Angst vor dem Hurrikan Irene

Zerfetzte Regenschirme säumten das Geländer der Queens-Bridge

RÖNSAHL/NEW YORK ▪ Tagelang waren Berichte über den Hurrikan Irene, der die amerikanische Ostküste heimsuchte, auch bei uns in den Schlagzeilen.

Eine Rönsahler Familie verbrachte gerade einige Urlaubstage in New York, als Irene dort ankam. Von ihren Erlebnissen berichtet MZ-Mitarbeiterin Birgitta Negel-Täuber:

„Es war spannend! Dabei war zunächst nichts von dem herannahenden Sturm zu merken, das Unwetter fand tagelang nur in den Medien statt. Im Fernsehen überschlugen sich die Krisenberichte, „Killercane“ oder „Mörder-Hurrikan“ titelten die Tageszeitungen und Bürgermeister Michael Bloomberg beschwor seine Bürger: „Es geht um Leben und Tod“.

Die Sicherheitsmaßnahmen der Behörden waren umfangreich: Der Stadtteil Battery Park, von dem aus die Fähren zur Freiheitsstatue fahren, wurde in kürzester Zeit komplett evakuiert. U-Bahnen, Busse und Züge stellten ab Samstagmittag den Betrieb ein, die Parks wurden geschlossen. Auch die Einwohner stellten sich auf das heranziehende Unwetter ein – ein jeder auf seine Weise. Während die Ladenbesitzer ihre Schaufenster mit viel Klebeband sicherten, tauchte in den Straßen auf einmal ein neues Kleidungsstück auf: Die modebewusste New Yorkerin trug zu Shorts und T-Shirt poppig-bunte, kniehohe Gummistiefel.

Gewissermaßen kurz vor Toresschluss machten wir uns noch einmal auf den Weg nach „Downtown“. Tausende Menschen waren unterwegs, aber viel zu tun gab es nicht, denn auch die Geschäfte hatten gar nicht erst geöffnet. Es war eine ungewöhnliche, etwas unheimliche Atmosphäre. Immer noch sehr warm, aber grau und unangenehm drückend war das Wetter.

Da vorläufig der Weg nach Manhattan versperrt war, erkundeten wir statt dessen am Nachmittag Queens, das Viertel, in dem unser Hotel lag. Von Krisenstimmung war hier nichts zu spüren. Unbeeindruckt von den Horror-Szenarien der Medien gingen die Menschen ihren Alltagsgeschäften nach.

In der Hotelhalle herrschte dagegen Hochbetrieb. Flüge mussten umgebucht, Hotelzimmer verlängert werden. Den Touristen hatte Irene einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht.

Lange Gesichter gab es auch bei einer Gruppe deutscher Polizisten. Die Gesetzeshüter waren zu den Weltsportspielen der Polizisten, Feuerwehrleute und Zollbeamten angereist. Nach den Olympischen Spielen ist der „Cops Cup“ das größte Sportereignis weltweit. Für das Wochenende wurden alle Sportveranstaltungen abgesagt, statt Drachenboot zu fahren, saßen die Männer nun im Hotel herum.

Am Nachmittag wurde es dann recht stürmisch uns kamen Erinnerungen an Orkan Kyrill in den Sinn, der vor einigen Jahren die heimischen Wälder verwüstete. Heftige Regengüsse gingen nieder, aber zum Glück hielten die, ohnehin reichlich marode wirkenden, Stromleitungen dem Wind stand.

Am Sonntagmittag war schon wieder alles vorüber und wir machten uns zu Fuß auf den Weg nach Manhattan. Vor dem Hotel wehte ein abgerissenes Garagendach über die Straße, heruntergerissene Äste bedeckten das Pflaster. Entlang der Queens-Bridge säumten zerfetzte Regenschirme das Brückengeländer – offensichtlich hatten doch nicht alle Menschen den Warnungen Folge geleistet und waren zuhause geblieben.

Die Taxifahrer machten an diesem Wochenende das Geschäft ihres Lebens. Lange Schlangen bildeten sich auch vor den wenigen Kaffee-Bars, die als erste wieder öffneten. Ohne „coffee to go“ geht in Amerika eben gar nichts.

Am Montag war der Himmel wieder wolkenlos – sowohl die New Yorker als auch wir waren glimpflich davongekommen. Und von bunten Gummistiefeln war dann auch nichts mehr zu sehen.“

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