Reiner Grafe: „Jetzt ist das Sauerland das gelobte Land“

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Reiner Grafe, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, sieht die Probleme, die er und seine Berufskollegen durch die fehlenden Niederschläge haben. Aber er sieht auch, dass andere Regionen stärker betroffen sind.

Kierspe - In Stade musste Trinkwasser mit dem Lkw gebracht werden, in Hessen sehen die Böden wie in Afrika aus – und im Sauerland? Auch hier machte die Trockenheit Landwirten und Nutztieren zu schaffen, doch längst nicht so, wie im Norden, Süden und Osten des Landes. „Wir sind alle aufgewachsen mit dem Wissen, dass es im Sauerland immer nur regnet und es woanders immer schöner ist. Doch das hat sich geändert.

Jetzt ist das Sauerland das gelobte Land – und der einzige Landstrich, der überhaupt noch hin und wieder ein bisschen Regen abbekommt“ erzählt Reiner Grafe, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Kierspe.

Hanglagen sind stark betroffen

Dem Berufslandwirt liegt es fern, die Situation im Sauerland zu verharmlosen, doch bei dem Blick in andere Regionen der Republik kommt er zu dem Schluss, „dass die anderen viel schlimmer dran sind.“ Aber er betont auch, dass im Sauerland derzeit auch nichts wachse.

Vor allem die Wiesen an Hanglagen seien je nach Ausrichtung regelrecht verbrannt. „Wenn wir zu viel Regen haben, haben wir schlechtes Futter. Aber wenn wir keinen Regen haben, haben wir gar kein Futter“, so Grafe. Das sei in einer Gegend, in der zu 80 Prozent auf Grünland gesetzt werde, nicht ohne. Allerdings wachse der Mais, der neben Getreide üblicherweise angebaut wird, gerade bei Hitze gut.

Vor allem bei einer ungünstigen Ausrichtung der Wiese an einer Hanglage, macht sich die Trockenheit schon sehr bemerkbar.

Bis vor einigen Jahrzehnten wuchs gerade diese Pflanze gar nicht in unseren Breiten. Grafe: „Als ich vor rund 40 Jahren in den Betrieb einstieg, gab es keinen Mais. Doch das hat sich geändert.“ Die konsequente Züchtung und Anpassung der Pflanze ermögliche heute sogar einen Anbau in Gegenden, die noch deutlich höher als Kierspe liegen würden.

Das besondere an der Pflanze sei, dass sie aufgrund der nahezu kompletten Beschattung des Bodens in der Lage sei, ihr eigenes – oder zumindest ein anderes – Klima zu schaffen. Bei der Gerste, die Grafe auf dem eigenen Hof anbaut, sei das anders. Da rechne er auch mit einem geringeren Ertrag. Gleiches gilt auch fürs Heu. Zweimal hat er auf seinem extensiv bewirtschafteten Hof bisher geerntet. „Der Ertrag war übersichtlich“, sagt der Landwirt, allerdings habe es gereicht, um einen kleinen Teil zum Kauf anzubieten.

Da habe sich bereits einiges am Preis getan. Der liegt aufgrund der Ausfälle in vielen Regionen deutlich höher als noch im vergangenen Jahr. „Vor allem im Osten wird Stroh und Heu gesucht, deshalb sind die Preise bereits jetzt um rund zehn Prozent gestiegen.“ Gleiches gelte auch für die Getreidepreise, wobei dort der Anstieg derzeit noch nicht so stark sei.

Regenfälle haben geholfen

Die Regenfälle, die in den vergangenen Wochen immer mal wieder das Sauerland erreichten, hätten den Pflanzen gut getan. Aber Grafe sagt auch, dass es immer dauere, bis sich der Regen auch auswirke – und natürlich müsse auch die Menge stimmen.

Doch es sind nicht nur die Pflanzen, die die Hitze zu spüren bekommen – auch die Tiere reagieren auf die hohen Temperaturen. „Die Kühe haben überhaupt keine Lust rauszugehen. Manche der älteren und erfahreneren Tiere bleiben auch gleich im Stall. Es ist ja nicht nur die Hitze, die ihnen zu schaffen macht, sondern auch die Fliegen und Mücken, die sich zu einer regelrechten Plage entwickelt haben“, erklärt der Landwirt.

Natürlich suchen die Bauern nach Möglichkeiten, es ihren Tieren so erträglich wie möglich zu machen. So haben Grafes einen zusätzlichen Lüfter im Stall aufgestellt. Außerdem werden Mineralien und Salze stärker zugegeben. Auch wurden die Zeiten, die die Kühe auf der Weide verbringen, den Temperaturen angebracht.

Direkt nach dem Melken geht es raus – und spätestens gegen 13 oder 14 Uhr zurück in den Stall. Dass all das nicht ausreichend sein kann, erfuhren Grafes im vergangenen Jahr, als es im Spätsommer noch mal richtig warm wurde, ist eine Kuh am Hitzschlag gestorben, wie Grafe berichtet. 

Mehr als 100 Liter Wasser pro Tag

Am Wasserangebot auf der Weide kann das nicht gelegen haben. Mit einem großen Becken, das jede Nacht frisch aufgefüllt wird, steht den Tieren ausreichend Trinkwasser zur Verfügung – von dem sie gerade jetzt auch regen Gebrauch machen. „Allein in den Stunden, in den die Kühe auf der Weide sind, trinken sie rund 100 Liter – wohlgemerkt pro Tier. Bei kühlerem Wetter ist es ein Drittel“, sagt Grafe. Wieviel dann noch mal im Stall getrunken wird, kann er nicht sagen.

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