Renaissance der Sirene

+
Christian Schwanke und Christopher Eichert informieren über die Alarmmöglichkeiten, die die Sirenen im Kiersper Stadtgebiet ermöglichen.

Kierspe - Immer dann, wenn alle Einsatzkräfte der Feuerwehr gebraucht werden – oder die Einwohner gewarnt werden sollen, ertönt die Sirene. Das tut sie auch seit wenigen Jahren wieder in Kierspe. Doch das Signal, das über viele Jahre in der Volmestadt verstummt war, löst bei manchem Kiersper Verwunderung aus, wie die Wehrleute den Anfragen entnehmen, die ihnen gestellt wurden. Es war wohl das hörbarste Zeichen des Kalten Krieges.

Zweimal im Jahr – immer an einem Mittwoch im März und September – gab es über Jahrzehnte einen Probealarm, bei dem alle verfügbaren Signale nacheinander ausgelöst wurden. Beendet wurde diese Übung immer mit „Entwarnung“. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Einführung moderner und zuverlässiger Alarmierungsmethoden über Meldempfänger verstummten die Sirenen nach und nach.

Doch die Bedenken, die Menschen in der eigenen Kommune nicht schnell informieren zu können, blieben. So wird seit einigen Jahren das alte „Sirenen-Netz“ wieder in Betrieb genommen – und zum Teil durch neue Anlagen ergänzt. Das ist auch in Kierspe nicht anders.

Auf der Pestalozzischule steht die Einheitssirene E 57. Auch diese kann im Katastrophenfall oder bei Feueralarm von der Kreisleitstelle ausgelöst werden.

Während an vielen Stellen die alten Sirenen, die als „Deutsche Einheitssirene E 57“ bekannt sind, auf neue Steuerungstechnik umgerüstet wurden, stehen an einigen Standorten ganz neue „Alarmanlagen“, die nicht mehr über die alte Pilzform verfügen, sondern eher an Mobilfunksendestationen erinnern. Als Anfang Januar ein Zug mit einem Auto bei Sankel kollidierte und vor rund zwei Wochen ein Wohnmobil im Carport brannte und das Feuer auf umliegende Gebäude überzugreifen drohte, gab es auch in Kierspe wieder Sirenenalarm.

„Immer dann, wenn alle Einheiten der Stadt benötigt werden, wird auch die Sirene eingesetzt“, erklärt Christopher Eichert von der Kiersper Wehr. Das habe den Vorteil, dass auch alle die erreicht würden, die ihren Meldeempfänger gerade nicht dabei hätten oder gerade einmal keinen Empfang hätten. Der Nachteil dieser Alarmierung sei jedoch, dass viel mehr Schaulustige sich aufmachten, um sich den Brand oder großen Unfall anzuschauen, ergänzt Christian Schwanke.

Doch verzichten möchten die beiden Wehrleute nicht auf das Alarmierungsmittel, gibt es doch den zuständigen Stellen die Möglichkeit, auch die Einwohner zu warnen. Das geschieht über einen einminütigen auf- und abschwellenden Dauerton.

Eichert: „Wenn dieses Signal ertönt, sollten alle Menschen umgehend in ein Gebäude gehen, die Fenster und Türen schließen und das Radio sowie das Fernsehen einschalten.“ In Kierspe gebe es dann Informationen von WDR 2 (93,5 Mhz) oder Radio MK (100,2 Mhz).

„Wichtig ist auch, dass die Menschen dann den Notruf auch wirklich nur in einem Notfall wählen und nicht, um sich über die Gefahr zu informieren“, sagt Schwanke. Ist die Gefahrenlage, die beispielsweise durch einen Chemieunfall entstehen kann, vorüber, ertönt ein einminütiger Dauerton als „Entwarnung“. Dieses Signal, das das Ende einer Gefahrensituation mitteilt, gibt es bei einem Feueralarm nicht.

Eine der Sirenen in Kierspe steht auf dem Dach der Pestalozzigrundschule am Haunerbusch.

Die Alarmierung ertönt dann durch einen Dauerton von drei Mal 15 Sekunden, der zwei Unterbrechungen mit einer Länge von jeweils sieben Sekunden hat. Noch bis in die 1990er-Jahre hinein gab es mehr als diese drei Signale, damals wurde auch noch Luftalarm „gegeben“ und der sogenannte ABC-Alarm, der vor atomaren, biologischen oder chemischen Bedrohungen warnen sollte.

Diese Informationen soll nun das Radio liefern. In Kierspe gibt es derzeit kein flächendeckendes, aber nach Angaben der Feuerwehr ein dichtes Netz an Sirenen. Ausgelöst werden diese ausschließlich von der Kreisleitstelle – bis auf eine Ausnahme. „Im Gerätehaus Neuenhaus gibt es auf dem Dach noch eine E 57, die ausschließlich von Hand und im Gerätehaus gestartet werden kann“, führt Eichert aus.

Die Warnanlagen befinden sich im Eigentum der Stadt, die diese in den 1990er-Jahren vom Bund für einen symbolischen Betrag übernommen hat. Zu hören sind die Sirenen übrigens regelmäßig. Jeden Samstag ertönt zwischen 12 und 12.30 Uhr ein kurzes Signal, das aber nicht mit dem klassischen Probealarm in früheren Jahren verglichen werden kann. Denn damals gab es neben dem Test der Anlagen im März und September auch immer samstags um 12 Uhr einen langen Dauerton.

Alternativen

Natürlich gibt es auch noch weitere Warnmöglichkeiten. Immer wieder gab es Versuche, das Mobilfunknetz oder auch das Festnetz zu nutzen. Doch entweder waren diese Möglichkeiten viel zu aufwendig oder das Netz hielt dem Ansturm beim Versenden der SMS nicht stand. Nach einer Studie des Bundes würde es nahezu 24 Stunden dauern, bis alle SMS die Menschen in Deutschland erreicht hätten. Viel schneller gelingt da die Alarmierung über eine installierte App. Vor allem NINA bietet sich da an – und wird auch mittlerweile von allen Bundesländern genutzt. Die App, die kostenlos auf Android und Apple-Geräten installiert werden kann, wird beispielsweise genutzt, wenn Gefahrstoffe freigesetzt wurden, von einem Großbrand Gefahren ausgehen, aber auch bei Wetterwarnungen und Hochwasserlagen kann NINA aktiviert werden.

Die Reichweite

Die in Deutschland verwendete Einheitssirene E 57 ist noch in einer Entfernung von rund drei bis fünf Kilometern zu hören, je nachdem ob der Schall mit dem Wind getragen wird oder sich gegen diesen durchsetzen muss. In dicht besiedelten Gebieten mit hoher Bebauung nimmt die Reichweite allerdings ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare