Uwe Ackermann ist Wurstkaiser

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Uwe Ackermann heißt der neue Wurstkönig des KSV. ▪

KIERSPE ▪ Zehn, neun, acht – wer bei Null nicht am Schießstand auf dem Hedberg stand, musste zur Strafe einen Wacholder trinken. Harte Sitten herrschten beim Kommando des Kiersper Schützenvereins (KSV), doch es ging um die Wurst. Ein schmächtiger Holzvogel wirkte fast verloren im Kugelfang. 24 Kommandomitglieder zielten auf den Aar, wer ihn von der Stange holte, wurde zum Wurstkönig für zwei Jahre gekrönt.

Es ist ein Spaßfest, das schon Tradition bei den Mitglieder des KSV-Kommandos hat. Begonnen hatte es in den 90-er Jahren. Nach dem Herrichten des Schützenplatzes saßen die Männer noch zusammen und tranken ein Bier. „Wir könnten ja bei schönem Wetter auch grillen“, kam der erste Vorschlag aus der Runde. „Wir könnten auch mal schießen“, war danach zu hören. „Ich habe noch einen Styroporvogel zu Hause“, meldete sich der Nächste. „Und als Orden für den König überreichen wir eine Kette aus Wurst sowie eine Metallkrone, gespickt mit Mettwürsten“, waren sich zum Schluss alle einig.

1993 schaffte es Heinrich Hüther, den Vogel herunter zu holen, 1995 glückte es ihm noch einmal. Seither ist es ein Ritual, welches die Mitglieder des Kommandos nach dem Reinigen des Platzes immer am Freitag vor dem Schützenfest begehen.

Fleisch und Würstchen werden reichlich für das Fest besorgt und jeder Schütze bringt Schnapsflaschen aus seiner Bar mit, die dann vertilgt werden.

Der Wacholder steht jedoch immer auf dem Tisch, von dem geschossen wird, denn im Laufe der Jahre ließen sich die Schützen viel Zeit, um zum Schießen anzutreten. Daraufhin wurde die Regel eingeführt, dass der Schütze, der nicht innerhalb von zehn Sekunden am Gewehr steht, einen Wacholder zur Strafe trinken muss.

Lange dauerte es, bis der Vogel sich bewegte. Mehr als zwei Stunden legten die Schützen an. Zum Schluss musste sogar ein Auto zur Hilfe geholt werden, um mit den Scheinwerfern das Ziel zu erleuchten. Wie viele Durchgänge es gegeben hatte, konnte zum Schluss niemand mehr sagen. Kalt war es vielen Schützen inzwischen geworden, die meisten hatten sich einen Pullover oder eine Jacke übergezogen, als Uwe Ackermann zum wiederholten Mal zum Luftgewehr griff. Mit geübter Hand legte er das Gewehr an, traf die Stange und der Vogel gab auf, legte sich auf die rechte Seite und fiel in den Rasen.

Groß war nun das „Hallo“ seiner Schützenbrüder. Sie lagen sich in den Armen, gratulierten ihm und erklärten ihn zum Wurstkaiser.

Uwe Ackermann war vor genau zehn Jahren schon einmal Wurstkönig und wer den Vogel zum zweiten Mal herunter holt, wird im Kommando Wurstkaiser. Schnell wurde der Wurstorden geknüpft, die Krone dem bisherigen König Stefan Walter abgenommen, mit Mettwürsten gespickt, und Uwe Ackermann feierlich überreicht. Lange dauerte die Freude an seinen Orden nicht, biss doch jeder, der an dem neuen König vorbeiging, einmal herzhaft in die Würste hinein, bis am Ende des Abends nur noch die metallene Krone übrig blieb, die Uwe Ackermann jedoch zwei Jahre lang tragen darf.

Gertrud Goldbach

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