Abschied von der Einkaufsstraße

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Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung machte sich am Dienstag bei einem Spaziergang entlang der Kölner Straße ein Bild von den zahlreichen Leerständen in dem Bereich und überlegte Alternativen. ▪

KIERSPE ▪ Schon seit 2003 hat die Verwaltung ein Leerstandsmanagement eingerichtet und versucht, zwischen nachfragenden Einzelhandelsbetrieben und den Eigentümern der Immobilien zu vermitteln. Aber das langsame Sterben der Kölner Straße als Einkaufsstraße konnte sie dadurch nicht verhindern. Begonnen hat dies jedoch bereits vor Jahrzehnten, darüber waren sich die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung, als sie am Dienstag vor der Sitzung im Rathaus eine Ortsbesichtigung unternahmen, größtenteils einig. Die meisten reagierten erschrocken angesichts der vielen Leerstände von Ladenlokalen.

So hat die Anzahl der tatsächlich wirtschaftlich genutzten Geschäfte kontinuierlich abgenommen. Ein Grund ist, dass der Trend zu großen Einzelhandelsgeschäften und auch Einzelhandelszentren zugenommen hat und sich kleine Fachgeschäfte immer schwerer am Markt behaupten können. „Kleine Flächen sind unproduktiv“, erklärte der städtische Planer Rainer Schürmann. Die Probleme vor Ort fokussierten sich vor allem auf die Kölner Straße.

Hinzu kommt aufgrund von Versäumnissen in der Vergangenheit eine insgesamt sehr unbefriedigende Parksituation entlang der Straße, so dass die früher einmal lebendige Einkaufsmeile immer weniger von den Kunden angenommen wird. Das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich obendrein deutlich verändert: Es wird überwiegend mit dem Auto zum Einkaufen für den täglichen Bedarf gefahren. Auch gibt es einen Trend in Richtung der großen Städte, weil beim Shopping immer mehr der Erlebnischarakter zählt.

Laut Einzelhandelskonzept ist die Kölner Straße aber immer noch als zentraler Versorgungsbereich eingestuft, was inzwischen mehr und mehr an der Realität vorbeigeht. Leider habe die Verwaltung wenig Möglichkeiten, an dieser Stelle wirksam entgegenzuwirken, weil man von der Bereitschaft und den Möglichkeiten der Hauseigentümer abhängig sei, so Schürmann.

Der Stadtmarketingverein hat im Jahr 2010 alle Eigentümer leerstehender Ladenlokale angeschrieben, um zu versuchen die Schaufenster als Ausstellungsflächen für Künstler und Vereine zur Verfügung zu stellen. Leider, so hieß es in der Ausschusssitzung seitens der Verwaltung, sei niemand bereit gewesen, sein Ladenlokal für derartige Zwecke abzugeben. Ein weiterer Versuch, so kündigte der städtische Planer an, solle jetzt noch einmal im Zuge des Regionale 2013 unternommen werden.

Immerhin, so listete Hermann Reyher von den Grünen auf, gebe es noch zwei Bäcker, einen Metzger, mehrere Friseure, einen Optiker, ein Modegeschäft, einen Unterhaltungselektronikladen, eine Drogerie, ein Metallwarengeschäft und zwei Banken. Er vertrat die Ansicht, dass darauf aufgebaut werden könne. Obwohl, so Reyher weiter, es noch nicht einmal klappe, Interessenten mit günstigen Mietpreisen von fünf Euro pro Quadratmeter anzulocken.

Marli Fricke von der CDU kritisierte, dass die Hauseigentümer sich darüber gar nicht wundern müssten, wenn sie absolut unattraktive und ungepflegte Gebäude und Räume anböten. Oliver Busch betonte, dass inzwischen klar sei, dass man sich von der Kölner Straße als Einkaufsstraße verabschieden müsse. Armin Jung von der FDP bemerkte, dass sich immerhin Dienstleister verstärkt ansiedelten.

Michael Butz von den Grünen regte die Bildung eines Arbeitskreises an, der sich aktiv um Impulse für die Kölner Straße kümmern solle.

Rolf Haase

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