Grippewelle bewegt sich weiter auf hohen Niveau

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Guido Kussek hat bis in den Januar hinein gegen Grippe geimpft. Die meisten jetzt Erkrankten hätten keinen Impfschutz. Derzeit hält die Grippewelle den Mediziner ganz schön in Atem.

KIERSPE ▪ Die Grippewelle bewege sich vor Ort noch immer auf einem hohen Niveau, der Höhepunkt sei nicht überschritten. Daran lässt der Allgemeinmediziner Guido Kussek keinen Zweifel.

Zusammen mit seinem Kollegen Dr. Frank Hawlina behandelte er allein am Montag in seiner Praxis rund 180 Patienten. Und eine Woche zuvor seien es genauso viele gewesen. „Natürlich handelte es sich dabei nicht ausschließlich um Influenzafälle und grippale Infekte – aber doch zu einem Großteil“, bemerkt Kussek in seinem Fazit. An beiden Tagen waren die zwei Ärzte abends selbst völlig erschöpft. Und dann erfasste die Grippewelle auch noch das Praxisteam, so dass in der vergangenen Woche an zwei Tagen geschlossen war.

Seit Anfang Februar, so erinnert sich der Allgemeinmediziner, beobachtete er einen signifikanten Anstieg bei den Erkrankungen. Es kamen immer mehr Patienten mit den klassischen Influenzasymptomen wie rote Augen, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen und starke Abgeschlagenheit. Betroffen waren junge sowie ältere Menschen gleichermaßen, wobei die Gefahren mit zunehmenden Alter wegen der sinkenden Immunabwehr erheblich zunehmen, wie Guido Kussek aufmerksam macht.

Es handele sich um eine Viruserkrankung, bei der in der Regel medikamentös erst einmal nur die Symptome bekämpft würden. So verschreibe er fiebersenkende Medikamente und Schmerzmittel. Wichtig sei für die Patienten besonders absolute Ruhe, viel schlafen und außerdem jede Menge trinken. „Der Körper braucht die Ruhe, um die Abwehrkräfte zu mobilisieren“, erklärt der Kiersper Arzt. Hilfreich könne zudem die Naturheilkunde sein: Vitamin C- und Zink-Präparate würden unterstützend wirken. In extrem schweren Fällen der Influenza könne das von der Vogelgrippe her bekannte Tamiflu verabreicht werden, wobei jedoch wegen der extremen Nebenwirkungen sorgfältig abzuwägen sei, ob dieses eingesetzt wird.

Antibiotika kommen erst bei einer Superinfektion zur Anwendung, wenn das Immunsystem sich als zu schwach herausstellt und parallel eine bakterielle Infektion, in der Regel erkennbar an eitrigem Auswurf, hinzukomme. „Vermehren die Bakterien sich unkontrolliert, besteht die Gefahr, dass es zu einer Lungenentzündung kommt“, warnt Kussek. Dann seien Antibiotika angezeigt, im schlimmsten Fall müsse sogar die Einlieferung ins Krankenhaus überlegt werden.

Zwar wird immer für die Grippeschutzimpfung geworben und auch der Medikamentenschrank in der Kiersper Arztpraxis war vor Beginn der Grippesaison mit etwa 800 Präparaten gefüllt, von denen die meisten jetzt weg sind. Doch aktuell wird nicht mehr geimpft. „Das wäre zu spät, denn es dauert zwei bis vier Wochen, bis der Impfschutz aufgebaut ist, und dann ist die Grippewelle vielleicht längst vorüber“, betont Guido Kussek. Außerdem könnte bei einer weiteren Welle der Erreger bereits mutiert sein.

Er hat noch bis Anfang Januar geimpft. Empfohlen werde dies für Menschen im Alter über 65 Jahre, bei Immunschwäche und ständigem Publikumsverkehrs. Schützen könne man sich derzeit, in dem Menschenansammlungen gemieden und häufig die Hände gewaschen oder desinfiziert würden.

Rolf Haase

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