Beim Waldbrand kommt jahrzehntealte aber verlässliche Technik zum Einsatz

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Aus dem Dach des Unimogs heraus kann der Brand bekämpft werden. Für Silas Schumacher ist das an diesem Tag zum Glück nur eine kleine Übung.

Kierspe - Die Technik ist alt, aber wirkungsvoll. Um bei einem Waldbrand schnell vor Ort sein zu können, setzt die Kiersper Feuerwehr auf jahrzehntealte Fahrzeuge, die extrem geländegängig sind und Löschwasser mitführen. Aber auch durch die regelmäßige Kontrolle der Waldwege bereitet sich die Wehr auf Einsätze jenseits des bewohnten Gebietes vor.

Es liegt nicht an Helge Schumacher, dass der Wagen nicht so recht in Schwung kommen will. Sein Fuß hat das Gaspedal bis aufs Bodenblech gedrückt, doch die Tachonadel klettert nur mit Mühe über die 60er-Markierung. „Wenn er warm ist, dann sind auch knapp 90 drin“, erklärt der Feuerwehrmann. Er, das ist ein Unimog, Baujahr 1985. Der Wagen wurde damals von einem Spezialausrüster zu einem Tanklöschfahrzeug ausgebaut – und versieht seinen Dienst bei der Löschgruppe Neuenhaus. Und die Wehrleute dieser Einheit möchten auf ihr betagtes Gefährt nicht verzichten. Schumacher: „Der Wagen ist enorm geländegängig und viel schmaler als moderne Fahrzeuge. Mit dem kommen wir nahezu überall hin.“ Derzeit bekommt das alte Schätzchen neue Kotflügel. Denn auch bei guter Pflege nagt der Zahn der Zeit an dem Wagen.

Jetzt, wo es draußen heiß ist und die Waldbrandgefahr hoch, wird die Besatzung dieses Wagens bei dem Verdacht auf einen Brand im Wald immer gleichzeitig mit der Besatzung des Unimogs alarmiert, der seinen Standort beim Löschzug 1 an der Wehestraße hat. Der Wagen im Stadtinneren ist allerdings mit seinen „erst“ 26 Jahren deutlich jünger.

In einer Stadt, deren Fläche fast zur Hälfte (47,9 Prozent) mit Wald bewachsen ist, kommt der Vorbereitung auf einen Waldbrand besondere Bedeutung zu. Spricht man mit altgedienten Wehrleuten oder Forstbeamten, kann sich keiner von ihnen an einen Waldbrand mit sogenanntem Kronenfeuer – bei dem die Bäume komplett im Feuer standen – erinnern. Aber jeder hat Erinnerungen an die kleineren Brände, die durch Unachtsamkeit von Grillfreunden, Rauchern, aber auch Waldarbeitern ausgelöst wurden.

Das schnelle Eingreifen der Wehrleute konnte bislang immer Schlimmeres verhindern.

Genauso wie die Straßen der Stadt, die einmal jährlich von der Wehr abgefahren werden, um festzustellen, ob es Engstellen gibt, werden auch die Waldwege möglichst einmal jährlich kontrolliert, „vor allem im Bereich Arney, Wienhagen, Jubach und in Richtung Berkenbaum, eben überall dort, wo besonders viele Menschen unterwegs sind“, berichtet Wehrleiter Georg Würth.

Darüber hinaus gebe es regelmäßige Gespräche mit den Revierförstern, die mitteilten, wo Wege instandgesetzt werden. „Umgekehrt informieren wir die Förster aber auch über Engstellen, die dringend freigeschnitten werden müssen“, sagt Würth. Meist würde die Situation dann schnell geändert, vorausgesetzt der Eigentümer des Waldes lebt vor Ort. „Ansonsten kann der Förster anordnen, dass das Wegeprofil freigeschnitten wird. Das machen wir dann auch schon mal selbst, meist im Rahmen der Motorsägenausbildung“, so Würth.

Lobend erwähnt er dabei den Wupperverband, der auf seinen Waldflächen rund um die Talsperre immer für freie Fahrt der Einsatzfahrzeuge sorgen würde.

Ín der Vergangenheit – hier im Jahr 2002 – musste die Kiersper Wehr immer mal wieder kleinere Waldbrände löschen. Bis jetzt hat das auch immer noch rechtzeitig und gut funktioniert.


Ansonsten setzt Würth auch auf die Geländegängigkeit der eigenen Fahrzeuge. So verfügen alle Feuerwehrfahrzeuge, die bei einem solchen Brand benötigt würden, über eine erhöhte Bodenfreiheit und Allradantrieb – und gelten somit als geländefähig. Allerdings bleiben die Wagen weit hinter den Möglichkeiten der beiden Unimogs zurück, die aufgrund ihrer Bauart auch dann noch durchs Gelände führen, wenn für alle anderen Schluss sei, wie Würth erzählt. „Wenn die beiden Wagen vor Ort sind, stehen schon mal mehr als 4000 Liter Wasser für einen ersten Löschangriff zur Verfügung“, sagt der Wehrleiter.

Bei der praktischen Vorführung des Wagens aus Neuenhaus zeigen Helge und Silas Schumacher auch gleich, wie mit den Wagen gearbeitet werden kann. Denn für den Einsatzfall ist ein Schlauch samt Strahlrohr auf dem Fahrzeug montiert. Durch eine Luke im Dach des Fahrzeuges kann dann während der Fahrt gegen einen Brand vorgegangen werden.

Entwickelt wurden die Fahrzeuge im Auftrag des Bundes Ende der 1970er-Jahre. Damals war es zu einem großen Waldbrand in Niedersachsen gekommen. Aus den Erfahrungen, die dabei gewonnen wurden, entstammt die Konstruktion und Ausrüstung der hochgeländegängigen Wagen. Ein weiterer Vorteil der Fahrzeuge ist das geringe Gewicht. Denn mit rund acht Tonnen haben die beiden einen weiteren Vorteil gegenüber ihren rollenden Kameraden, die zwar mehr Ausrüstung und Löschwasser mit sich führen – aber auch 16 Tonnen auf die Straße, beziehungsweise Wege bringen.

Und wenn es mal nicht bis zur Einsatzstelle reicht, dann gibt es immer noch die Möglichkeit, Schläuche zu verlegen. Würth: „Irgendwann muss man aussteigen. Doch es ist besser, man muss die Schläuche nur noch 50 Meter weit tragen und nicht 300 Meter.“

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