70 Jahre dabei: Günter Riedel ist Urgestein der SPD

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Zur 70-jährigen Parteimitgliedschaft von Günter Riedel gratulierten die Bundestagsabgeordnete Petra Crone (links), die SPD-Vorsitzende Monika Baukloh, ihr Sohn Philipp und der Landtagsabgeordnete Gordan Dudas.

Kierspe - Als Günter Riedel in die SPD eintrat, war die nach dem Krieg wiedergegründete Partei gerade einmal ein Jahr alt, die Bundesrepublik noch nicht gegründet und Willi Brand noch nicht einmal deutscher Staatsbürger.

1946 trat der damals 25-Jährige in die Partei ein – nun wurde er von seinen Kiersper Genossen, dem Landtagsabgeordneten Gordan Dudas und der Bundestagsabgeordneten Petra Crone, mit der goldenen Parteimedaille und einer Urkunde geehrt.

Geboren wurde Riedel in Breslau, wo er in einem familiären Umfeld aufwuchs, das sich ganz der Arbeiterbewegung verschrieben hatte. Nach Kriegsdienst und Verwundung wurde er gemeinsam mit seiner Frau und Tochter vertrieben. In der Nähe von Lippstadt fand die Familie Aufnahme bei einem Verwandten. Dort trat er auch in die SPD ein – nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der die meisten Deutschen „die Nase von Parteien voll hatten“. „Ich habe mich sofort von der SPD und ihren Idealen angesprochen gefühlt“, erinnert er sich. Und auch wenn er in den Jahren manches Mal mit der Ausrichtung seiner Partei gefremdelt hat, die Treue hat er ihr immer gehalten. „Mit dem man hinfällt, mit dem steht man auch wieder auf“, ist sein Wahlspruch.

Hohe Parteiämter strebte der heute 95-Jährige nie an. Statt dessen konzentrierte er sich darauf, die junge Familie zu versorgen – als Händler im Lipperland – und nach dem Umzug in den Märkischen Kreis als Schleifer, später dann 27 Jahre bei der Firma Backhaus.

Für die Partei zog er mit dem einige Jahre nach der Tochter geborenen Sohn über Land, um als Kassierer die monatlichen Beiträge zu kassieren – eine Mark war das anfangs.

„Meine Frau Margot hat mir vor den Wahlen immer den Leimtopf gehalten, wenn ich Plakate geklebt hat“, erinnert er sich.

Gestern drohte er aber seinen Genossen an, die Partei zu verlassen. „Wenn ich auf dem Sterbebett liege, trete ich in die CDU ein. Es ist doch besser, es stirbt einer von denen als von uns“, merkte er an. Doch wer ihn kennt, der weiß, seine SPD wird er nie verlassen – auch nicht um die CDU zu belasten.

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