Besonderes Ehrenamt

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Adjuta Kraus hat nach zehn Jahren ihre Tätigkeit als Schiedsfrau beendet. Georg Witteler (rechts) macht noch fünf Jahre weiter. Dafür dankten den Beiden der Beigeordnete Olaf Stelse und der Mitarbeiter des Sachgebiets Ordnung Daniel Henke (links).

Nicht im Namen des Gesetzes, vielmehr im Namen des gesunden Menschenverstandes sollen Schiedsleute „urteilen“

Das haben Adjuta Kraus und Georg Witteler nach eigenem Bekunden auch immer getan. Witteler wird das weiter tun, für Adjuta Kraus ist im kommenden Monat Schluss.

Die Amtszeit des Schiedsmannes Georg Witteler endet in diesem Monat, die der Schiedsfrau Adjuta Kraus im März. Grund genug für den Beigeordneten Olaf Stelse und den – für die Schiedsleute zuständigen – Mitarbeiter des Sachgebiets Ordnung Daniel Henke, sich bei beiden zu bedanken. Die dritte Schiedsfrau, Liane Vedder-Proksch, befindet sich mitten in ihrer Wahlperiode.

Witteler hat sich entschieden, für weitere fünf Jahre zur Verfügung zu stehen: „Das ist meine Form des ehrenamtlichen Engagements. Das mache ich gerne.“ Und weiter: „In Rönsahl sind die Wege kurz und gut mit dem Fahrrad zu erreichen.“ Bereits vor gut einer Woche hat der Rat das Angebot von Witteler, noch weitere fünf Jahre zur Verfügung zu stehen, angenommen und ihn erneut gewählt.

Bei Adjuta Kraus hatten die Ratsmitglieder diese Wahl nicht, denn die Kiersperin will nach zwei Amtszeiten nicht mehr. „Ich bin jetzt älter als 70 Jahre und habe genügend Streitigkeiten mitbekommen. Außerdem habe ich bei Hand in Hand noch ein zweites Ehrenamt, das mich ausfüllt“, teilt sie mit. Sie räumt aber auch ein, dass das Amt der Schiedsfrau sie in den zurückliegenden Jahren nicht überfordert habe: „Ich hatte 26 Verhandlungen, von denen 14 mit einem Vergleich endeten, sieben Verfahren konnten nicht entschieden werden und sind wahrscheinlich vor Gericht gelandet, fünf weitere wurden im Rahmen eines Gesprächs zwischen den Parteien in meinem Beisein zurückgezogen.“

Dazu seien dann noch 33 sogenannte Tür- und Angelfälle gekommen, bei denen nur eine Seite das Gespräch gesucht habe – aber nie ein Verfahren eröffnet wurde. „Aber alles, was ich auf den Tisch bekam, waren Nachbarschaftsstreitigkeiten“, erzählt Kraus. Verhandelt hat sie übrigens immer im Rathaus. „Das war neutraler“, erklärt sie. Bei Witteler sitzen die streitenden Parteien im eigenen Arbeitszimmer. „Da ist es sehr eng, da muss man sich zusammennehmen“, sagt er lachend. Einig sind sich die beiden darin, dass die Arbeit immer sehr interessant gewesen sei. „Ich habe, obwohl ich schon Jahrzehnte in Kierspe lebe, viele neue Menschen kennengelernt. Aber es war für mich auch immer interessant, wenn auch nicht immer nachvollziehbar, worüber sich Menschen streiten“, sagt Kraus.

Ganz unvorbereitet ist sie in ihr Amt vor zehn Jahren nicht gegangen, war sie doch früher auch lange Jahre als ehrenamtliche Richterin (Schöffin) tätig. Probleme dadurch, dass man die streitenden Parteien kannte, vielleicht sogar duzte, hatten beide nicht, so sagen sie es zumindest. „Man muss das nur vernünftig erklären. Und wenn man dann doch mal zu nah dran ist, kann man an einen der beiden anderen Schiedsleute verweisen“, erklärt Kraus. Nicht nur in solchen Fällen vertreten sich Schiedsleute gegenseitig, sondern auch bei urlaubs- oder krankheitsbedingter Abwesenheit. Zum Schluss des Gesprächs erzählt Kraus dann noch von dem kuriosesten Fall, den sie in den zehn Jahren erlebt hatte. „Da ging immer ein Mann an dem Fenster seiner hochbetagten Nachbarin vorbei, um genau dort sehr unflätige und beleidigende Dinge auszurufen. In der Verhandlung hat er dann aber abgestritten, dass die Dame gemeint sei – auch wenn nachgewiesen wurde, dass er es ausschließlich vor ihrem Fenster tat“, erzählt die Schiedsfrau.

Dass Adjuta Kraus jetzt noch im Amt bleibt, liegt daran, dass ihr Nachfolger für den Schiedsbezirk Dorf erst im Rahmen der kommenden Ratssitzung Mitte März gewählt wird. Stelse: „Wir sind sehr froh, dass sich für diesen Bezirk gleich zwei Kandidaten gemeldet haben. Dann haben die Ratsmitglieder wenigstens eine echte Wahl im März.“

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