Mit 250 Kubik und nur fünf PS zum Sieg

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Die Tornax S 30/I von 1930 von Rudi Mähler hat 600 Kubikmeter bei 19 PS und fährt maximal vielleicht 100 Stundenkilometer. ▪

KIERSPE ▪ 46 Motorräder und Roller aus den Jahren ab 1927 bis 1992 glänzten Samstagmorgen auf dem Gelände der Firma Knabe an der Osemundstraße und warteten auf ihren Start. Der Kiersper Rallye Club hatte zu seiner neunten ADAC-KRC-Motorrad-Veteranenrallye eingeladen und dieses Mal stimmte alles. Das Wetter war optimal und auch die Fahrer freuten sich auf einen schönen Tag im Sauerland.

105 Kilometer lang war die Strecke, die Samstag zurücklegt werden musste. Dabei hatten die Fahrer darauf zu achten, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit eingehalten, die Durchgangskontrollen und Zeitkontrollen protokolliert und die Gleichmäßigkeitsprüfungen möglichst sekundengenau absolviert wurden. Je nachdem, ob alles richtig oder ob kleine Fehler gemacht wurden, zog das einen Punktabzug mit sich. Los ging die Strecke für die tourensportlichen Fahrer und für die touristischen Teilnehmer vom Autohaus Knabe. Von dort fuhren sie Richtung Listertalsperre, Biggesee und an der Oestertalsperre entlang.

Ihre erste Gleichmäßigkeitsprüfung hatten die Fahrer aber bereits an der Waldheimstraße, direkt hinter dem Knabegelände, abzulegen. Dabei war von ihnen ein kleiner Parcours zu fahren, den sie exakt in einer vorgegeben Zeit zu absolvieren hatten. Jede Abweichung führte hier wieder zu Punkteabzügen.

In der Mittagszeit steuerten die Fahrer die Knochenmühle in Valbert-Mühlhofe an. Hier hatte der Heimatverein schon den Grill angeworfen, damit die Fahrer sich bei lecker gegrillten Würsten mit hausgemachtem Kartoffelsalat stärken konnten. Draußen standen Tische und Stühle bereit für die Fahrer, die es vorzogen, in freier Natur zu essen, während die anderen inmitten alter Küchengeräte im Innern der Mühle das Ambiente des Hauses genießen konnten. Auch an der Knochenmühle hatten sich viele Motorradfreunde eingefunden, die einen Blick auf die alten Schätzchen werfen wollten.

Bislang alle Motorrad-Veteranenrallyes des Kiersper Rallye Clubs haben drei Teilnehmer mitgemacht: Das Ehepaar Monika und Walter Schenk aus Spenge sowie Michael Meyer aus Frankfurt. Nachdem Michael Meyer mit seiner Monet & Goyon G/SS im letzten Jahr noch Pech hatte und ihm zwischen Eseloh und Wilkenberg der Motor kaputt ging, holte er sich an diesem Wochenende den ersten Platz mit einer Peugeot P 108 aus dem Jahr 1928. Michael Meyer liebt Motorräder aus Frankreich. Fast 30 Stück hat er zu Hause in über fünf Garagen und der Scheune eines Nachbarn stehen. 250 Kubikmeter hat seine Peugeot P 108 und dazu fünf PS. „Hier, für die Berge, ist das etwas wenig Leistung“, gab er zu bedenken. „Ich habe aber Geduld. Es geht hier um Gleichmäßigkeit und nicht um Schnelligkeit.“ Womit er, wie es sich nach der Siegerehrung zeigte, Recht hatte.

Schrauben und Reparieren, das ist ein Hobby von Michael Meyer. Fast alle Maschinen, die er zu Hause stehen hat, mussten oder müssen noch überarbeitet werden. Sind sie dann fertig, werden sie auch von ihm gefahren. So kommt er auch jedes Jahr zur Kiersper Motorrad-Veteranenrallye mit einem anderen Motorrad und hat bislang vom ersten bis zum letzten Platz schon alles bei den Rallyes erreicht.

Dass eine Motorrad-Veteranenrallye nicht nur etwas für die älteren Semester ist, zeigte sich an der Teilnahme von vier Jugendlichen aus Meinerzhagen, die in der Klasse der Youngtimer mit ihren Hercules Prima 5 von 1979 bis 1983 teilnahmen. Aus den Wertungen ihrer einzelnen Aufgaben sprach noch eine gewisse jugendliche Ungestümtheit heraus, die sich mit den Jahren und der Erfahrung legen wird, wie bei den meisten älteren Teilnehmern, die mit weniger Fehlerpunkten durchs Ziel gingen.

Über eines waren sich die meisten Teilnehmer am Ende des Tages wieder einig: Es ist wunderschön, im Sauerland eine Rallye zu fahren. Dass die meisten unter ihnen Genussfahrer sind zeigt sich schon daran, dass von den 46 Teilnehmern gerade einmal drei die tourensportliche Oldtimerausfahrt gewählt, während alle anderen sich für die touristische Ausfahrt entschieden hatten und so die Tour mit ihrer landschaftlichen Schönheit entspannt durchfuhren.

Die nächste Veteranen-Ausfahrt gibt es für interessierte Starter schon jetzt. Für den 15. September lädt der Dortmunder Motorsport-Club zu einem Wertungslauf für den ADAC Classic Revival Pokal und für den ADAC Oldtimer Cup Westfalen-Lippe ein.

Gertrud Goldbach

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