„Wir erleben das Leben der Menschen acht Stunden“

+
Zu den Aufgaben des Leiters der Tagespflege gehören natürlich auch Büro-Arbeiten, wie beispielsweise die regelmäßige Besprechung der Dienstpläne mit Ralf Ullrich.

Kierspe - „Als ich als Kind, als Elfjähriger im Krankenhaus war, hatte ich immer ältere Leute um mich – das war nett“, erinnert sich Axel Stüttem. „Da stand für mich fest, Altenpfleger zu werden!“ Auch, wenn er zwischendurch mal woanders gearbeitet hat, so kehrte der heute 50-Jährige immer wieder in den Pflegebereich zurück.

Stüttem arbeitete in Altenheimen ebenso wie bei mobilen Pflegediensten, war unter anderem mehr als fünf Jahre lang im Nachtdienst aktiv. Seit mittlerweile sieben Jahren gehört Axel Stüttem zum Team des Pflegedienstes Rat & Tat. Als das Unternehmen von Ralf Ullrich im vergangenen Jahr eine Tagespflege eröffnete, übernahm Axel Stüttem die Leitung dieses Pflegedienstes.

Schließlich hatte er sich auch in der Zeit davor auch schon um die Büro-Arbeit gekümmert. Denn die Bürokratie gehört ebenfalls zur Tagespflege, es sind Dienst- und Fallbesprechungen durchzuführen, Pläne für die Tagespflege aufzustellen und einiges mehr. Gleichwohl ist dies für den 50-Jährigen nicht der wesentliche Unterschied zur ambulanten Pflege: Bei letzterer sei man nur punktuell im Einsatz, führe sozusagen die verordneten Pflegemaßnahmen durch und sei dann wieder weg.

Manchmal die einzigen, die vorbeikommen

Gleichwohl betont sein Chef, Ralf Ullrich, dass es in der mobilen Pflege keine Zeitvorgaben gebe. Wie lange sich eine Pflegekraft bei einem Kunden aufhalte, hänge nicht nur von den verordneten Maßnahmen ab, sondern auch von der Situation des jeweiligen Menschen.

Zu den Aufgaben von Axel Stüttem gehören verschiedene Bewegungsspiele, auch mit einem Ball.

„Manchmal sind wir die einzigen, die vorbeikommen“, erklärt Ullrich, dass man sich dann auch Zeit für ein Gespräch nehme. „Das finden wir wichtig!“ Dafür habe man bei anderen nur die Pflegemaßnahmen durchzuführen und sei schnell wieder weg. Bei der Tagespflege werde man aber mehr oder weniger Teil des Lebens der Menschen, denn „wir erleben das Leben der Menschen acht Stunden, alle Facetten“.

Denn den Besuchern der Tagespflege steht morgens ab 8 Uhr die Einrichtung an der Kölner Straße zur Verfügung. Die Angehörigen bringen sie dorthin oder sie kommen mit dem Taxi. Ab 8.45 Uhr schließt sich ein gemeinsames Frühstück an. Bei der Vorbereitung können die Besucher helfen, wenn sie möchten. Da es sich teilweise um demenziell erkrankte Menschen handelt, ist natürlich nicht alles möglich.

Zeitung vorlesen ist sehr beliebt

Das Tagesprogramm beginnt schließlich gegen 9.45 oder 10 Uhr mit dem Vorlesen der Meinerzhagener Zeitung. „Das ist sehr beliebt!“ Gedächtnistraining, Kreuzworträtsel lösen, Gymnastik sowie Bewegung sollen die Menschen fit halten beziehungsweise wieder etwas fitter machen. Dazu gehört auch das Singen – „es wird viel gesungen“, sagt Axel Stüttem.

Das Mittagsessen wird um 12 Uhr angeliefert. Dabei kann zwischen neun verschiedenen Gerichten pro Woche ausgewählt werden. Wenn dies die Besucher der Tagespflege nicht selbst machen können, helfen die Angehörigen. Aber auch Stüttem und die anderen Pflegekräfte kennen die Biografie jedes einzelnen und können auch hierbei helfen.

Tagespflege soll Wohlfühloase sein

Ab 13 Uhr werden „die Füße hochgelegt“, die Menschen nutzen die Ruhephase gerne. Auch das vorhandene Ruhebett wird immer wieder genutzt. Schließlich soll die Tagespflege eine Wohlfühloase sein, wie es Ralf Ullrich ausdrückt. Die Menschen sollen insgesamt eine neue Motivation durch die Tagespflege erhalten.

Gegen zwei Uhr geht es dann mit einer Obstrunde – es gibt Früchte je nach Jahreszeit – weiter. Auch dabei können die Besucher, wenn sie wollen, mithelfen. Andere brauchen etwas länger, um wieder wach zu werden. „Manche schlafen tief und fest“, weiß der Pflegedienstleiter. Rätsel lösen, Gedächtnis trainieren, basteln oder auch gerne Besuch empfangen.

Besonders beliebt sind Kinder. Wenn die dann, wie ein Kinderchor, auch noch singen würden, herrsche ein tolles Flair. Das tue den Menschen genauso gut wie die Feiern (Weihnachten, Ostern, et cetera) mit den Angehörigen. „Sie fühlen sich dann wohl!“ Bevor der Tag in der Tagespflege langsam endet, gibt es um 15 Uhr Kaffee mit Kuchen oder Gebäck. „In diesem Sommer haben wir aber auch viel Eis verteilt“, erzählt Stüttem, „oder Naturjoghurt mit Obst“.

Natürlich achten er und seine Kolleginnen darauf, dass die Menschen auch genug trinken, „die Gläser werden automatisch immer nachgefüllt, das ist ganz wichtig“. Die Pflegefachkräfte kümmern sich nicht nur um das Tagesprogramm, Getränke und Essen, sondern reichen die Medikamente, spritzen Insulin, leeren Kathederbeutel oder begleiten den Toilettengang, wo erforderlich – eben die Aufgaben, die auf der To-do-Liste des Pflegefachpersonals stehen.

Kleine, nette Geschichten am Rande

Ebenso müssen Axel Stüttem und seine Kolleginnen über taktisches Geschick verfügen. Wie bei der Frau, die sich schnell eingelebt hat, zur Wortführerin wurde und – für eine klare Sitzordnung ist. Da dürfen sich auch Neue nicht einfach auf „ihren Stuhl“ setzen: „Das ist mein Platz!“

Ähnliches gilt für eine sehr liebe, aber auch sehr anhängliche Frau. „Die läuft mir immer hinterher“, sagt Axel Stüttem mit einem Lachen, weiß, wie er damit umzugehen hat. Das sind die kleinen, netten Geschichten am Rande, die Pflegefachkräfte ebenfalls erleben. Und Personal, so fügt Ralf Ullrich hinzu, werde nicht nur in der Tagespflege gesucht. Hospitationen seien auf jeden Fall möglich. Und wer die Tagespflege in Kierspe als möglicher neuer Gast kennenlernen möchte, kann nach Absprache mit Rat & Tat einen Schnuppertag in der Einrichtung an der Kölner Straße 159 erleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare