Allianz-Gebetswoche: Austausch, Anstoß, Impuls

Über den Ausbruch aus dem Alltag, grenzenlosen Alltag, Enttäuschung im Alltag und Versöhnung im Alltag kamen die jungen Christen am Freitagabend miteinander ins Gespräch. - Fotos: Jakob Salzmann

Kierspe -  Die Allianz-Gebetswoche ist vorüber. Mit einem Begegnungsnachmittag endete die Veranstaltungsreihe, die unter dem Motto „Willkommen zu Hause“ stand, am Sonntag in der Freien evangelischen Gemeinde. Zuvor hatten die Organisatoren der Gebetswoche zu einem Frauenfrühstück am Samstag und zu einem Jugendabend am Freitag eingeladen.

Anhand des Gleichnisses vom „verlorenen Sohn“ beschäftigten sich junge Christen am Freitagabend im Jugendtreff „Bahnhof 3und90“ mit Vergebung und Familienbeziehungen. Im Rahmen der Allianzgebetswoche fand der von den Jugendreferenten Andrea Bahr (evangelische Kirchengemeinde) und Tim Rosenthal (FeG) organisierte und durchgeführte Jugendgebetsabend statt. In die Vorbereitung der Veranstaltung war überdies Theo Krumm (Landeskirchliche Gemeinschaft Vollme) eingebunden.

Von verschiedenen Seiten näherten sich die Jugendlichen dem Thema an. Musikalisch stimmte eine junge Band aus den Gemeinden, die sich eigens für den Abend zusammengefunden hatte, auf die biblische Botschaft ein. Mit Songs wie „Wohin sonst“, „Mighty to save“ oder „Blessed be your name“ schlossen Marvin Strangfeld (Bass), Anna-Marie Lebershausen (Klavier), Lukas Fröhlich (Cajon), Lukas Rehorn (Gesang) und Tim Rosenthal (Gitarre) die Jugendlichen in Lobpreis und Anbetung ein. Aktive Mitarbeit der jungen Besucher, die sich trotz widriger Wetterverhältnisse im „Bahnhof 3und90“ eingefunden hatten, war bei einer Massenpantomime gefragt. Gleichsam zur Auflockerung galt es, Begriffe, die im weitesten Sinn mit Familie zu tun hatten, zu erraten.

Fehlverhalten zur Sprache bringen

Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Gleichnis in Kleingruppen bot das von der evangelischen Allianz zur Verfügung gestellte Video über den „verlorenen Sohn“, in dem zwei Jugendliche in die Rollen von Vater und Sohn schlüpften – und die Geschichte jeweils aus ihrer Perspektive schilderten. Vertiefend ging es in den Tischgruppen um verschiedene Aspekte des Gleichnisses. Über den Ausbruch aus dem Alltag, grenzenlosen Alltag, Enttäuschung im Alltag und Versöhnung im Alltag kamen die jungen Christen miteinander ins Gespräch. Jeweils vier Fragen zu sich selbst, Eltern, Geschwistern und Gott galt es zu beantworten. „Was wünschen sich deine Eltern für dich?“ und „Was für Werte sind Gott wichtig?“ hießen beispielsweise Fragen, die den grenzenlosen Alltag beleuchteten.

Leitfaden fruchtbarer Gespräche, die sich ergaben, waren die Fragen auf großen Papierbögen, die auf den Tischen auslagen. Mit einem kurzen Impuls zum Thema Vergebung, speziell auf den familiären Bereich zugeschnitten, rundete Andrea Bahr den Abend. Als Schlüsselmoment im Gleichnis sprach sie den Augenblick, in dem der Sohn einsieht, dass er zur Familie zurückkehren muss, an. Es sei schwer, eine Entschuldigung über die Lippen zu bringen – für Kinder wie für Eltern. Wichtig sei, Fehlverhalten zur Sprache zu bringen und Vergebung anzunehmen. „Es ist eindrucksvoll, wie sich der Vater freut.“ Gott möchte helfen, so die Jugendreferentin.

Frauenfrühstück im Lutherhaus

„Hat mein persönliches Gottesbild auch etwas mit dem Verhalten meines leiblichen Vaters zu tun? Kann ich an einen liebenden Gott glauben, wenn mein Vater vielleicht jähzornig und ungerecht war?“ Auf sehr persönliche Weise beschäftigten sich Christinnen aus verschiedenen Gemeinden am Samstag beim Frauenfrühstück im Rahmen der Allianzgebetswoche mit dem Wesen Gottes und dem eigenen Gottesbild. „Gott, mein barmherziger Vater“ war der Vormittag im Lutherhaus überschrieben. Nach einem ausgiebigen Frühstück, das die Frauen in lockerer, entspannter Atmosphäre genossen, gab Jutta Czastrau – Fachreferentin für Erziehungs- und Familienfragen – ihren Zuhörerinnen wertvolle Impulse zum Überdenken des eigenen Gottesbildes an die Hand. Trotz Schneefall und Glätte war das Frauenfrühstück zum Abschluss der Allianzgebetswoche, das Ulla Reyher eröffnete, gut besucht.

Gleichnis vom verlorenen Sohn

Ausgangspunkt von Jutta Czastraus Betrachtungen, die sich an den „Zeugnistag“ – eine Eltern-Kind-Geschichte von Reinhard Mey – anschlossen, war Lukas 15, 20. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn heißt es darin: „Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Grenzenlose Freude über die Rückkehr des in der Fremde gescheiterten Sohnes drücken die Worte des Vaters aus. „Oft werden die eigenen Vater-Erfahrungen auf Gott übertragen und hindern uns, ihm ganz zu vertrauen“, so die Referentin.

Mit persönlichen, liebevollen Erinnerungen an ihren eigenen Vater reicherte die Kiersperin ihre Ausführungen an. „Wer das Leben Jesu betrachtet, sieht das Vaterherz Gottes in Person – denn der Sohn Gottes ist ganz der Vater“, erklärte Jutta Czastrau. Mit einer Geschichte aus dem Buch „Nicht wie bei Räubers – Vierzehn Abenteuer für große und kleine Leute“ von Ursula Marc festigte die Kiersperin ihre Ausführungen.

Bei Liedern wie „Wir sind hier zusammen in Jesu Namen“ und „Vater, deine Liebe“ begleitete Verena Gesenberg die Frauen am Klavier. Als bleibende Erinnerung an das Allianz-Frühstück nahmen die Besucherinnen abschließend einen Segensspruch von Hanns Dieter Hüsch und einen Text über die „Zärtlichkeit Gottes“, festgemacht am berühmten Rembrandt-Bild von der „Heimkehr des verlorenen Sohnes“, mit nach Hause.

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