Fahren oder nicht fahren ist die Frage - Richter gibt Antwort

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28-Jährige zeigt sich vor Gericht einsichtig und gibt die Falschaussage zu.

Kierspe - Mann fährt ohne Führerschein Auto, seine Bekannte lügt die Polizei dreist an, vor Gericht zeigt sie sich aber einsichtig. So knapp lässt sich der Fall skizzieren, mit dem sich das Amtsgericht am Dienstag auseinandersetzen musste.

Zum Fall: Durch einen Hinweis erfahren Polizeibeamte am 23. Januar, dass in Kierspe ein Mann am Steuer eines Kastenwagens sitzen soll, obwohl er gar keine Fahrerlaubnis hat. Als sich die Beamten zum gemeldeten Standort begeben, finden sie tatsächlich das beschriebene Auto vor. Sie beobachten, wie der Mann ohne Fahrerlaubnis auf der Fahrer- und seine weibliche Begleitung auf der Beifahrerseite einsteigen und losfahren. Die Polizisten nehmen die Verfolgung auf. Unterwegs fällt den Beamten auf, dass der Kastenwagen plötzlich ruckelt. Sie signalisieren den Insassen, anzuhalten. 

Als sich die Beamten dem Auto nähern erkennen sie, dass plötzlich die Frau am Steuer und der Mann daneben sitzt. Obwohl die Polizisten deutlich machen, dass sie die beiden beim Einsteigen gesehen haben, behauptet das Duo, die Frau sei von Anfang an gefahren, weil der Mann ja keine Fahrerlaubnis hat. Mit dieser Aussage hatte sich die Frau wegen Strafvereitelung schuldig gemacht. Gegen einen Strafbefehl von 1200 Euro legte sie rechtzeitig Einspruch ein. Und so kam es zum Prozess im Amtsgericht Meinerzhagen. 

Anwalt der Angeklagten nutzt alle Mittel

Kaum hörbar gab sie zu, die Polizisten angelogen zu haben. Bei dem Mann handelte es sich um einen Kumpel. Der habe angefangen, mit den Beamten zu sprechen und da habe sie dann eben mitgemacht. Der Verteidiger der 28-Jährigen versuchte, mit allen Mitteln etwas für seine Mandantin heraus zu holen. So warf er den Polizeibeamten vor, die Angeklagte zu einer Falschaussage provoziert zu haben. Die Beamten hätten doch bereits gewusst, dass nicht sie, sondern der Mann am Anfang gefahren sei. Die direkte Befragung sei also gar nicht nötig gewesen. 

Mit diesem Argument hatte der Richter merklich seine Schwierigkeiten, weshalb er eine beteiligte Polizistin in den Zeugenstand holte. Die gab an, eindeutig gesehen zu haben, dass der Mann gefahren war. Auf Nachfrage hätten beide Befragten das jedoch abgestritten. Der Richter sah in dem Vorgehen der Polizisten keine Provokation. Schließlich rückte auch der Verteidiger von seinem Standpunkt ab. 

Vorstrafen brachte die 28-Jährige nicht mit. Zudem hatte sie die Tat sofort eingeräumt. Und so stellte der Vorsitzende das Verfahren letztlich vorläufig ein. Als Auflage muss die Angeklagte 600 Euro an die Staatskasse zahlen.

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