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A45-Sperrung: Umweltschule mit Lkw-Lärm

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Von: Thilo Kortmann

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An der B54 ist es gefährlich. Lehrer und Eltern schützen die Schüler vor dem Verkehrsaufkommen.
An der B54 ist es gefährlich. Lehrer und Eltern schützen die Schüler vor dem Verkehrsaufkommen. © Thilo Kortmann

Die Freie Schule bezeichnet sich als Umweltschule. Die momentane Verkehrsproblematik widerspricht dieser Philosophie jedoch in extremem Maße. Sprüche wie „Blumen sind das Lächeln der Erde“ zieren das Schulgebäude. Zum Lachen ist denen, die die Schule tagtäglich besuchen, gerade aber nicht zumute.

Die rund 135 Schüler kommen aus der gesamten Region. Und noch nie war das Verkehrsaufkommen an der Schule so hoch wie momentan. Das hohe Verkehrsaufkommen ist der große Widerspruch zum Umweltschutz, den die Schule eigentlich betreiben möchte. Eigentlich soll die Umgebung fahrradfreundlich sein. Oder fußgängerfreundlich. Oder freundlich in Sachen öffentliche Verkehrsmittel. Doch diesem Anspruch kann die Schule nicht nachkommen.

Die Probleme mit der B 54 direkt am Schulgelände gab es schon lange vor der Sperrung der A 45. Lehrer, Schüler, Eltern klagen seit geraumer Zeit über eine mangelhafte Verkehrssituation auf der B 54, die sich durch die Autobahn-Sperrung nur noch weiter verschärft hat. Wartezeiten bis zu einer Stunde auf den Bus sind deshalb keine Seltenheit.

Gefahr für Radfahrer

„Viele lassen ihre Kinder nicht mehr auf den Bus warten, der häufig viel zu spät dran ist, oder mit dem Fahrrad zur Schule fahren oder zu Fuß gehen. Aus Sorge, dass etwas auf und an der B 54 passieren könnte“, sagt Mutter Maria Melike Gallo-Özbey. Das Fahrradfahren sei, sagt die Mutter, auf der Straße lebensgefährlich. Zwar gebe es für Radfahrer aus Richtung Lüdenscheid eine Linksabbiegespur zur Schule, doch der nachfolgende Verkehr werde aufgrund der zu schmalen Straße dennoch gebremst.

Lastwagen müssten etwa anhalten, da sie keinen Platz hätten, um am Fahrradfahrer vorbeizufahren. Auf den schmalen Weg auf der linken Fahrbahnseite dürfen Fahrräder nicht ausweichen, da es sich hier um keinen ausgewiesenen Fahrradweg handele. „Da ist nur ein schmaler Fußweg, der viel zu gefährlich für Kinder angesichts des Verkehrsaufkommens ist“, erklärt Gallo-Özbey und ergänzt: „Meine Kinder hole ich lieber mit dem Auto ab. Da weiß ich, dass ihnen nichts passiert.“

Das neue Klassenzimmer unter freiem Himmel dient auch als Aufenthaltsbereich nach Schulschluss.
Das neue Klassenzimmer unter freiem Himmel dient auch als Aufenthaltsbereich nach Schulschluss. © Thilo Kortmann

Auch die Freie Schule versuche alles, um die Kinder vor dem Verkehr zu schützen. „Die Kinder müssen auf dem Schulhof bleiben, auch wenn sie auf den Bus warten. In die Nähe der B 54 lassen wir sie nicht mehr“, erklärt Schulleiterin Bärbel Schenk. Aufgrund der Änderung des Busfahrplans der MVG, sagt Schenk, komme es vor, dass einzelne Busse enorme Verspätungen aufweisen. Manchmal würden die Busse auch einfach an der Schule vorbeifahren. Das passiere ein bis zwei Mal im Monat.

Der Schulbetreuer der MVG sei gut erreichbar. Auch das Busunternehmen Busch erreiche man gut. Nur der Westfalenbus sei nicht zu kontaktieren. „Dann bleibt den Eltern nichts anderes übrig, als ihr Kind mit dem Auto abzuholen. Ansonsten müssen sie lange auf den nächsten Bus warten“, sagt Lehrerin Stefanie Lambertz. In den Wartezeiten auf den Bus, sagt Schenk, gebe es nun immerhin die Möglichkeit, im neuen Naturunterrichtszimmer schon mal Hausaufgaben zu machen. Inmitten von einem Kreis aus Bäumen hat die Freie Schule ein Open-Air-Klassenzimmer geschaffen.

Mutter Carina Engstfeld lässt ihre Tochter Elisa gar nicht mehr mit dem Bus fahren, weil Elise frühmorgens eine halbe Stunde auf den Umstieg in den Anschlussbus warten müsste. Aufgrund der Verkehrsproblematik hat ihre Tochter bereits vor sechs Monaten schon einen Brief an die MVG geschrieben (siehe Info-Kasten), auf den sie allerdings keine Antwort erhielt. „Das ist natürlich enttäuschend, dass einem Kind nicht geantwortet wird“, sagt Carina Engstfeld.

Brief an MVG

Etwas überrascht über den Ärger an der Freien Schule ist Jochen Sulies, Pressesprecher der MVG. Doch natürlich, erklärt Sulies, seien auch die Busse stark betroffen von der Sperrung der A45. „Wir mussten aufgrund des Verkehrsaufkommens längere Umläufe verkürzen.“ Und die meisten Schulen wüssten, dass sie sich bei Problemen mit den Bussen direkt bei der MVG melden könnten. „Wir haben einen Schulbetreuer. Bei dem kann sich die Freie Schule melden.“ Und sollte ein Bus an der Schule vorbeifahren, dann sollte die Buslinie und die Uhrzeit notiert und dem Kundenservice der MVG vorgelegt werden, rät der Pressesprecher. Auch von dem Brief von Elisa Engstfeld weiß Sulies nichts. „Normalerweise gehen alle Beschwerden an den Kundenservice. Und der antwortet innerhalb von 14 Tagen“, erklärt Jochen Sulies.

Der Brief von Schülerin Elisa Borlinghaus an die MVG

sehr geehrte MVG,

mein Name ist Elisa Borlinghaus und ich gehe auf die Freie Schule Kierspe. Ich und meine Mitschüler sind sehr unzufrieden mit den neuen Busfahrplänen. Früher konnte ich mit dem Bus um 7.30 Uhr von Kierspe Dorf zur Gesamtschule fahren und dann um 7.45 Uhr den Bus zur Freien Schule nehmen. Nun müsste ich den Bus um 7.02 Uhr ab Kierspe Dorf nehmen und an der Gesamtschule 30 Minuten auf den Bus zur Freien Schule warten.

Meine Eltern möchten aus Sicherheitsgründen nicht, dass ich so früh und so lange allein an der Gesamtschule warten muss. Daher fahren sie mich nun direkt zur Freien Schule, wie es so viele Eltern jetzt machen müssen, damit die Kinder nicht so lange morgens auf ihren Bus warten müssen. Mittags ist es so, dass wir nach Schulschluss zum Teil 40 Minuten auf den Bus warten müssen, um nach Hause zu fahren. Deshalb holen viele Eltern die Kinder von der Schule ab.

Unsere Schule ist eine Umweltschule. Wir achten sehr auf Naturschutz und Tiere. Dass viele Eltern nun ihre Kinder fahren und abholen müssen, ist nicht sehr umweltbewusst. Ich hoffe, dass Sie diesen Brief zur Kenntnis nehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Elisa Borlinghaus

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