Außensprechstunde der Drobs auch 2013 stark frequentiert

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Neben Abhängigkeiten von Alkohol, Opiaten oder synthetischen Substanzen, war auch der exzessive Konsum der weichen Droge Cannabis (Foto) in 2013 Grund für die Betroffenen, die Außensprechstunde der Drogenberatung in Kierspe zu besuchen.

Kierspe - 81 Mal wurde die Außensprechstunde der Drogenberatungsstelle Lüdenscheid (Drobs) in Kierspe im vergangenen Jahr von Betroffenen aufgesucht. Das teilte Stefan Tertel, Geschäftsführer der Drogenberatungsstelle Iserlohn, zu der auch die Standorte Lüdenscheid und Werdohl gehören, am Dienstag im Ausschuss für Soziales und Senioren mit.

Von Petra Schüller

Auch sein Kollege Bernd Weißflog vom Drobs-Standort Lüdenscheid war vor Ort. Er steht Abhängigen und ihren Angehörigen in Kierspe nach vorheriger Terminabsprache unter Tel. (0 23 59) 2 96 89 25 jeden Donnerstag in der Zeit von 14 bis 17 Uhr im Zimmer 39 des Rathauses zu Gesprächen zur Verfügung. Am Dienstag gab er Einblick in die aktuelle Situation. Demnach nahmen insgesamt 36 Klienten das Angebot vor Ort in Anspruch. 18 von ihnen suchten den Rat Weißflogs in 2013 mehr als dreimal, elf Konsumenten von Drogen besuchten die Sprechstunde ein- oder zweimal. In geringerem Umfang nahmen auch Angehörige das Beratungsangebot wahr. 33,5 Prozent der Klienten, die die Kiersper Sprechstunde aufsuchten, konsumieren synthetische Substanzen, ebenfalls 33,5 Prozent sind von Opiaten wie Heroin abhängig. Die nächstgrößere Gruppe bilden mit 16,5 Prozent Menschen, deren Alkoholkonsum problematische Züge angenommen hat oder die bereits abhängig sind. Cannabiskonsum war im vergangenen Jahr bei elf Prozent der Ratsuchenden Thema, 5,5 Prozent sind von anderen Suchtformen betroffen.

Bevor Stefan Tertel die Arbeit der Drobs im Detail vorstellte, machte er deutlich, wie viele Menschen von Süchten betroffen sind. „Wir schätzen, dass von den 450 000 Bürgern im Märkischen Kreis 20 000 abhängig von Alkohol und Medikamenten und 1600 von illegalen Drogen sind.“

Der Geschäftsführer der Drobs stellte das Programm „Papilio“, das von der Augsburger Puppenkiste unterstützt wird, als ausgezeichnete Möglichkeit dar, präventive Arbeit in Kindergärten zu leisten und empfahl dem Ausschuss, das Angebot bei Einrichtungen vor Ort publik zu machen. Für Grundschüler sei das Angebot „Klasse 2000“ ein unverzichtbarer Baustein, um Kinder stark zu machen, ihr Gesundheitsbewusstsein zu fördern und über Gefahren zu informieren. Für Jugendliche, die im Zusammenhang mit Drogen auffällig werden, sei das Programm „FreD“ (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten) eine maßgeschneiderte Hilfe, so Tertel. Auch die Gesamtschule Kierspe mache dem einen oder anderen Schüler die Teilnahme zur Auflage, um einer tragischen Drogenkarriere schon im Frühstadium entgegenzuwirken. In acht Einzelstunden werde mit Hilfe einzelner Module an der Einstellung der Teilnehmer zu ihrem Drogenkonsum gearbeitet. Abschließend erhalten die jungen Klienten eine Bescheinigung. „Diese können sie im Falle einer Anzeige wegen Drogenbesitzes auch der Staatsanwaltschaft vorlegen“, so Tertel. Dies belege, dass sie guten Willes seien, ihr Verhalten zu ändern.

Auch das Thema „Sucht im Alter“ sei von Bedeutung, so Tertel. „Viele ältere Menschen, die während des Krieges traumatisiert wurden, konnten dies viele Jahrzehnte lang verdrängen. Nicht selten brechen die seelischen Verletzungen im hohen Alter aber wieder auf und werden durch Alkohol oder Medikamente betäubt.“

Bericht 3. Lokalseite  ‘  

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