Merkwürdiges Verhalten des Mannes vor Gericht

Wütender Sohn: Mit Hantel das Cabrio des Vaters zerstört - wegen Erzählungen über die Nichte

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Mit einer Hantel wurde ein Cabriolet schwer beschädigt.

Kierspe – Ein 37-Jähriger soll mit einer Hantel das Cabrio seines Vaters zerstört haben und mehrfach ohne Ticket mit dem Zug gefahren sein - beides war Gegenstand einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Meinerzhagen. Am Ende überraschte der Richter mit seiner Entscheidung.

Mit großen Kopfhörern betrat ein Angeklagter im Amtsgericht Meinerzhagen den Sitzungssaal. Er brauche beruhigende Musik. Der Verhandlung könnte er aber dennoch folgen, er sei multitaskingfähig, erklärte der 37-Jährige.

Bereits die ersten Minuten des Prozesses offenbarten den Beteiligten, dass sie es hier mit keinem gewöhnlichen Angeklagten zu tun hatten. Vorgeworfen wurde dem Kiersper, er habe am 26. Oktober vergangenen Jahres mit einem Tonfa, ein metallener Schlagstock mit Quergriff, das Cabrio seines Vaters zerstört. 

Der Angeklagte lebte zu der Zeit bei seinem Vater in Kierspe. Zudem soll er insgesamt vier Mal ohne Ticket mit dem Zug gefahren sein. Der Angeklagte sprach sehr schnell, laut und teilweise unverständlich. Er gab die Sachbeschädigung am Fahrzeug zu. 

Das Verhältnis zu seinem Vater sei schlecht: „Der hat mich schon so oft zum Krüppel geschlagen, das kann ich gar nicht zählen.“ Jedenfalls hänge der Vorfall mit seiner Schwester und deren Tochter zusammen.

Erzählungen über die Nichte brachten das Fass zum Überlaufen

Besagte Schwester habe Angst vor dem Angeklagten, weshalb sie ihm seine Nichte vorenthalte. Sein Vater, so der 37-Jährige, sei am Tattag freudestrahlend vom Besuch bei der Kleinen zurückgekehrt und habe von dem Kind erzählt. Das habe ihn so wütend gemacht, dass er sich seine Hantel geschnappt und auf den Wagen seines Vaters eingeschlagen habe. 

„Ich habe gedacht, das Grinsen treibe ich meinem Vater aus. Und das habe ich gemacht“, erklärte der Angeklagte. Er habe einen Smiley auf der Motorhaube hinterlassen. 

Fußmarsch von Düsseldorf nach Hagen - und dann erschöpft in den Zug

Auch die Schwarzfahrten mit dem Zug räumte der Mann ein. In einem Fall sei er von einem Konzert gekommen und zu Fuß von Düsseldorf bis Hagen gelaufen. Dort sei er für einen weiteren Marsch zu erschöpft gewesen. Er sei in einen Zug gestiegen und erwischt worden: „Ich hatte keine Geld, ich war Pleite, ich hatte Hunger.“ Das galt auch für die weiteren drei verbotenen Fahrten.

Merkwürdiges Verhalten im Gerichtssaal

Mitten in der Verhandlung nahm der Angeklagte plötzlich einen Stapel Karten aus seiner Tasche und fing an, diesen zu mischen, bis sein Verteidiger eingriff. Kurz darauf rückte er seinen Stuhl vom Tisch ab, nahm seinen Fuß in die Hand und drehte ihn, bis ein knirschendes Geräusch ertönte. „Ich muss mal eben meinen Fuß knacken lassen. Ich hab Arthrose“, erklärte der Kiersper, der sich laut Zeugenaussagen auch außerhalb des Gerichtssaals merkwürdig verhielt.

So berichtete ein Nachbar, er habe den Angeklagten einmal dabei beobachtet, wie er nackt in einem Runenkreis umher lief. Eine Polizistin, die zur Sachbeschädigung am Auto gerufen worden war, beschrieb den Mann als aggressiv und wirres Zeug redend. So zum Beispiel, dass er im Wald gelebt und Eichhörnchen gegessen hätte. 

Verfahren wegen schwerwiegenderer Tat läuft noch

Der Richter hegte ernste Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten. Dieser gab an, Drogen zu konsumieren, Cannabis sogar auf Rezept zu bekommen. Er sei ständig drauf. „Wenn ich nüchtern bin, halte ich es gar nicht aus. Dann bin ich gefährlich“, so der Kiersper. 

Derzeit läuft noch eine Anklage wegen einer weitaus schwerwiegenderen Tat. Im Hinblick darauf entschied der Richter, die Verfahren wegen Sachbeschädigung und der Schwarzfahrten vorläufig einzustellen. Strafen dafür würden bei der Schwere des anderen Falles, der nicht weiter erörtert wurde, nicht ins Gewicht fallen. Wenn es keine Entscheidung in der anderen Angelegenheit geben sollte, werde das vorläufig eingestellte Verfahren wieder aufgenommen.

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