„Weglaufen - oder maximale Aggression“

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Das Angebot in Sachen Selbstverteidigung und Kampfsport ist groß in Kierspe.

Kierspe - „Lass mich los!“ Mit voller Kraft brüllt Kira ihren Trainer an. Der kniet vor ihr, um mit der Siebenjährigen auf Augenhöhe zu sein und ist sehr zufrieden mit dem energischen Verhalten seiner Schülerin. Eugen Fuchs leitet eine Wing-Tsun-Gruppe für Kinder.

Diese Form der Kampfkunst dient in erster Linie zur Selbstverteidigung, in der Kindergruppe geht es aber um Selbstbehauptung. Weil ein Kind im Ernstfall kaum etwas gegen einen Erwachsenen ausrichten kann, zeigt Eugen Fuchs den Jungen und Mädchen Möglichkeiten Präsenz zu zeigen. Schreien ist dabei besonders wichtig, denn es lenkt die Aufmerksamkeit der anderen auf die Situation und weist den anderen in seine Schranken.

Das sieht auch Claudia Koch so. Die Gesamtschullehrerin gehört zu den Moderatoren, die zusammen mit Kollegen alljährlich im achten Jahrgang ein entsprechendes Training durchführen, für Mädchen und Jungen getrennt. „Selbstsicherheitstraining“ heißt das für die Mädchen, „präventives Konflikttraining“ für die Jungen. In der Gesamtschule lernen die Mädchen, sich mit einschlägigen Abwehrtechniken gegen Übergriffe zur Wehr zu setzen. Übungen wie Kräftemessen und Schreispiele sollen ihnen das Gefühl nehmen, schwächer zu sein. Umgekehrt lernen die Jungen in Rollenspielen, mit Ablehnung umzugehen. Vorbereitet zu sein ist das eine, das Bewusstsein, sich schützen zu können, das andere. Wer Selbstsicherheit ausstrahle, werde seltener angegriffen, meinen Claudia Koch und Eugen Fuchs übereinstimmend.

Selbstverteidigungsprogramme enthalten in der Regel Elemente aus dem Kampfsport. An Angeboten dazu gibt es in Kierspe keinen Mangel. Die Sportvereine und sämtliche Fitness- und Kampfsport-Studios haben einschlägige Gruppen und Kurse im Programm. Von Kung Fu über Tae Kwon do, Hapkido und Krav Maga bis Kickboxen ist alles dabei, für alle Altersgruppen und Männer und Frauen gleichermaßen. Wer sie beherrsche, sei im Fall des Falles gegen Angriffe gewappnet, meinen die Kampfsportler.

Davon sind auch Peter Ollerdis und Daniel Schniederjürgen überzeugt. Ollerdis betreibt mit Sohn Christian an der Friedrich-Ebert-Straße eine Kampfkunst-Schule, nur wenige Meter weiter trainiert Daniel Schniederjürgen in einem Fitness-Studio eine Gruppe Männer und Frauen in Krav Maga, einer für den zivilen Bereich adaptierten Nahkampftechnik. Hier treffen kampfsporterprobte Männer auf untrainierte Frauen - die Frauen haben trotzdem gute Chancen. Mit aller Kraft dreschen sie auf Kissen ein, mit denen die Männer ihre empfindlichsten Körperteile schützen. Denn bei einem Angriff gebe es nur zwei Möglichkeiten, meint Schniederjürgen: „Weglaufen - oder maximale Aggression“.

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