22, 16, 11: Feuerwehr in Vollme hat Nachwuchssorgen

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Die Spinde im Gerätehaus der Löschgruppe Vollme leeren sich. Gruppenführer Karsten Gembruch hofft, mit einer Werbeaktion in Bollwerk neue Leute begeistern zu können.

Kierspe - Mitgliederwerbung bei der Feuerwehr ist wie ein Wettlauf – ein Wettlauf gegen die Zeit, in diesem Fall Alter genannt, gegen andere zeitintensive Hobbys, gegen Vorbehalte von Arbeitgebern und manchmal auch gegen Familieninteressen. Das war auch in Vollme nie anders. Doch mittlerweile befürchtet der Löschgruppenführer Karsten Gembruch diesen Wettlauf zu verlieren.

Von Johannes Becker

Karsten Gembruch ist keiner von diesen alten Blut-Schweiß-und-Tränen-Einheitsführern, wie es sie früher auch bei der Feuerwehr gab. Er ist Familienvater, erfolgreich im Beruf, jung, dynamisch und technisch interessiert. Er setzt auf Motivation und eine gut ausgebildete Mannschaft, aber auch auf guten Zusammenhalt und das Einstehen für seine Mitmenschen. Doch wenn er sich die Zahlen in seiner Löschgruppe anschaut, dann zeigt er auch ein Stück weit Resignation. Vor eineinhalb Jahren hatte sein Zug noch 22 Aktive, mittlerweile sind es nur noch 16. Vier sind weggezogen, zwei aus Alters- beziehungsweise beruflichen Gründen ausgeschieden und fünf weitere haben bereits ihr Ausscheiden in diesem Jahr angekündigt. Auch diese haben nachvollziehbare Gründe. Sie müssen den Wohnort wechseln, erreichen ein Alter, in dem der aktive Dienst nicht mehr möglich ist oder haben persönliche Gründe, die nicht im Ehrenamt zu suchen sind. „Dann sind wir nur noch elf und damit eigentlich nicht mehr einsatzbereit“, beschreibt er die Situation – und weiter: „Wir sind Improvisation gewöhnt, aber alles hat seine Grenzen.“

Von den 400 Prozent Reserve bei der Mannschaftsstärke – die Wehrleiter Georg Würth für wünschenswert hält – kann bereits jetzt keine Rede mehr sein. Bei einer Mindestbesatzung von sechs Wehrleuten bei einem Alarm wären das bereits 24. 30 hält der Wehrleiter für erstrebenswert. Würth: „Gerade tagsüber, wenn viele in weiter Entfernung arbeiten, oder in der Urlaubszeit brauchen wir einfach die Leute.“

„In den vergangenen Jahren hat es auch immer funktioniert, neue Leute für die Feuerwehr zu begeistern und so die Lücken, die durch Alter oder Wegzug entstanden, zu füllen. Mittlerweile gelingt das nicht mehr“, so der Gruppenführer.

Würth unterstreicht die Dringlichkeit des Problems: „Wenn wir eines Tages im Volmetal keine Löschgruppe mehr hätten, wären Einsatzzeiten von weniger als zehn Minuten in diesem Bereich nicht mehr zu gewährleisten.“ Das Problem kennt der Wehrleiter auch aus anderen Zügen, wenn es dort auch nicht so drängend ist. Vor 25 Jahren habe die Kiersper Wehr noch 195 Aktive gehabt und einen Aufnahmestopp, heute seien es noch 147. „Früher traten pro Jahr rund ein bis zwei Ehrenamtliche aus Altersgründen aus, heute gehen zehn bis zwölf. Und neben den beiden, die aus Altergründen gehen, verlassen zehn die Einheit aus beruflichen Gründen.“

Als problematisch im Volmetal sieht Gembruch auch, dass aus Bollwerk, dem größten Außenbereich Kierspes nach Rönsahl, kein einziger Feuerwehrmann kommt. Deshalb wollen die Wehrleute bei dem Dorffest am 1. Mai dort eine Werbeaktion starten. So gibt es auf dem Dorfplatz eine Mitmachaktion, bei der ein Auto auseinandergeschnitten wird, am Klaus-Lamberti-Weg wird für den Leistungsnachweis geübt, außerdem stehen dort die Drehleiter aus Lüdenscheid und weitere Fahrzeuge von Kiersper Einheiten. „Schön ist auch, dass uns andere Züge an diesem Tag ihre Unterstützung zugesagt haben.“

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