AnbindungBordinghausens kein Planbestandteil mehr

Die nördliche Entlastungsstraße ist zunächst nun ohne eine Anbindung Bordinghausens geplant.

KIERSPE ▪ Erst sollte die Anbindung Bordinghausens der kleinen Ortschaft rund 6000 Fahrzeugbewegungen am Tag bringen, was einen Aufschrei der Bürger auslöste.

Wobei zu dem Zeitpunkt aber der Lausebergaufstieg im Rahmen des ersten Bauabschnitts zunächst auch nur bis dorthin gebaut werden sollte. Dann wurde die nördliche Entlastungsstraße nach Aufforderung durch das Land als ganzes von der B 54 bis zur L 528 geplant mit insgesamt fünf weiteren Anbindungen. Was das Verkehrsaufkommen schon deutlich senkte, wozu aufgrund anhaltender Proteste der Bürger zusätzlich noch ein dorfgerechter Ausbau beitragen sollte, der in der Perspektive auf das Jahr 2025 den Verkehr von 2060 auf 1200 Fahrzeugbewegungen am Tag reduzierte.

Und jetzt ist die Anbindung von Bordinghausen gar nicht mehr Bestandteil der beiden Bebauungspläne, sondern soll erst kommen, wenn das Baugebiet Östlich Rathaus im zweiten und dritten Bauabschnitt erschlossen wird. Was voraussichtlich auf viele Jahre hin gesehen nicht passieren wird. Wie Peter Christian Schröder von Pro Kierspe betonte, „auch nicht in 50 Jahren“. Oliver Busch von der SPD ergänzte noch etwas plastischer: „Das Wohngebiet wird nicht voll, gefördert wird auch nicht und die Stadt ist pleite“, womit er deutlich zu machen versuchte, dass die gesamte Straßenplanung aus seiner Sicht wenig Sinn mache.

Als am Dienstagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung im Rathaus die aktuelle Planung für die nördliche Entlastungsstraße vorgestellt wurde, war die Herausnahme der Anbindung Bordinghausens aus dem Bebauungsplan ganz sicher die größte Überraschung. Begründet wurde sie durch den Planer Cornel Neuhaus von Büro Schumacher aus Wiehl sowie den städtischen Planer Rainer Schürmann mit den Zahlen aus dem aktuellen Verkehrsgutachten: Diese zeigten, dass der Verkehr sich dann zwar auf die Thingslindestraße verteilen würde, „aber sehr moderat“, wie es seitens Schürmann hieß.

Die oberhalb gelegenen Anbindungen würden gar nicht höher frequentiert, weil der Verkehr eher nach unten in Richtung Friedrich-Ebert- und Kölner Straße abfließe. Zwischen Bachstraße und Zu den Kleingärten bliebe es somit bei 650 Fahrzeugbewegungen.

„Der Aufwand und die hohen Kosten für den Bau der Anbindung lohnen sich also nicht“, betonte Schürmann. Dieter Grafe von der UWG wandte kritisch ein, dass mehr Anbindungen auch mehr Verkehr auf die neue Straße bringen würden.

Nach der bislang bereits zehnjährigen Planung, die in dieses Projekt investiert wurde, bei der Gutachten zur Ökologie, zum Artenschutz und dann zur technischen Umsetzung erstellt wurden, stehe die Trassenführung nach Darstellung von Neuhaus inzwischen weitgehend fest.

„Wir haben zig Trassen untersucht“, so der Diplomgeograf, der zudem auf die schwierige Topografie im Plangebiet hinwies. Aus dem Grund konnte ebenfalls der Knotenpunkt mit der L 528 bloß geringfügig weiter in Richtung Serpentinen verschoben werden, von der Politik war da eigentlich mehr gewünscht worden war. Aber immerhin doch „so weit, dass die derzeitige Anbindung des Schützenplatzes bestehen bleiben kann“, teilte Neuhaus mit.

Außer der Vorstellung der Planung standen am Dienstagabend laut Rainer Schürmann dann im nichtöffentlichen Teil die Auftragsvergaben für das ausstehende Lärmschutzgutachten sowie die geotektonische und hydrologische Untersuchung an. Dadurch könnten sich auch noch Änderungen ergeben. Weitere Expertisen sind notwendig für die Kreuzungen der Volme und des Bahngleiskörpers. Geplant sei eine frühzeitige Beteiligung der Bürger, allerdings stehe das Bebauungsplanverfahren ganz am Anfang.

Wie Cornel Neuhaus anmerkte, stellt die schwierige Entwässerungssituation aufgrund der Straßeneinschnitte von bis zu zehn Metern die Ingenieure vor große Herausforderungen, ebenfalls der Verlauf der Humecke. Vorgesehen seien Querungsmöglichkeiten für die Waldwirtschaftswege, die sämtlich erhalten blieben, sowie außerdem für Erholungssuchende.

Richtig positiv, so ergänzte Neuhaus, wirke sich die neue Straße auf die Thingslindestraße aus, weil 60 Prozent des Verkehrs von ihr gezogen werde. Wichtigste Funktion der Trasse sei aber die Entlastungswirkung für die Friedrich-Ebert- und die Kölner Straße. So würden bei der Realisierung der Planung auf letzterer 7000 Autos weniger fahren.

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