Rönsahler Bürger bringen Ideen ein

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Gruppenarbeit der Rönsahler – auf dem Tisch passend dazu der Dorfplan: Aktiv beteiligten sich die rund 60 Teilnehmer der Informations- und Bürgerversammlung zum neuen Dorfinnenentwicklungskonzept in der Historischen Brennerei.

Rönsahl - Bürger planen für Bürger – ein Idealfall, der im Grenzdorf jetzt in die Realität umgesetzt wird. Den Einstieg in das neue Dorfinnenentwicklungskonzept bildete am Montagabend die Informations- und Bürgerversammlung in der Historischen Brennerei.

Über 60 Gäste brachten sich an diesem Abend aktiv in das Projekt mit ein. Begrüßt wurden sie von Bürgermeister Frank Emde. Der erinnerte an den veralteten Plan aus den 1990er Jahren und die im Rahmen des Dorfwettbewerbs dringend geforderte Neuauflage. Auf Vorschlag Emdes kümmerten sich Rat und Verwaltung um Fördermittel. Die praktische Durchführung des Projekts übernehmen jetzt zwei Fachbüros mit den Städteplanerinnen Susanne Neumann, Christine Loth und Alexandra Franck. Sie erläuterten den Ablauf des Verfahrens. 

Die Stadtplanerinnen Susanne Neumann, Alexandra Franck und Christine Loth (von links) mit Dorfbürgermeister Holger Scheel.

Ziel ist laut Vortrag von Susanne Neumann der Erhalt und die Aufwertung des Dorfinnenbereichs durch die Weiterentwicklung der gewachsenen Strukturen und Angebote sowie durch den Abbau von Entwicklungsdefiziten. Dafür haben die Planerinnen den Ist-Zustand erfasst. Das Resultat war erfreulich. Ein großes Plus ist die gute Gemeinschaft im Dorf, die von vielen Vereinen und engagierten Gruppen getragen wird. Es gibt Arbeitsplätze vor Ort, deren Zahl durch die Ausweisung der neuen Gewerbefläche weiter ansteigen dürfte. Die Grundversorgung ist mit Kindergarten, Grundschule, Geschäften für den täglichen Bedarf, zwei Bankfilialen, Poststelle und Hausarzt noch gesichert. Die Voraussetzungen für Freizeit, Naherholung und Tourismus sind dank der schönen Landschaft gut. 

Diese Angebote sollen jetzt ausgebaut und ergänzt werden, um das positive Gesamtbild des Dorfes für die Zukunft zu sichern. Es gelte auch, die Förderbereiche abzugrenzen und die Zuschussmöglichkeiten aufzuzeigen, erklärte Christine Loth. Die Stadtplanerinnen setzten anschließend mit den Themen Nahversorgung/Mobilität, Dorfentwicklung, Naherholung/Tourismus, Wirtschaft und kulturelles Leben fünf Schwerpunkte, denen sich die Bürger dann in einer Gruppenarbeitsphase intensiv widmeten. 

Bei der Auswertung sorgte das leer stehende Hotel Zur Leye im Ortskern für den meisten Gesprächsstoff. „Renovieren, abreißen und einen Dorfplatz schaffen, oder einen Neubau erstellen“: Die Vorschläge – auch zur weiteren Nutzung – waren vielfältig. Das Thema wies auf ein weiteres Defizit. Es fehlt nach Schließung des letzten Gasthofs ein Treffpunkt. Die Gastronomie wird – auch mit Blick auf touristische Ansprüche – mit nur noch einer Pizzeria und fehlenden Fremdenzimmern als unbefriedigend eingeschätzt. 

Aktive des Löschzugs Rönsahl sorgten sich um die Schlagkraft der Wehr und warben für den Eintritt von Quereinsteigern.

Weitere Vorschläge waren die Wiedereinführung eines Wochenmarktes, die Reaktvierung der Landjugendgruppe und eine engere Anbindung an den Oberbergischen Raum. Als ein touristisches Alleinstellungsmerkmal könnten sich einige Bürger das Thema „Pulverindustrie“ vorstellen. Schade sei aber, dass nach der Gebietsreform entscheidende Stätten dieser alten Industrie nicht mehr auf Rönsahler Gebiet liegen. Eine Bürgerin trat für die Schaffung eines Netzwerks von örtlichen Handwerkern und Einzelhändlern ein. Es gelte, Kaufkraft zu binden. Als katastrophal wurde der Zustand des öffentlichen Nahverkehrs beschrieben und daher die Schaffung einer Mitfahrzentrale vorgeschlagen. Vereinsvertreter, so wurde deutlich, sorgen sich um den Nachwuchs. So warben zwei Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr, Löschzug Rönsahl, dringend um Quereinsteiger.

Mit Blick auf die bauliche Struktur wurde auf Leerstände verwiesen. Außerdem seien zu viele Flächen im Dorfkern versiegelt und es mangele an der Barrierefreiheit. Junge Familien schätzen zwar die Spielflächen im Dorf; es fehle dort aber an Spielmöglichkeiten für die ganz kleinen Kinder. „Sie haben uns mit den vielen Vorschlägen eine anspruchsvolle Hausaufgabe gegeben. Wir filtern die Ideen jetzt und entwickeln daraus Leitprojekte“, erläuterte Susanne Neumann am Ende das weitere Vorgehen.

Dorfabend und Rundgang

Die öffentliche Anhörung der Bürger wird schon am Samstag, 30. September, mit dem Dorfrundgang in Kleingruppen samt anschließender Zukunftswerkstatt fortgesetzt. Treffpunkt für Jung und Alt ist um 14 Uhr an der Historischen Brennerei. Aktuell können alle Rönsahler den am Montagabend verteilten Fragebogen zum Dorfinnenentwicklungskonzept ausfüllen und in Regina’s Laden oder in der Volksbankfiliale abgeben. Dort liegen weitere Exemplare des Fragebogens aus. Es gibt ihn zudem zum Herunterladen unter www.kierspe.de. Abgabeschluss ist Mittwoch, 27. September. Weiter geht es mit einem Projekttag, der Vorstellung der Zwischenergebnisse im kommenden Frühjahr und einer weiteren Bürgerversammlung. Ab Sommer 2018 sollen erste Projekte konkret werden. Fördermittel dafür stehen voraussichtlich bis zum Jahr 2020 zur Verfügung.

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