Lange Zeit als Müllkippe missbraucht

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Neben der Einfahrt zu dem Firmengelände liegen hunderte Altreifen. Mittlerweile ermittelt der Kreis wegen eines Umweltdeliktes.

Kierspe - Im Innenhof stapelt sich der Müll und in der Einfahrt türmen sich alte Reifen. Durch ein eingeschlagenes Fenster kann man große Schutthaufen sehen und neben dem Gebäude stehen ein paar Imkerkästen. Die ehemalige Gabelfabrik zwischen Volmestraße und Volme macht einen verkommenen Eindruck. Doch nun zeichnet sich eine Änderung des unerfreulichen Zustands ab.

Seit Jahren ärgern sich Nachbarn über den Zustand des Gebäudes an der B 54. Und unter ihnen ist auch einer, der das Gebäude samt Grundstück gerne gekauft hätte. Norbert Fastenrath, seit 2012 Eigentümer eines Reifenhandels, betreibt sein Geschäft in unmittelbarer Nähe. Seine Halle war einst selbst Betriebsteil des seit Jahren nicht mehr in Betrieb befindlichen Unternehmens.

Doch statt als Eigentümer das Grundstück nach seinen Vorstellungen nutzen zu können, musste er sich in der Vergangenheit Fragen der Polizei nach immer wieder dort abgelegten Altreifen gefallen lassen. Fastenrath beteuert, dass seine Reifen immer rechtmäßig entsorgt worden seien. Doch Reifen würde er gerne auf das Grundstück bringen. Denn aus alter Zeit gibt es noch einen Verbindungsgang zwischen seiner Halle und dem Kellergeschoss der alten Fabrik. Hätte er das Grundstück kaufen können, hätte er in diese Richtung sein Lager, in dem er die Reifen seiner Kunden überwintern oder „übersommern“ lässt, ausdehnen können.

Aber auch für die anderen Etagen hatte der Unternehmer konkrete Pläne. Die bestehenden Wohnungen wollte er für neue Mieter herrichten – und in den Hallen im Erdgeschoss sollten Wohnmobilstellplätze und weiterer Lagerraum entstehen. Selbst für einen Teil des Daches hatte der Halveraner Pläne. Auf dem Pultdach des Gebäudeteils, der direkt an der Volme steht, wollte er eine Fotovoltaikanlage installieren – so, wie er es auf seiner Halle bereits getan hat.

Der neue Eigentümer hat die Anlage mittlerweile mit Bauzäunen gesichert.


„Dann noch das Dach vorne neu decken – und die Wand in Richtung Straße mit neuem Trapezblech verkleiden, das alles hätte das Gebäude in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen“, erzählt Fastenrath. Zusätzlich wollte er eine Giebelwand mit Werbung für die eigene Flüssiggastankstelle „verzieren“, um den Verkauf der 2018 in Betrieb gegangenen Anlage noch weiter zu fördern.

Doch aus all diesen Plänen wird nichts. Nach Angaben von Fastenrath sei der Kaufvertrag bereits unterschriftsreif gewesen. Doch der Verkäufer habe lediglich dann unterschreiben wollen, wenn ihm Schulden, die er noch bei der Stadt Kierspe hatte, erlassen würden.

Doch diese Schulden können es wohl letztlich nicht gewesen sein, die einen Verkauf verhinderten. Im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung sagte Bürgermeister Frank Emde, dass bereits im Juni ein Eigentümerwechsel stattgefunden habe. Im Rahmen dieses Verkaufs sei es der Stadt auch gelungen, die Schulden, die im Grundbuch eingestragen waren, zu einem Großteil „einzubringen“

Emde erklärte in dem Gespräch mit der MZ auch, dass eine kommunale Verwaltung nur innerhalb eng umrissener Grenzen Schulen erlassen könne. „Das ist im Gesetz geregelt, unserer Meinung lagen die dort genannten Gründe bei den Verkaufsabsichten nicht vor“, so Emde.

Letztlich werden es also wohl kaufmännische Gründe gewesen sein, die den früheren Eigentümer dazu veranlassten an den jetzigen Käufer zu veräußern. Emde jedenfalls ist „optimistisch, dass sich der jetzige Zustand auch bald bessert.“

Im Innenhof stapelt sich der Müll – und in den Hallen finden sich riesige Mengen illegal entsorgten Bauschutts.


Anzeichen dafür gibt es. So hat der neue Besitzer das Grundstück mit Bauzäunen gesichert und spricht über Schilder ein Betretungsverbot aus. Damit sollen weitere Einbrüche – die im ersten Halbjahr vermehrt stattfanden – und das Abladen weiteren Schutts wohl verhindert werden.

Doch die Müllberge im Inneren und der Haufen mit hunderten Reifen neben der Zufahrt beschäftigen mittlerweile auch den Märkischen Kreis, dessen Umweltamt von Anwohnern eingeschaltet wurde.

Kreispressesprecher Hendrik Klein teilte auf Anfrage mit, dass ein Verfahren eingeleitet sei. Derzeit habe man eine Anfrage ans Amtsgericht gestellt, um zu erfahren, wer der derzeitige Eigentümer sei.

Die Vorgeschichte: 

Das Gebäude zwischen Volme und B54 war auch in der Vergangenheit immer mal wieder Thema. So rückten Mitarbeiter des Bauhofes 2015 aus, um den Mülle und die Reifen, die damals dort abgekippt waren, aufzusammeln, um das Gelände für das „Autofreie Volmetal“ in einen akzeptablen Zustand zu versetzen. Auch wurde damals ein Trapezblech der Frontverkleidung entfernt, weil von diesem eine Unfallgefahr ausging. Zur Geschichte des Gebäudes teilt ein Nachbar, der nicht genannt werden möchte mit, dass dort früher eine Gabelfabrik untergebracht gewesen sei. Nach dem zweiten Weltkrieg habe sich dort ein Unternehmer mit einer Spritzgießerei versucht, die aber vor rund 15 Jahren den Betrieb eingestellt habe.

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