Aktionstag lockt sogar Besucher aus Niederlanden

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Karin Derksen ließ Emmy Kralt und Ge Vissen aus Leiden in den Niederlanden sowie Rolf Kalettka aus Kierspe einen Blick in den Backofen auf die 70 darin backenden Brote werfen.

KIERSPE ▪ Neun denkmalgeschützte Häuser oder Kirchen waren am Sonntag in Kierspe zu besichtigen – und damit mehr als in den meisten umliegenden Orten.

So war es nicht verwunderlich, dass viele Besucher von außerhalb sich die Volmestadt als Ausflugsziel ausgesucht hatten. Die weiteste Anreise dürften Emmy Kralt und Ge Vissen aus Leiden in den Niederlanden gehabt haben. Beide hatten vor 40 Jahren den Kiersper Rolf Kalettka aus Kierspe bei einem Urlaub kennen gelernt und pflegen seither einen freundschaftlichen Kontakt. Rolf Kalettka hatte den beiden Urlaubsbekanntschaften dann auch vom Tag des offenen Denkmals erzählt und beide auf die hiesigen Sehenswürdigkeiten neugierig gemacht, so dass sie in diesem Jahr Kierspe besuchten.

Gestaunt haben die Niederländer schon auf ihrer ersten Station, der Rhader Mühle. Hier ließen sie sich von Karin Derksen den alten Backofen genau erklären. Gemeinsam schauten sie durch ein kleines Rohr in die Bratröhre hinein und sahen dort 70 Brote, die gerade ihre goldbraune Farbe bekamen und eine knusprige Kruste erhielten. 22,5 Kilogramm Mehl verarbeiteten Karin Derksen und ihre Helfer Annette Zacharias, Markus Hoppe, Helga Stahl und Horst-Dieter Hülter am vergangenen Wochenende.

Für das Stadtfest hatten sie am Samstag schon 144 Brote gebacken und für den Tag des offenen Denkmals noch einmal 174. Langes Ausschlafen war an diesen beiden Tagen für die fünf Bäcker darum nicht möglich. Schon morgens um sechs Uhr mussten die ersten Arbeiten erledigt werden: Der Ofen wurde angeheizt und die Rührmaschine bekam 22,5 Kilogramm Mehl zugeführt, um sie zu verarbeiten. „Seit ich das Brot selbst backe, schmeckt mir kein gekauftes mehr“, gestand Karin Derksen. „Unser Brot ist einfach anders. Das beginnt schon bei den Zutaten. Wir nehmen Biovollkornmehl, Hefe, Salz und Wasser. Mehr kommt bei uns nicht hinein. Unser Brot schmeckt mehr nach Getreide und nicht wie das vom Bäcker, nach Salz und Körnern.“

Die Bewohner des Reidemeisterhauses konnten an diesem Sonntag jedoch etwas länger schlafen. Aber für 11 Uhr erwarteten auch sie die ersten Besucher. „Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“ war das Thema des Tag des offenen Denkmals. Diverse Reisebegleiter, ein Weltatlas oder eine kleine Goldreisewaage lagen auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet und erzählten von fernen Ländern. „Mein Großonkel Emil Voswinkel bereiste seit seinem 17. Lebensjahr die Welt“, informierte Erich Voswinkel die Besucher. Ein Album mit gemalten Postkarten zeigte die Stationen seiner Reisen, die Istanbul, Ägypten mit seinem Pyramiden oder Lappland waren. Fotos wurden damals noch nicht gemacht, denn Emil Voswinkel lebte von 1853 bis 1942. Großes Interesse erweckte auch im Wohnzimmer ein Spiegelschrank, eingelassen in die Mauer des Hauses. In ihm verwahren die Voswinkels Weingläser, Römer und andere Trinkgläser auf.

Im Schleiper Hammer war es an diesem Sonntag ruhig. „Viele Kiersper werden heute eher auf dem Stadtfest sein, als zu uns zu kommen“, war die einhellige Meinung der freiwilligen Helfer des Heimatvereins. Verstehen konnten sie nicht, dass das Stadtfest ausgerechnet am Wochenende des Denkmaltags gefeiert wird, der in jedem Jahr am zweiten Septembersonntag ist. Dennoch gab es auch hier interessierte Besucher, die sich im oberen Teil des Schleiper Hammers von Walter Probst zeigen ließen, wie die neue Bakelitdose für das Schanhollenmützchen gefertigt wird.

Ulrich Finke, Ortsheimatpfleger von Kierspe, hatte auch hier einige Gäste von außerhalb. Ein Ehepaar kam aus Hagen und fand Kierspe schon deshalb interessant, weil hier viele Häuser am Tag des Denkmals geöffnet waren. Sie hatten sich aus dem Internet ihre Sonntagsroute herausgesucht und begannen ihre Besichtigungstour im Bakelitmuseum im Alten Amtshaus. ▪ GeG

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