungen genau auswirken wird, zeige sich erst im Laufe der Zeit, so der Waldfachmann.

Das Ende ist absehbar

Gute Nachrichten hat Uwe Treff für all die, die den Wald zur Erholung aufsuchen. Denn es ist deutlich ruhiger geworden. Ging der Förster vor einigen Monaten noch davon aus, dass ab April keine Holztransporter mehr unterwegs sein werden und die Harvester verschwunden sind, geht er jetzt davon aus, dass es noch bis Ende Mai oder Mitte Juni dauert. Allerdings seien die Mengen, die abgefahren werden, nicht mehr mit dem vergleichbar, was bis vor Kurzem aus dem Wald geholt wurde. „Haben wir vor einigen Wochen noch rund 1500 Festmetern Holz pro Woche abgefahren, sind es jetzt noch etwa 1000 Festmeter pro Monat“, so Treff.

In der Folge sei auch abzusehen, dass die Parkplätze am Waldrand wieder den Wanderern und den Spaziergängern zur Verfügung stehen würden. „Der Parkplatz am Dürener Haus darf bereits nicht mehr als Umschlagplatz genutzt werden. Die Holzreste sind zusammengeschoben worden und werden bepflanzt. Neuer Schotter wird dort von der Stadt in Kürze aufgebracht, damit die Autos auch nach einem Regen trocken stehen können. Außerdem wurde der Parkplatz provisorisch für Lkw gesperrt. In Zukunft soll es dort eine dauerhafte Durchfahrtsbegrenzung geben“, sagt der Förster.

Der Parkplatz Dürener Haus ist derzeit noch provisorisch für Lkw gesperrt. Später sollen dort dauerhafte Absperrungen errichtet werden.
Der Parkplatz Dürener Haus ist derzeit noch provisorisch für Lkw gesperrt. Später sollen dort dauerhafte Absperrungen errichtet werden. © Becker, Johannes

Spätestens im Juni, vielleicht auch bereits Ende dieses Monats, soll auch der Parkplatz Handweiser nicht mehr als Umschlagplatz genutzt werden. Ärgerlich für den Förster: diesen Platz nutzen auch Firmen, die sich weder an den Aufräumarbeiten noch an den Sanierungskosten beteiligen.

Osteuropäer

Für die Verzögerungen beim Holztransport haben auch Ausfälle beim Personal gesorgt. „Wir haben sehr viele osteuropäische Waldarbeiter, diese sind aufgrund des Krieges in der Ukraine häufiger in ihre Heimat gefahren. Diese machen sich noch einmal ganz andere Gedanken als wir“, sagt Treff. Ukrainer selbst seien nicht unter den Arbeitern. „Die hatten wir vor ein paar Jahren mal, aber derzeit nicht“, so der Förster.

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