Vater zu drei Jahren und zehn Monaten wegen Missbrauchs seines Sohnes verurteilt

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Das Landgericht verhandelte gegen einen 47-jährigen Kiersper.

Kierspe - Nach dem umfassenden Geständnis ging alles ganz schnell im Prozess gegen einen 47-jährigen Kiersper, der seinen 17-jährigen Sohn sexuell missbraucht hatte.

Schon am zweiten von drei geplanten Verhandlungstagen verurteilte die 1. Große Strafkammer des Landgerichts den Vater wegen sexuellen Missbrauchs eines Schutzbefohlenen in 34 Fällen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten.

Die Kammer bezog dabei zwei ähnlich gelagerte Verurteilungen der Amtsgerichte in Meinerzhagen und Lüdenscheid, die zunächst zur Bewährung ausgesetzt worden waren, in das neue Urteil mit ein. 

Laut Anklage sollte sich der Angeklagte in der ersten Hälfte des Jahres 2015 68 mal mit seinem Sohn getroffen haben, der nach der Trennung der Eltern noch vor seiner Geburt ausschließlich bei der Mutter aufgewachsen war. Er hatte die Anzahl der Treffen, die der wechselseitigen sexuellen Befriedigung dienten, auf etwa 68 geschätzt – zwei Mal pro Woche. Der Vater erinnerte sich nur an etwa ein Treffen pro Woche, was in der Summe 34 Taten ergab. Strafrechtlich gesehen war der Unterschied kaum von Belang.

In seiner Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz, dass es der Kammer nicht um eine Verurteilung abweichender sexueller Praktiken gehen konnte. Der Vater hatte sich im Verfahren als bisexuell bezeichnet, und seinem Sohn ging es offenbar nicht anders. Auch die ebenfalls von Strafe bedrohte Inzucht kam nicht in den Blick, weil die Beteiligten gleichgeschlechtliche Kontakte hatten. Der Vorsitzende hob aber die Bedeutung einer freien Sexualentwicklung von Jugendlichen hervor, die durch Sexualkontakte zu Elternteilen massiv gestört werde. Der Vater habe in diesem Fall seine Vaterrolle missbraucht, um seinen Sohn in seinem Sinne zu beeinflussen.

Eine geistige Behinderung, aufgrund derer der 17-Jährige eher einem 13- oder 14-Jährigen gleichzustellen sei, habe ihn „umso beeinflussbarer zugunsten des Angeklagten“ gemacht. Scheinbar hatte sich der 17-Jährige recht bereitwillig an den Sexspielen beteiligt. Bei ihm seien „keine gravierenden Folgen“ der Treffen mit seinem Vater festzustellen, erklärte der Vorsitzende. Zugunsten des Angeklagten wertete die Kammer das umfassende Geständnis, das dem Sohn eine Vernehmung vor Gericht ersparte. Dazu kam die Enthemmung durch den gemeinsamen genossenen Alkohol.

Drei Jahre liegen die Taten mittlerweile zurück. Gegen den Angeklagten sprach die hohe Zahl massiver sexueller Handlungen. Jeweils ein Jahr und sechs Monate verhängte die Kammer für die geschätzten sechs Fälle von oralem Sex, jeweils mit einem Jahr schlugen die manuell ausgeführten Taten zu Buche. Dazu kam eine zweijährige Bewährungsstrafe aus dem Amtsgericht Lüdenscheid. Die 2016 abgeurteilten Taten waren zeitlich nach den jetzt abgeurteilten geschehen. In der etwas anderen Arithmetik der Juristen ergab die offene Bewährungsstrafe zusammen mit den jetzt verhandelten Taten erstmals eine vollstreckbare Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten gegen den Angeklagten.

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