„Aids ist in den Köpfen nicht mehr präsent“

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Kerstin Busse vom Jugendzentrum Rönsahl, Christian Schwanke vom Jugendzentrum Kierspe, Schulsozialarbeiter Michael Brück und Rudolf Mann vom Märkischen Kreis sprachen mit den Waffelkäufern über das Thema Aids.

KIERSPE ▪ „Das Thema Aids ist heute lange nicht mehr so präsent wie es das in den 80ern und 90ern war. Darum ist es auch nach und nach aus den Köpfen verschwunden“, erklärte Rudolf Mann. Und dies sei umso gefährlicher, da es mehr und mehr ungewollte Schwangerschaften bei jungen Mädchen gebe.

Rudolf Mann ist Aidsberater und Berater für sexuelle Gesundheit beim Gesundheitsamt des Märkischen Kreises. Jedes Jahr organisiert er zum Welt-Aids-Tag, dem 1. Dezember, zusammen mit den Kiersper und Rönsahler Jugendzentren sowie dem Schulsozialarbeiter eine Infoveranstaltung. In diesem Jahr verkauften Kerstin Busse, Christian Schwanke und Michael Brück im Rewe-XL-Markt Waffeln und versuchten gleichzeitig, die Kunden in ein Gespräch zu verwickeln und mit ihnen über das Thema Aids zu sprechen. Zudem gab es an dem Stand im Eingangsbereich noch ein Gewinnspiel, bei dem die Teilnehmer die Anzahl von Kondomen in einem Glas schätzen sollten.

Der Erlös aus dem Waffelverkauf kommt der Deutschen Aidsstiftung zugute, die HIV-Infizierten direkt oder über verschiedene Projekte hilft. Gleichzeitig leistet sie unbürokratische und schnelle Hilfe, denn Aidskranke leiden unter starken Vorurteilen und geraten schnell in materielle Not.

Die Aids-Woche begann bereits am vergangenen Wochenende mit der zweiten Kiersper Partynacht und wurde in dieser Woche mit mehreren Aktionen fortgeführt. Rudolf Mann besuchte an zwei Tagen etwa den Unterricht von Neuntklässlern der Gesamtschule. Um seine Aufklärung über die Immunschwächekrankheit jedoch authentisch und nachdrücklich zu gestalten, kam er in Begleitung eines an Aids Erkrankten, der aus seinem Leben berichtete. „Die Berührungspunkte sind einfach nicht mehr so gegeben wie in den 90er-Jahren. Sie können sich höchstens noch dunkel erinnern, dass mal ein Prominenter an Aids gestorben ist“, so Mann, der auf Freddie Mercury von der Gruppe Queen anspielte.

Einen Infostand habe es auch in den Pausen in der Gesamtschule sowie in den Jugendzentren gegeben. „Dabei haben sich oft interessante Diskussionen ergeben“, erklärte Christian Schwanke. Denn die Mehrzahl der Jugendlichen sei der Meinung, dass nur Schwule und Drogenabhängige gefährdet seien, sich mit HIV zu infizieren. Bei „normalem“ Sex sähen sie kein Risiko.

Hinzu kämen laut Schwanke oft unterschiedliche Einstellungen zum Thema Sexualität. So hätten manche Jugendzentrums-Besucher die Mitarbeiter auf das Schätzspiel mit einer großen Zahl an Kondomen im Glas angesprochen, ganz nach dem Motto: „Was ist denn, wenn die jüngeren Jugendlichen das sehen?“ ▪ isas

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