Verhandlung

Geldnot: 42-Jähriger "überlebt" durch Straftaten

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Ein 42-jähriger Kiersper wurde vom Amtsgericht verurteilt, unter anderem wegen Einbruchsdelikten.

Kierspe  - Das Amtsgericht Meinerzhagen verurteilte einen 42-jährigen Kiersper zu 18 Monaten Haft auf Bewährung.

Mit weit aufgerissenem Mund ließ ein Angeklagter im Amtsgericht Meinerzhagen ein Gähnen frei. Kurz darauf folgte eine Geste der Müdigkeit selben Ausmaßes. Schließlich wurde es dem Richter zu bunt: „Ein bisschen zusammenreißen können Sie sich ja wohl. Das ist hier kein Biergarten.“ Tatsächlich war es alles andere als eine lockere Veranstaltung.

Schwerwiegende Straftaten

Gleich fünf, teils schwerwiegende Straftaten warf die Staatsanwaltschaft dem Kiersper vor. Seinen Anfang nimmt das kriminelle Jahr 2019 am 26. Mai. Der Angeklagte verabredete sich mit einem Mittäter am Dorfkiosk an der Friedrich-Ebert-Straße in Kierspe. Gegen 5.20 Uhr wirft der Komplize mit einer Zündkerze eine Scheibe ein. Der Angeklagte verschafft sich dadurch Zutritt zum Inneren und klaut Zigaretten im Wert von 140 Euro. „Da hab ich etwas ziemlich Dummes gemacht“, räumt der 42-Jährige die Tat im Gericht ein.

Einbruch in Kita

Anfang Juni geht die Serie mit einem zweiten Einbruch weiter. Der Angeklagte hebelt an der evangelischen Kita am Büscherweg in Kierspe ein Fenster auf und entwendet etwa 80 Euro Bargeld aus zwei Gruppenkassen. Auch diese Tat gibt der Mann zu und bezeichnet sie als Dummheit.

Rad auf Fahrbahn geworfen

Am 7. Juli ist der 42-Jährige mit einem unbeleuchteten Fahrrad in Meinerzhagen auf der B 54 Höhe Grünenbecker Weg unterwegs. Eine Polizeistreife wird auf ihn aufmerksam. Der, über Lautsprecher erteilten und durch Blaulicht erteilten Aufforderung, stehen zu bleiben, kommt der Kiersper nicht nach. Stattdessen tritt er kräftig in die Pedale. Um die Polizisten abzuschütteln, wirft er – nach Überzeugung des Richters – absichtlich das Rad auf die Fahrbahn. Damit verwirklicht er eine Straßenverkehrsgefährdung. Er entkommt zu Fuß, weil die Polizisten einen anderen Verkehrsteilnehmer vor dem Fahrrad warnen müssen. Diesen Vorwurf streitet der Angeklagte ab.

Von Schuld überzeugt

Der Vorsitzende ist dennoch von dessen Schuld überzeugt. Und zwar aufgrund der glaubhaften Zeugenaussage einer Polizistin, die den Vorgang wie in der Anklageschrift niedergelegt, bestätigt. Seine Serie der Straftaten setzt der Angeklagte am 23. Oktober fort. Aufgrund mehrfacher Diebstähle – drei bis vier pro Woche, wie ein Rewe-Mitarbeiter im Gericht aussagt – wird ein Hausverbot für den Supermarkt in Kierspe ausgesprochen. Dennoch betritt der 42-Jährige das Geschäft. Er wird sofort erkannt und die Polizei wird gerufen. Der nicht erlaubte Besuch stellt einen Hausfriedensbruch dar. „Ja, das könnte passiert sein“, äußert sich der Angeklagte diesbezüglich. 

Häcksler entwendet

Der 42-Jährige beendet das strafrechtlich gut gefüllte Jahr am 27. Dezember mit dem Diebstahl eines Häckslers aus dem Keller eines Hauses an der Doktor-Deisting-Straße in Kierspe. „Nein, hab ich nicht gemacht“, bestreitet der 42-Jährige diese Tat. Eine Anwohnerin, die den Angeklagten schon öfter vorher gesehen hatte, widerlegt die Angabe des Mannes. Sie sei nachts wach geworden, weil sie ein lautes Geräusch auf der Straße wahrgenommen habe. Sie sei zum Fenster gegangen und habe den Kiersper mit zwei weiteren Personen dabei beobachtet, wie sie den Häcksler hinter sich herzogen.

Alle Vorwürfe erwiesen

Am Ende sieht der Richter alle Vorwürfe als erwiesen an. Der Angeklagte gibt Geldnot in Verbindung mit Amphetaminsucht als Grund für die Straftaten an. Er bekäme keine staatliche Unterstützung, weil er die dazu nötigen Unterlagen nicht zusammenbekäme. Daher überlebe er seit 31 Monaten durch Diebstähle und von Essen aus Containern. Würde ihn sein Vermieter nicht kostenfrei eine Wohnung überlassen, wäre er auch obdachlos. Zu 18 Monaten Haft verurteilt der Richter den Angeklagten schließlich. Da es für den dreifach vorbestraften Mann die erste Gefängnisstrafe ist, setzt der Vorsitzende sie zur Bewährung aus. Als Auflage muss der Kiersper mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeiten und darf nicht wieder straffällig werden.

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