Abschaffung der Kopfnoten: „Mosaikstein fällt weg“

+
Arbeits- und Sozialverhalten wurden bewertet.

KIERSPE/MEINERZHAGEN ▪ Kopfnoten sind stark umstritten. Seit ihrer Wiedereinführung mit dem Schuljahr 2007/2008 standen sie auf den Zeugnissen für Schüler ab der dritten Klasse in den Grundschulen sowie in den Sekundarstufen I und II der weiterführenden Schulen. Auch nach der Reduzierung auf drei Noten gab es noch zahlreiche Kritiker. Am Mittwoch setzte die Landesregierung dieser Diskussion ein Ende: Sie strich die zusätzlichen Bewertungen ersatzlos.

Heinz-Hermann Haar, Schulleiter des evangelischen Gymnasiums in Meinerzhagen, zeigte sich gestern im Gespräch mit der MZ erfreut über die Abschaffung. Und zwar nicht, weil dadurch ein nicht unerheblicher Arbeitsaufwand für die Lehrer wegfalle, sondern weil es sehr schwierig gewesen sei, diese Noten objektiv zu vergeben. „Bei extrem guten Schülern war es zwar wichtig und gut, ihnen dies auch auf dem Zeugnis zu attestieren. Aber diese Möglichkeit besteht ja auch jetzt noch in freien Formulierungen“, so Haar.

Der gleichen Ansicht ist auch die Leiterin der Kiersper Gesamtschule Monika Hahn: „Für manchen Schüler war es sicherlich ein Ansporn, sich in einer Kopfnote zu verbessern. Sie standen aber in der Gefahr, subjektiv zu sein.“ Darüber hinaus seien viele Aspekte schon in den Fachnoten abgedeckt. „Da wird schließlich auch bewertet, ob ein Kind regelmäßig seine Hausaufgaben macht und wie es mitarbeitet.“

Enttäuscht von der Abschaffung äußerten sich erwartungsgemäß die Ausbildungsbetriebe. „Mir fällt jetzt ein Mosaiksteinchen weg, durch das ich ein vollständigeres Bild von einem Bewerber bekam“, sagte etwa Michael Knabe vom gleichnamigen Autohaus in Kierspe. In der Vorselektion von Bewerbungen habe er bislang durchaus auf die Kopfnoten geachtet. Diese seien aber auch kein K.O.-Kriterium gewesen. Vielmehr achte er vor allem auf die unentschuldigten Fehlzeiten. „Wenn da jemand eine ganze Menge stehen hat, muss er mir schon einen sehr guten Grund nennen“, so Knabe. Denn „Schwänzer“ sind im Berufsleben natürlich nicht gern gesehen.

Auch Frank Kykal, Betriebsleiter bei GWK, bedauert die Abschaffung der Kopfnoten. Diese könnten schließlich auch ein viel positiveres Bild von einem Bewerber geben: „Derjenige kann ja schulisch recht schwach, dafür aber in den sozialen Kompetenzen sehr gut sein. Wenn jemand immer pünktlich und zuverlässig ist, ist das auch sehr wichtig“, so Kykal. Ohnehin durchliefen bei GWK aber alle Azubi-Anwärter zuvor ein Praktikum, in dem sich diese Fähigkeiten zeigten. ▪ isas

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare